Augsburg - Wer Augsburgs Neuzugang Lorenzo Davids beim Fußball spielen zuschaut, fühlt sich unwillkürlich in der Zeit zurückversetzt: Wie der junge Mann sich bewegt, die Art der Zweikampfführung, ja sogar seine Frisur, alles erinnert an seinen berühmten Cousin Edgar Davids.

Lorenzo scheut diesen Vergleich nicht. Sein Cousin ist gleichzeitig sein Idol und Ratgeber. Edgar Davids verließ 1996 mit 23 Jahren die niederländische Eredivisie in Richtung AC Mailand. Sein Cousin ist bei seinem Wechsel zu Augsburg gerade mal ein Jahr älter.

Nijmegen statt Amsterdam

Dennoch ist die Ausgangslage eine andere: Während Edgar bereits Nationalspieler war und mit Ajax Amsterdam drei nationale Meisterschaften und je einmal UEFA-Pokal, Champions League und nationalen Pokal gewonnen hatte, nahm Lorenzo den Umweg ins beschauliche Nijmegen, um in der Eredivisie Fuß zu fassen. Er absolvierte 132 Spiele (5 Tore) in der höchsten niederländischen Spielklasse, hat drei Spiele in der U-21 von Oranje absolviert und wurde 2009/10 zu Nijmegens Spieler des Jahres gewählt.

Spielweise und Spitzname verbinden die unterschiedlichen sportlichen Lebensläufe der Cousins, denn genauso wie Edgar zu seiner Zeit, hat sich Lorenzo den Beinamen "Pitbull" durch seine aggressive Spielweise erarbeitet. Die Offensivspieler der Bundesliga müssen sich bei den Spielen gegen den FCA auf einen unbequemen Nachmittag einrichten. Und auf den einen oder anderen blauen Fleck. Der defensive Mittelfeldspieler, der auch auf dem linken Flügel eingesetzt werden kann, schont weder sich noch seine Gegenspieler.

"Der nächste Schritt in meiner Karriere

Er sieht seinen ablösefreien Transfer zum Aufsteiger als große Chance: "Der Wechsel von der niederländischen Ehrendivision in die deutsche 1. Bundesliga ist der nächste Schritt in meiner Karriere, auf den ich gehofft habe." Er hat zunächst für zwei Jahre unterschrieben. Hier will er sich etablieren und ins Blickfeld von Bondscoach Bert van Marwijk spielen. Augsburgs niederländischer Trainer Jos Luhukay hat beim Wechsel seines Landsmannes eine wichtige Rolle gespielt und wird dem im Surinam geborenem Davids die Integration erleichtern. Seine Deutschkenntnisse sind im Vergleich zu denen vieler seiner Landsleute eher bescheiden.

Besonders gespannt darf man auf die Duelle mit der TSG Hoffenheim sein, denn bei den Sinsheimern spielt ein guter alter Bekannter von Davids. Mit Ryan Babel wohnte er früher Tür an Tür in Amsterdam und lernte das Fußball spielen auf der Straße. "Mein Vater erzählt mir heute noch oft, dass ich nur Fußball im Kopf hatte. Und wenn er mir einmal den Ball wegnahm, habe ich geweint." schildert Davids diese Zeit gegenüber der "Augsburger Allgemeinen". Jos Luhukay sollte also immer ein Spielgerät in der Nähe haben, wenn er seinen Neuzugang bei Laune halten will.

Florian Reinecke