Köln - Jüngster Bundesligadebütant beim FC Bayern München und mit 18 dänischer Nationalspieler. Pierre-Emile Höjbjerg, dessen Nachname ganz einfach "Heuber" ausgesprochen wird, hat in seinen jungen Jahren bereits viel erreicht - und ist noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt.

Schon bei seinem ersten Bundesligaeinsatz für seinen aktuellen Club FC Augsburg zeigte der 19-Jährige, der von sich selbst sagt er sei "ein neuer Spieler-Typ", sein ganzes Können, als er mit einer überragenden Vorlage den 1:0-Führungstreffer der Fuggerstädter beim 3:1-Sieg über die TSG Hoffenheim einleitete.

Vom Rekordmeister gescoutet

Bei den Bayern-Profis kam der Youngster noch nicht zu genügend Einsatzzeiten, um sich vollends zu entfalten; das soll in Augsburg nun anders werden, bevor er in der nächsten Spielzeit endlich richtig bei den Bayern durchstarten will.

Seine bisherige Laufbahn liest sich trotzdem wie eine Bilderbuchkarriere. Als gebürtiger Kopenhagener zunächst in der Jugend des FC Kopenhagen in Dänemark ausgebildet, wechselte er 2009 in die Nachwuchsabteilung der Bröndby IF. Drei Jahre blieb er dort und dann ging alles ganz schnell. Entdeckt von einem Bayern-Scout sicherte sich der deutsche Rekordmeister die Dienste des Dänen - eigentlich zunächst für die U19-Nachwuchsmannschaft. Doch Höjbjerg überzeugte auf der ganzen Linie, nach nur einem Einsatz in der U19 des Clubs holte ihn der damalige Trainer Mehmet Scholl bereits im Sommer 2012 fest in den Kader des FC Bayern II.

Mit 18 schon Pokalsieger

Nur acht weitere Monate musste er warten, bis er als bisher jüngster Bayern-Spieler aller Zeiten sein Bundesligadebüt gab - mit 17 Jahren und 251 Tagen unterbot er sogar noch David Alaba, der diesen Rekord bis dahin hielt. "Das ist der Hammer! Seit ich ganz klein bin, ist das mein Traum gewesen. Ich musste mich mal in den Arm zwicken, aber es ist echt. Als ich rein gekommen bin, habe ich natürlich ein, zwei Minuten gebraucht - vielleicht auch fünf, bis ich im Spiel war. Am Anfang habe ich mir in die Hose gemacht. Aber das macht wohl jeder 17-Jährige. Das Erlebnis war super", sagte der Spieler damals im Interview mit bundesliga.de.

Trotz Profivertrag stand Höjbjerg in den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 dennoch hauptsächlich in der Regionalliga für die Zweitvertretung auf dem Platz - den DFB-Pokal hielt er 2014 trotzdem mit den Profis in die Höhe. Im Finale gegen den BVB spielte der damals 18-Jährige ganze 102 Minuten.

Auch in der dänischen Nationalmannschaft hätte es kaum besser laufen können für Höjbjerg, der als Sohn eines Dänen und einer Französin gleich zwei Staatsbürgerschaften besitzt. Über die gängigen Stationen der Juniorenteams erreichte er im Mai letzten Jahres die A-Nationalmannschaft und debütierte als 18-Jähriger in einem Freundschaftsspiel gegen Schweden.

Privater Rückschlag

Nur wenige Wochen nach seinem 18. Geburtstag erhielt Pierre-Emile Höjbjerg die Schocknachricht. Sein Vater war an Krebs erkrankt, die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben. Was folgte, war eine beispiellose Aktion des FC Bayern München, der Christian Höjbjerg nach München holte und ihm eine Chemo-Therapie ermöglichte. Für Pierre-Emile Höjbjerg, der mit Außenbandproblemen ohnehin schon angeschlagen war, eine schwere Zeit, in der er jedoch voll auf die Unterstützung und den Beistand von Club und Trainer Pep Guardiola zählen konnte.

Obwohl es zunächst wieder Hoffnung für den Vater des Spielers gab, verlor er im April 2014 schließlich den Kampf gegen die Krankheit. Pierre-Emile Höjbjerg ließ sich jedoch nicht unterkriegen, es folgten die Nominierung für die Nationalmannschaft und das Pokalfinale. "Als ich heute nach dem Spiel auf dem Rasen stand, war das für mich sehr emotional. Der Moment war sehr befreiend", sagte er nach dem Pokalsieg.

Schritt zur Verbesserung

Der Wechsel zum FC Augsburg war die eigene Entscheidung von Höjbjerg, der bis zum Saisonende verliehen ist, "um den nächsten Schritt zu machen und in der Rückrunde Spielpraxis in der Bundesliga zu sammeln". Er sei sich "sicher, dass der FCA genau der richtige Club ist, weil der Verein eine tolle Entwicklung genommen hat und hier die Mannschaft und das Umfeld passen. Ich möchte mich nun so schnell wie möglich ins Team integrieren und der Mannschaft auf dem Platz helfen".

Trotz Interesse zahlreicher anderer Clubs, kam für Höjbjerg nur der FCA in Frage. Nach eigener Aussage habe er mit "anderen Vereinen gar nicht erst gesprochen". Und: Bei dem Club, der eine überragende Saison spielt, ist Höjbjerg gut aufgehoben - wie er schon am ersten Spieltag der Rückrunde unter Beweis stellte.

Helge Winter