Dortmund - Als Pierre-Emerick Aubameyang gefragt wird, ob er Robert Lewandowski in der Torjägerliste überholen will, muss der Dortmunder lachen: "Das ist schwierig, mein Freund.“ Doch wenn es einer kann, so scheint es in diesen Tagen, dann der Mann aus Gabun. Mit neun Saisontoren ist er dem Bayern-Stürmer unmittelbar auf den Fersen – und am Sonntag kommt es beim Klassiker zwischen Bayern und dem BVB auch zum direkten Duell der besten Ballermänner der Bundesliga.

Die Generalprobe hat die Borussia vor dem Gipfeltreffen in München in den Sand gesetzt. Nur 2:2 gegen Aufsteiger Darmstadt, trotz 69 Prozent Ballbesitz und 16:4-Torschüssen nur ein Punkt und ein später Ausgleich, der nicht nur Mats Hummels so richtig geärgert hat.

 Unglaublicher Startrekord

Auf einen aber war auch in diesem Spiel Verlass: Pierre-Emerick Aubameyang knipste mal wieder einen Doppelpack, zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem 3:2-Sieg in Hannover. In seinen 72 Bundesligaspielen traf er insgesamt acht Mal mindestens doppelt. Und der 26-Jährige baute eine Serie aus, die in der Bundesliga einmalig ist: Er traf an allen sieben Spieltagen und stellte damit einen Startrekord auf, den es so zuvor noch nie gegeben hat.

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In seinem dritten Jahr in Schwarz-Gelb hat sich Aubameyang zu einem Stürmer mit eingebauter Torgarantie entwickelt, der zurzeit in seiner Zuverlässigkeit Maßstäbe setzt. Seine Vorgänger der letzten Jahre stellt er dabei reihenweise in den Schatten. Lucas Barrios, Ewerthon, Jan Koller, Marcio Amoroso, Stephane Chapuisat, Kalle Riedle – prominente Namen, aber keinem waren zum Saisonbeginn gleich neun Tore gelungen. Man muss schon weit in die Historie der Borussia zurückschauen, um mit Lothar Emmerich überhaupt einen derart verlässlichen Angreifer zu finden. "Emma“ hatte 1965/66 nach sieben Spieltagen ebenfalls neun Treffer auf dem Konto.

 "Es tut gut, Tore zu schießen"

Was auch bedeutet: Im Duell des aktuellen Super-Knipsers im Trikot der Borussia mit seinem unmittelbaren Vorgänger Robert Lewandowski geht dieser Punkt an Aubameyang. Und der jagt jetzt einen weiteren BVB-Rekord, den momentan noch der Pole hält. Dem jetzigen Münchner war für Dortmund in zwölf Spielen in Folge mindestens ein Treffer geglückt. Pierre-Emerick Aubameyang liegt derzeit saisonübergreifend bei neun Partien. Und hat so richtig Spaß daran, die Bälle im gegnerischen Tor zu versenken: "Es tut gut, Tore zu schießen. Es ist mein Job als Stürmer und ich bin glücklich darüber.“

Insgesamt hat sich Dortmunds Nummer 17 in dieser Saison 20 Bundesliga-Tore zum Ziel gesetzt, was momentan nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. Um diese Quote hat Aubameyang auch mit seinem Trainer gewettet – nur den Einsatz wollte er noch nicht recht verraten. "Es ist nicht wirklich eine Wette. Aber wenn es klappt, dann werde ich zeigen, worum es eigentlich geht“.

 Salto als Markenzeichen

Sein Markenzeichen ist der Salto, den er so elegant und leichtfüßig springt, wie er sonst seinen Gegnern davonläuft. Aubameyangs Schnelligkeit ist aber nur eine seiner Stärken. Gepaart mit Technik und Torriecher und einer gehörigen Portion Dynamik wird daraus das komplette Torpaket. In der Dortmunder Mannschaft macht ihn aber nicht nur seine Treffsicherheit so wertvoll. Er klebt nicht im Strafraum, sondern rochiert immer wieder mit der offensiven Dreierreihe mit Kagawa, Reus und Mkhitaryan oder wahlweise auch Januzaj. "Herausragende Laufwege“ hat Thomas Tuchel seinem Stürmer bescheinigt.

Noch hat Lewandowski die Nase vorn

Wenn es nun am Sonntag in München zum direkten Duell der Top-Schützen kommt, kann Pierre-Emerick Aubameyang eine gewisse Vorfreude nicht verhehlen. So ein Wettbewerb um die Torjägerkrone sei doch etwas Schönes, ließ der Dortmunder gewohnt cool wissen - "besonders, wenn er mit meinem Freund Lewy geführt wird“. In diesem Kalenderjahr haben beide je 20 Liga-Tor erzielt, in dieser Saison hat Lewandowski mit 10 Treffern noch die Nase vorn.

Ein derartiges Knipser-Duell hat die Liga nach sieben Spieltagen auf diesem Niveau übrigens erst einmal erlebt. In der Saison 1977/78 führte Gerd Müller (10 Tore) damals die Liste vor Dieter Müller (9) an; nach 34 Spieltagen teilten sich beide die Kanone.

Auch das wäre Pierre-Emerick Aubameyang am Ende sicher einen Salto wert. Mindestens.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte