Zusammenfassung

  • Philipp Max überzeugt beim FC Augsburg defensiv wie offensiv

  • Für seinen Trainer Manuel Baum hat er im Interview viel Lob übrig

  • Sein Vater, der frühere Schalke-Profi Martin Max, hat ihn stets unterstützt

Augsburg - Philipp Max vom FC Augsburg ist nach den bisherigen elf Spieltagen der offensivstärkste Verteidiger der Bundesliga. Einmal traf er selbst, fünf weitere Treffer bereitete er vor. Im exklusiven Interview spricht der 24-Jährige Linksverteidiger über seinen Höhenflug und den seines Vereins sowie über seinen prominenten Vater.

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bundesliga.de: Philipp Max, Sie sind in erster Linie Verteidiger, aber neuerdings geben Sie auch Torvorlagen und schießen oft aufs Tor, in einigen Statistiken sind Sie vorne. Woher kommt diese neue Ausrichtung?

Philipp Max: Statistiken sind immer so eine Sache. Ich habe nichts versucht, was ich vorher nicht auch gemacht habe. Das ist etwas Schönes. Darüber freut man sich natürlich, das ist klar, aber das gilt es zu bestätigen und da weiter zu machen.

bundesliga.de: Ist Ihr Vater (Martin Max, anm. d. Red.) stolz, dass Sie es zum Bundesliga-Spieler gebracht haben? Schließlich war er selbst ja ein Torschützenkönig.

Max: Nicht nur er, die ganze Familie freut sich natürlich sehr darüber, wie es im Moment läuft bei mir und bei uns im Allgemeinen. Wir waren bisher noch nicht in den unteren Tabellenregionen. Das wollen wir natürlich auch so beibehalten und einfach so weitermachen wie bisher.

"Als es um die Existenz des Vereins ging, hat das ganze Team einen Schub bekommen."

bundesliga.de: Sie haben sechs Scorerpunkte gesammelt - kein Verteidiger der Bundesliga hat mehr. Was macht Sie in den letzten sechs Monaten so stark?

Max: Ich glaube einfach, dass es in der letzten Saison eine schwierige Konstellation war, wo ich bei Olympia war, die halbe Vorbereitung verpasst habe und mich in der Vorbereitung nicht wirklich anbieten konnte. Dann war ich zwischenzeitlich noch verletzt, als ich zurückkam. Es war dann etwas holprig. Ich wurde eher offensiv eingesetzt, nach dem Trainerwechsel in den ersten Spielen wieder defensiv. Wenn man ein dreiviertel Jahr nicht hinten gespielt hat, ist es zunächst eine schwierige Situation. Als es um die Existenz des Vereins ging, hat dann das ganze Team einen Schub bekommen. Wir haben gesehen, dass wir gute Spiele machen können, als Mannschaft und als einzelner Spieler. Ich konnte nach einer kompletten Vorbereitung mit der Mannschaft daran anknüpfen.

bundesliga.de: Ist regelmäßiges Flanken-Training der Schlüssel zum Erfolg?

Max: Wir trainieren das wöchentlich, streuen individuelle Einheiten ein, um den Ablauf reinzubekommen, ein gutes Gefühl zu bekommen. Ich glaube, das gibt jedem Spieler ein gewisses Maß an Selbstvertrauen.

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bundesliga.de: Augsburg ist hervorragend in die Saison gestartet. Wie erklären Sie sich die momentane Stärke des Teams?

Max: In der Phase, als es darum ging Punkte zu holen, hat man die Stärke der Mannschaft gesehen. Jetzt wo der Trainer eine lange Vorbereitung mit uns hatte, konnten wir viele Dinge einstudieren, viel miteinander sprechen. Wir haben eine homogene Mannschaft. Obwohl wir einen großen Kader haben, zieht jeder in jeder Einheit mit so gut es geht. Das ist für mich das große Erfolgsrezept, dass jeder hungrig ist, es den Kritikern zeigen will und dass wir uns jedes Mal vornehmen, ein ekliger Gegner zu sein.

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bundesliga.de: Teil des Erfolgs ist auch Trainer Manuel Baum, der sie schon in der Schule unterrichtet hat. Wie war er früher als Lehrer?

Max: Ähnlich wie jetzt eigentlich. Er versucht, die Dinge, die er vorhat, gut zu vermitteln. Er führt viele Gespräche, um seine Idee vom Fußball rüberzubringen. Das macht er, wie die Erfolge zeigen, sehr gut. Wir nehmen das komplett an, obwohl da beim einen oder anderen Spieler manchmal eine Sprachbarriere ist. Wir kriegen das alles sehr gut hin und das sieht man auch auf dem Platz.

bundesliga.de: War Manuel Baum ein netter Lehrer?

Max: Er war schon sehr verständnisvoll. Da wir auf einer Sportschule waren, wo wir viel trainieren mussten, hat er verstanden, dass wir auch mal unsere Pausen brauchten. Wir hatten oft die späten Stunden bei ihm und er hat uns auch schon mal eher gehen lassen.

Philipp Max schlägt gefährliche Flanken wie kaum ein Zweiter
Philipp Max schlägt gefährliche Flanken wie kaum ein Zweiter © imago / Eibner

bundesliga.de: Was macht ihn als Trainer aus? Analysiert er viel?

Max: Auf jeden Fall. Wir analysieren schon viel unsere Gegner vor den Spielen, aber auch was wir besser machen können. Das macht er sehr intensiv und er versucht, einige Systeme reinzubringen. Wir haben in dieser Saison schon drei, vier verschiedene Systeme gespielt. Das haben wir saisonübergreifend gut hinbekommen. Wir wurden von Spiel zu Spiel immer sicherer und besser und können jetzt einiges umstellen, was sehr gut ist.

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bundesliga.de: Sind Sie vor großen Spielen eigentlich motivierter als gegen vermeintlich kleinere Gegner?

Max: Ich habe keine Motivationsprobleme. (lacht) Es ist egal, ob wir gegen einen Regionalligisten spielen oder gegen einen Champions-League-Anwärter. Ich versuche in jedem Spiel 100 Prozent zu geben, damit wir gewinnen.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie mit dem Team im Moment und in der Zukunft?

Max: Mein Ziel ist es natürlich, so viele Minuten zu spielen wie es geht, das ist klar. Letzten Endes ist es entscheidend, dass wir als Mannschaft erfolgreich sein wollen, dass wir so viele Punkte holen wie es geht, einen guten Tabellenplatz erreichen und so früh wie möglich da unten wegkommen. In den ersten beiden Jahren, die ich hier war, ging es immer darum, das Ding in letzter Sekunde noch herumzureißen. Es wäre schon, mal eine ruhige Saison zu haben.

Video: Max - ein Name, der verpflichtet

bundesliga.de: Wie hat Ihr Vater Martin Max Sie beeinflusst?

Max: Als Kind habe ich es als Nachteil gesehen, denn es war immer das Erste worauf man angesprochen wurde, dass der Vater auch Profi war. Es entwickelt sich aber im Moment ganz gut. Er ist ein ruhiger Beobachter, er gibt keine Tipps, denn er weiß, dass jeder, der in der Bundesliga spielt, seinen eigenen Weg finden sollte. Es sind ja auch verschiedene Positionen, das ist nicht so gut vergleichbar. (lacht) Nein, er war immer eine große Stütze, er hat zu den richtigen Zeiten das richtige Wort gefunden und mir sehr geholfen.

bundesliga.de: Bei den Olympischen Spielen 2016 haben Sie die Silbermedaille geholt. War das das Highlight Ihrer bisherigen Karriere?

Max: Als die Nominierung damals kam, was das schon etwas ganz Besonderes. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so früh kommt, auch wenn ich schon fast 30 Spiele unter Markus Weinzierl auf der Position gemacht hatte, gab es da noch andere Spieler, die schon vorher lange bei der Nationalmannschaft dabei waren. Deswegen war ist sehr stolz, als es soweit war, weil ich vorher nie in einer Jugend-Nationalmannschaft gespielt hatte. Als die Medaille kam, war das ein Gänsehaut-Moment.

"Im Verein läuft es gut, privat läuft es gut, daher fühle ich mich hier in Augsburg sehr wohl."

bundesliga.de: Bleibt die Nationalmannschaft ein Ziel für Sie?

Max: Wenn man einmal dabei war, dann ist es immer etwas Besonderes, wenn man daran denkt. Das Trikot überzustreifen, ist die größte Ehre, die man als deutscher Fußballer haben kann. Ich mache mir aber nicht so viele Gedanken darüber. Ich versuche, mit dem FC Augsburg erfolgreich zu sein und dann wird sich zeigen, was passiert.

bundesliga.de: Haben Sie Vorbilder?

Max: Einfach die besten Verteidiger Welt auf der Position. Ob das jetzt Marcelo von Real Madrid ist oder David Alaba vom FC Bayern München, ich könnte jetzt alle Top-Vereine durchgehen. Klar versucht man sich da gute Dinge abzuschauen.

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bundesliga.de: Wie sehr fühlen Sie sich in Augsburg zuhause?

Max: Auf jeden Fall bin ich angekommen. Meine Freundin kommt aus Augsburg. Ich fühle mich sehr wohl und heimisch. Ich habe ja schon elf Jahre in München gewohnt, von daher ist es mir nicht unbekannt, schließlich ist es eine kurze Strecke von Augsburg nach München. Im Verein läuft es gut, privat läuft es gut, daher fühle ich mich hier in Augsburg sehr wohl.

Das Gespräch führte Enrico Wolski