München - Seinen 200. Sieg in der Bundesliga veredelte Philipp Lahm mit einem ganz besonderen Erfolgserlebnis. Erstmals in seiner Bundesligakarriere schnürte der Kapitän des FC Bayern München einen Doppelpack. Beim souveränen 6:0-Sieg gegen Werder Bremen eröffnete der 30-Jährige in der 20. Minute den Torreigen und legte kurz vor Schluss seinen zweiten Treffer nach.

"Ich weiß nicht, ob es mein letzter Doppelpack gewesen ist, aber ich gehe stark davon aus", blieb Lahm anschließend bescheiden. Im Interview sprach der Defensivspieler über seine neue offensive Rolle bei den Bayern, die Entwicklung der Mannschaft unter Trainer Pep Guardiola und den schärfsten Verfolger im Kampf um die deutsche Meisterschaft.

Frage: Philipp Lahm, 6:0 gegen Bremen, ein standesgemäßes Ergebnis, wenn der Tabellenführer gegen den Tabellenletzten spielt, oder?

Philipp Lahm: Das sieht immer so leicht aus, aber da gehören immer auch harte Arbeit und Konzentration dazu. Genau das hat uns heute ausgezeichnet. Wir sind rausgegangen, haben sofort unser Spiel gespielt, haben Druck gemacht und haben hinten nichts zugelassen. Es war ein sehr, sehr gutes Spiel von uns.

"Ich habe offensiver gespielt"

Frage: Sie haben in Ihrem 321. Bundesligaspiel Ihren ersten Doppelpack erzielt (Topdaten zum Spiel). Bislang waren Sie noch nicht als Torjäger bekannt. Ist es für Sie immer etwas Besonderes, Tore zu erzielen?

Lahm: Weil es bei mir nicht so häufig vorkommt, ist es definitiv etwas Besonderes und Schönes. Jeder, der sagt, er schieße nicht gerne Tore, lügt. Heute war es mein erster Doppelpack seit der Jugend, da habe ich wahrscheinlich irgendwann mal doppelt getroffen. Ich weiß nicht, ob es mein letzter Doppelpack gewesen ist, aber ich gehe stark davon aus. Dass die Mannschaft gewinnt und guten Fußball spielt, ist für mich aber das Wichtigste. Das hat sie heute von Anfang an wieder getan, aber trotzdem ist es schön, wenn ich auch noch Tore schieße.

Frage: Sind Ihre Torerfolge auch durch taktische Umstellungen begünstigt oder bloß ein glücklicher Umstand?

Lahm: Beides zusammen. Ich habe heute definitiv offensiver gespielt, das war meine Aufgabe. Dafür haben Xabi Alonso und Pierre-Emile Höjbjerg eher defensiver agiert. Dadurch war ich näher am gegnerischen Sechzehner.

Frage: Franck Ribery hat heute erstmals seit dem 3. Spieltag wieder gespielt und wurde von den Fans gefeiert. Glauben Sie, er kommt bald schon wieder für die Startelf infrage?

Lahm: Es ist schön, dass er zurück ist, weil wir jeden Spieler brauchen. Wir haben einige Verletzte. Umso schöner ist, es wenn Spieler in der Länderspielpause wieder zurückkehren. Franck hat heute nach mehreren Wochen Pause mal wieder gespielt und das ist sehr positiv für uns.

Frage: Die Konkurrenz aus Dortmund und Leverkusen kommt nicht richtig in Fahrt, droht den Bayern eine einsame Saison an der Spitze?

Lahm: Für mich ist die Bundesliga nie langweilig, weil sie immer etwas ganz Besonderes ist. Außerdem haben wir nur vier Punkte Vorsprung auf Gladbach, der Abstand ist also nicht sehr groß. Die schärfsten Konkurrenten, die man vor der Saison zu den Mannschaften gezählt hat, die am längsten um die Meisterschaft mitspielen werden, haben ein bisschen Federn gelassen. Das ist uns bewusst, aber wir schauen auf uns, deswegen spielt das für unser Spiel überhaupt keine Rolle.

Frage: Sehen Sie Borussia Dortmund bei jetzt schon 13 Punkten Rückstand überhaupt noch als Konkurrent um die Meisterschaft?

"Gladbach macht einen sehr stabilen Eindruck"

Lahm: Die Dortmunder sind schon weit weg (Spieltag & Tabelle). Keiner hat damit gerechnet, dass sie nach so kurzer Zeit so viel Rückstand auf uns haben. Von daher überrascht mich das auch.

Frage: Haben etwa Gladbach oder Hoffenheim die Substanz, auf Dauer mit den Bayern Schritt zu halten?

Lahm: Vor allem die Gladbacher machen einen sehr stabilen Eindruck, auch um eine Saison lang erfolgreich Fußball zu spielen. Inwieweit es dafür reicht, wird man sehen, das kann man nicht vorhersagen.

Frage: Hat sich die Mannschaft im Vergleich zu den letzten beiden Jahren noch mal einen Schritt weiter entwickelt?

Lahm: Wir sind noch am Anfang der Saison, aber ich glaube, dass wir jetzt weiter sind, als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, weil wir einfach mehr Zeit mit unserem Trainer Pep Guardiola hatten. Wir sind flexibler geworden, können im taktischen Bereich in mehreren Variationen spielen. Das ist ein großer Vorteil, den wir uns mit unserem Trainer in über einem Jahr erarbeitet haben.

Frage: Mit welchen Erwartungen reisen Sie zum Champions-League-Spiel zum AS Rom?

Lahm: Wenn wir gut drauf sind und unsere Hausaufgaben machen, wird es für jeden Gegner schwer hier in der Allianz Arena zu bestehen. Das hat man heute gesehen. Klar, erwarten wir am Dienstag ein anderes Spiel, schließlich ist Rom auch gut in die Champions League gestartet. Wir fahren natürlich nach Rom, um dort zu gewinnen. Wir haben eine sehr, sehr gute Ausgangslage und die wollen wir nicht herschenken. Wir wollen unsere Führung weiter ausbauen, auch wenn es sehr schwierig werden wird.

Aus München berichtet Maximilian Lotz