Bremen - Der Tross des FC Bayern hatte es in Bremen eilig, zum Flieger zu kommen. Denn bereits am Sonntag fliegt das Team nach London, wo es am Dienstag in der Champions League gegen Arsenal geht. Da wollten Spieler und Offizielle zuvor noch ein paar Stunden mit der Familie verbringen. Trotzdem nahm sich Kapitän Philipp Lahm Zeit für einige Fragen.

Mit dem 1:0 bei Werder Bremen feierten die Münchner den neunten Sieg in Folge - keinem anderen Team gelang in der Bundesliga-Historie so eine Siegstrecke zum Saisonbeginn. Nach neun Spieltagen hat der Titelverteidiger bereits sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Borussia Dortmund. Die Meisterschaft aber ist nach Ansicht des Kapitäns keineswegs Selbstgänger.

Frage: Neun Siege in Folge. So etwas hat es in der Bundesliga zum Saisonauftakt noch nicht gegeben. Was bedeutet Ihnen der Startrekord?

Philipp Lahm: Unser Ziel ist es, immer drei Punkte einzufahren. Wenn nebenbei dann so ein Rekord herausspringt, nimmt man den natürlich sehr, sehr gerne mit. Es ist nicht so einfach, vom ersten Spieltag einer neuen Saison an voll da zu sein und regelmäßig drei Punkte einzufahren.

Frage: Und das kann sicher so weitergehen...

Lahm: Ein Ende ist noch nicht in Sicht.

"Wir sind noch lange nicht Meister"

Frage: Hat sich die Mannschaft eventuell vorgenommen, die Saison mit 34 Siegen abzuschließen, um selbst Druck aufzubauen?

Lahm: (lacht) Punkt eins: Wir gehen in jedes Spiel um zu gewinnen. Und das wird immer so bleiben. Punkte zwei: Wir sind noch lange nicht Meister. Es sind erst neun Spieltage rum, und wir haben sieben Punkte Vorsprung. Da ist noch nichts gegessen.

Frage: Aber es muss doch Spaß bringen, in dieser Mannschaft zu spielen. Jede Menge Ballbesitz, als Gästeteam fast das ganze Spiel in der gegnerischen Hälfte...

Lahm: Es ist beeindruckend, wie die Mannschaft immer wieder will und immer wieder Gas gibt, und mit welcher Energie sie aufs Spielfeld geht. Das ist etwas Schönes, und das wollen wir beibehalten.

Frage: Sie spielen jetzt schon zwölf Jahre bei den Bayern-Profis. Ist das aktuell die beste Mannschaft, in der Sie bisher gespielt haben?

Lahm: Fussball zu spielen macht jedes Jahr Spaß. Es ist schwer, die verschiedenen Mannschaften zu vergleichen. Das Wichtigste ist, dass man erfolgreich Fussball spielt. Das Ergebnis werden wir dann am Ende der Saison sehen.

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Frage: Ihr Trainer Pep Guardiola will, dass die Mannschaft immer gut spielt. War er mit dem knappen 1:0 in Bremen zufrieden?

Lahm: Er hat noch nicht viel gesagt. Ich glaube aber, dass er stolz auf die Mannschaft ist. Denn so richtig kann er ja nicht arbeiten, wenn er in einer Länderspielpause nur vier Profis beim Training hat. Außerdem kamen ja noch einige Spieler verletzt zurück.

"Wir nehmen jeden Gegner ernst"

Frage: In der zweiten Hälfte haben Sie die Partie zwischenzeitlich aus der Hand gegeben. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Lahm: Bremen hat sehr, sehr defensiv gespielt, mit elf Mann dreißig Meter vor dem eigenen Tor gestanden. Uns haben gerade die Spieler gefehlt, die Eins-gegen-Eins spielen können. So mussten wir uns anders Torchancen erarbeiten. Das ist nicht so leicht gegen eine so eine defensive Mannschaft. Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit dominiert. In der zweiten Halbzeit haben wir dann versäumt, das 2:0 zu machen. Und dann wird es nach hinten raus immer eng, denn der Gegner wirft noch mal alles in die Waagschale.

Frage: Hat es auch geholfen zu wissen, dass Thomas Müller das 1:0 geschossen hat? Seit 43 Spielen hat der FC Bayern jedes Bundesligaspiel mit einem Müller-Tor gewonnen (Topdaten zum Spiel).

Lahm: Ich glaube nicht, dass man im Spiel daran denkt. Aber das ist eine beeindruckende Bilanz. Man weiß ja: Thomas ist ein hervorragender Fußballer...

Thomas Müller (im Vorbeigehen): Ich gebe dem Mann recht...

Lahm: (lacht)...und ein toller Mensch.

Frage: Die Mannschaft reist schon am Sonntag nach London, also zwei Tage vor dem Champions-League-Spiel gegen Arsenal. Ein Signal, dass der FC Bayern den angeschlagenen Gegner besonders ernst nimmt?

Lahm: Wir nehmen jeden Gegner ernst. Sonst gewinnt man nicht neun Spiele in Folge in der Bundesliga. Wir reisen zwei Tage vorher an, weil in London die Wege lang sind und man viel unterwegs ist. Oft steht man im Stau und braucht nicht nur eine Stunde zum Training. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir zwei Tage vorher anreisen. Das gehört dazu, auch wenn wir natürlich lieber alle daheim wären. Wir bereiten uns halt immer professionell vor.

Frage: Was erwartet den FC Bayern in London?

Lahm: Jeder, der sich im Fußball auskennt, weiß, dass Arsenal besser ist als es null Punkte nach zwei Gruppenspielen aussagen. Sie haben sehr, sehr gute und gefährliche Einzelspieler. Das wird mit Sicherheit keine leichte Aufgabe, das ist klar. Aber wir sind gerüstet.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs