München - Um seiner Mannschaft die entscheidende taktische Umstellung zu übermitteln, griff Pep Guardiola nach fast einer Stunde zu Stift und Papier. Zu umfangreich waren offenbar die Änderungen, sodass der Trainer des FC Bayern München seinem Kapitän Philipp Lahm während des Spiels gegen den FC Ingolstadt einen Zettel zusteckte. Bezüglich des Inhalts musste der Torschütze zum 2:0-Endstand anschließend Aufklärungsarbeit betreiben.

Im Interview spricht der 32-Jährige außerdem über den lange Zeit forschen Auftritt des Gegners, das kommende Duell mit dem SV Darmstadt 98 im DFB-Pokal und den fünften Herbstmeistertitel für die Münchner in Folge.

Frage: Philipp Lahm, Glückwunsch zur Herbstmeisterschaft. Welche Bedeutung hat dieser "Titel" für Sie?

Philipp Lahm: Es ist immer schön, wenn man über die Weihnachtsfeiertage und über Neujahr Tabellenführer ist. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Wir wollen immer ganz oben stehen.

Frage: Hat Sie die offensive Herangehensweise der Ingolstädter überrascht?

Lahm: Wir waren eigentlich nicht überrascht, weil wir darauf eingestellt waren, dass sie Druck machen werden. Wir hatten einfach ein bisschen Probleme und der Gegner hat es wirklich gut gemacht. Die Ingolstädter haben ähnlich gespielt wie wir, wenn wir nicht in Ballbesitz sind. Das haben sie exzellent umgesetzt und dafür muss man ihnen ein großes Kompliment machen.

"In der ersten Halbzeit hat uns die Energie gefehlt"

Frage: Woran lag es, dass den Bayern gerade in der ersten Halbzeit ein paar Prozent gefehlt haben?

Lahm: Erst wenn es mal nicht so läuft, sieht man, was man in den letzten Jahren geleistet hat. Wir sind in den letzten Wochen und Monaten immer mit dieser Energie rausgegangen. Aber in der ersten Halbzeit hat uns diese Energie ein bisschen gefehlt. Und dann sieht unser Spiel nicht so aus, wie wir das gewohnt sind. Wir haben im Moment leider wieder einige Verletzte. Dadurch können wir nicht so rotieren, wie wir es gerne machen würden. Das soll keine Ausrede sein. Daraus müssen wir lernen, dass wir immer wieder das auf den Platz bringen müssen, was wir können.

Frage: Haben Sie in der Halbzeitpause daran gedacht, dass Ingolstadt diese Spielweise vermutlich nicht über 90 Minuten durchhalten kann?

Lahm: Wir haben etwas geändert, der Trainer hat uns anders auf den Gegner eingestellt und gezeigt, was wir für Möglichkeiten haben. Ich glaube irgendwann kam bei Ingolstadt dann auch die Kraft ins Spiel, denn es ist schwierig gegen uns über 90 Minuten so durchzuhalten. Trotzdem muss man auch so ein Spiel erst einmal gewinnen.

"Dinge, die ich nicht öffentlich machen werde"

Frage: Was stand auf dem Zettel, den Ihnen Ihr Trainer Pep Guardiola während der zweiten Halbzeit in die Hand gedrückt hat?

Lahm: Der Trainer hat mir mitgeteilt, dass ich ein Tor machen soll - am besten noch links. Und da ich ein Musterprofi bin, halte ich mich auch daran (lacht). Spaß beiseite. Da standen Dinge drauf, die ich nicht öffentlich machen werde. Aber es hat jeder gesehen, wie wir davor gespielt haben und dass wir danach taktisch ein bisschen anders gespielt haben.

Frage: Was für ein Spiel erwarten Sie gegen den anderen Aufsteiger Darmstadt 98 am Dienstag im DFB-Pokal?

Lahm: Das ist ein Pokalspiel, in dem wir auf jeden Fall weiterkommen wollen. Wir spielen zuhause. Wir wollen besser spielen als gegen Ingolstadt und wieder mit mehr Energie und Bereitschaft spielen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz