Köln - Mit einer Portion Glück, einem Topjoker und einem eiskalten Torjäger drehte der 1. FC Köln gegen einen starken Hamburger SV doch noch die Partie. Am Ende stand ein etwas schmeichelhafter 2:1-Heimsieg der Rheinländer. Mit nun sieben Punkten nach drei Spieltagen haben die Domstädter den besten Saisonstart seit 19 Jahren hingelegt.

Zum Matchwinner avancierte Philipp Hosiner. Erst schoss der Joker den Ausgleich, dann gab er die Vorlage zu Anthony Modeste, der anschließend im Strafraum zu Fall gebracht wurde und den fälligen Elfmeter selbst verwandelte.

Als die Verpflichtung von Philipp Hosiner im Sommer im zweiten Anlauf klappte, sprach der Kölner Trainer Peter Stöger von einer "Hollywood-reifen Geschichte". Jetzt gab es nach dem zwischenzeitlichen Drama ein Happy End auf ganz großer Bühne. Schon im Januar wollten die Kölner den Österreicher verpflichten. Doch der Wechsel kam nicht zustande, weil beim Stürmer während der sportärztlichen Untersuchung ein Nierentumor diagnostiziert wurde, der eine sofortige Operation erforderte.

"Eine emotionale Geschichte"

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Statt für den FC auf Torejagd zu gehen, fand sich der 26-Jährige auf dem Operationstisch und später in der Reha wieder. Während der schweren Zeit riss der Kontakt zum FC aber nie ab. "Dabei ging es rein um die Gesundheit. Ich habe ein freundschaftliches Verhältnis zum Trainerteam. Es war eine emotionale Geschichte", sagte Hosiner bei seiner Vorstellung in Kölm im Juli. Der Transfer klappte dann doch noch.

In den ersten beiden Bundesliga-Spielen kam der Vollblutstürmer noch nicht zum Einsatz. Im Training war er aber stets präsent. "Seine Abschlussqualitäten stehen außer Frage, die hat er schon im Training gezeigt. Er ist enorm stark im Sechzehner", lobt Timo Horn den Angreifer. Gegen den HSV schlug dann seine Stunde nach 65 Minuten. Zehn Minuten später nutzte er seine zweite Tormöglichkeit nach toller Vorarbeit von Jonas Hector zum Ausgleich. Im Interview erzählt Philipp Hosiner, wie es dazu kam.

"Das Vertrauen ist nicht selbstverständlich"

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Frage: Philipp Hosiner, Sie kommen nach rund einer Stunde in die Partie und machen dann direkt ein typisches Hosiner-Tor?

Philipp Hosiner: Tor ist Tor. Es war eine sehr schöne Vorlage von Jonas Hector, die ich nur noch über die Linie drücken musste. Danach ging noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft. Obwohl wir kein gutes Spiel gemacht haben, haben wir an den Sieg geglaubt. Und bei der nächsten Chance holt Tony (Modeste, die Red.) den Elfmeter raus, den er dann eiskalt verwandelt. So sind wir ein sehr glücklicher Sieger.

Frage: Beschreiben Sie Ihre Gefühlslage, vor der Kulisse ein Tor zu machen.

Hosiner: Auf dem Platz habe ich das alles gar nicht so mitbekommen. Wenn ich mir das zuhause in Ruhe im Fernsehen anschaue, dann realisisere ich das alles erst. Auf dem Platz war es nicht das Siegtor, sondern das 1:1. Über das Siegtor habe ich mich noch mehr als über den Ausgleich gefreut. Tonys Tor wichtiger. Wir sind überglücklich, dass wir dieses Spiel gewonnen haben, obwohl wir über 90 Minuten eigentlich die schlechtere Mannschaft waren.

Frage: Sehen Sie das so?

Hosiner: Ja, ich habe gerade die Statistik gesehen. 17:6 Torschüsse für den HSV. Das sagt schon einiges aus. Der HSV hat ein gutes Spiel gemacht, aber wir waren der glückliche Sieger.

Frage: Der FC hatte Probleme, hinter die Abwehrkette zu kommen. Der HSV stand sehr viel massiver als die Gegner vorher. Muss der FC noch daran arbeiten, eine Überlegenheit auch auszuspielen.

Hosiner: Wir haben jetzt den 3. Spieltag und sieben Punkte auf dem Konto. Aber bei keinem der Spiele haben wir die Leistung über 90 Minuten gebracht, die wir uns vorstellen. Daran gilt es zu arbeiten. Jetzt haben wir die Länderspielpause und können in Ruhe arbeiten. Wir haben vor dem Spiel in Frankfurt einiges aufzuarbeiten. Ich hoffe, dass wir dann  auch über eine längere Distanz unsere Leistung bringen können und dort etwas mitzunehmen.

"Sind hochzufrieden mit den sieben Punkten"

Frage: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, in den ersten Wochen beim FC ruhig zu bleiben, als Sie nicht zum Einsatz kamen?

Hosiner: Es war gar nicht schwer. Nach meiner Geschichte war ich froh, dass ich beim 1. FC Köln die Chance bekommen habe, Fußball zu spielen. Das war überhaupt nicht selbstverständlich, dass ich noch einmal das Vertrauen von diesem Verein bekomme. Ich habe mir vorgenommen, auch wenn ich nicht spiele, im Training immer alles zu geben. Ich habe auch das Vertrauen des Trainerteams gespürt, auch in den ersten Spielen, in denen ich nicht gespielt habe. Ich wollte, dass ich dann da bin, wenn ich die Chance bekomme. Das hat ganz gut geklappt.

Frage: Sie sind mit den Leistungen nicht zufrieden. Aber sicher doch mit der Effizienz?

Hosiner: Absolut. Wir haben in den ersten drei Spielen eine gute Torausbeute gehabt, mit Ausnahme vielleicht des Wolfsburg-Spiels. Alles in allem sind wir hochzufrieden mit den sieben Punkten. So kann es weiter gehen.

Frage: Sie sagen, dass der FC noch gar nicht über 90 Minuten gut gespielt hat. Trotzdem hat die Mannschaft sieben von neun Punkten geholt. Was wird denn erst passieren, wenn der FC mal richtig gut spielt?

Hosiner: Wenn wir über längere Distanz unsere 100 Prozent abrufen können, dann kann es weiter in die Richtung. Wir werden diesen Punkteschnitt wahrscheinlich nicht halten können. Wir haben jetzt das schwere Spiel in Frankfurt vor der Brust, danach kommt das Derby gegen Gladbach. Wenn wir an unsere Leistungsgrenzen gehen können, wird auch in diesen Spielen einiges möglich sein.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski