Beim Tabellenführer 1899 Herbstmeister sind die Zweifel an der eigenen Leistung nach dem 1:1 bei Schlusslicht Mönchengladbach unter der Woche verflogen. "Vier Punkte aus zwei Spielen sind okay. Wichtig war, dass wir unser Heimspiel vor neuer Kulisse gewonnen haben. Es wäre dann die Krönung, wenn wir auch das nächste Heimspiel gewinnen würden", sagte Andreas Beck.

In Hoffenheim hat man bemerkt, dass das gesetzte Saisonziel eigentlich schon erreicht ist - der Klassenerhalt. "Der Nichtabstieg war die Zielvorgabe am Anfang der Saison. Alles, was jetzt kommt, nehmen wir gerne entgegen. Wir wissen, was in uns steckt", so Andreas Beck zu bundesliga.de.

Stärkstes Heimteam

Durch die bisherigen Leistungen und Erfolge hat der Aufsteiger beste Chancen, eine Kür folgen zu lassen. "Wenn man oben ist, will man auch dort bleiben", sagte Beck, der am Mittwoch beim 0:1 gegen Norwegen in der zweiten Halbzeit sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft feierte. Während die Meisterschaft für den Tabellenführer nach eigener Auskunft kein Ziel ist, haben die Clubverantwortlichen längst Gefallen an der Idee gefunden, in der kommenden Spielzeit im internationalen Wettbewerb vertreten zu sein.

Dass der erstmalige Einzug ins europäische Geschäft machbar ist, hat das Team vor allem in der Hinrunde bewiesen und will dies nun weiter untermauern. Trainer Ralf Rangnick gibt die Richtung für das Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen (Fr., ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) klar vor: "Ich will am Freitagabend 42 Punkte haben!" Die Vorzeichen stehen gut, denn Hoffenheim ist das erfolgreichste Heimteam der Bundesliga. Vor eigener Kulisse ist man seit 13 Spielen ungeschlagen.

Obasi und Hildebrand wieder fit

Und rechtzeitig zum Schlager gegen den Tabellenfünften lichtet sich das Krankenlazarett. Rangnick kann bis auf den am Kreuzband operierten Toptorjäger Vedad Ibisevic auf seine Bestbesetzung zurückgreifen. Neben Carlos Eduardo, der erstmals nach seiner Rot-Sperre wieder zur Mannschaft gehören wird, kehrt Timo Hildebrand auf den Platz zurück. Der Neuzugang aus Valencia erlitt im ersten Rückrundenspiel gegen Cottbus (2:0) eine Schambeinprellung. Jetzt kann Ralf Rangnick wieder auf ihn bauen: " Er hat voll trainiert und hat keine Probleme mehr. Also wird er spielen können."

Auch in der Offensive sind die Hoffenheimer wieder besser besetzt. Chinedu Obasi ist fit und kann von Anfang an spielen. So könnte Hoffenheim am Freitag wieder in gewohnter Formation mit drei Spitzen stürmen. "Das ist für uns immer eine Option. In Gladbach haben wir in den letzten 20 Minuten mit fünf Stürmern gespielt. Da können wir gegen Leverkusen auch mit drei Spitzen antreten", so Trainer Rangnick. Demba Ba sieht beim Spiel mit drei Spitzen folgenden Vorteil: "Obasi und ich können dann auf den Flügeln eins gegen eins dribbeln. Und mit Sanogo in der Mitte spreche ich französisch. Da kriegen die Verteidiger nichts mit."

Das würde bedeuten, dass Joker" Wellington, der in Gladbach in der 89. Minute den Ausgleich erzielt hatte, sich wieder zunächst mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen müsste. Egal mit welcher taktischen Formation Rangnick beginnen wird, seine Mannschaft hat gezeigt, dass sie variabel ist. Die vergangenen sieben Tore wurden von sieben unterschiedlichen Spielern geschossen.

Abstand auf Leverkusen vergrößern

Nicht so leicht auszurechnen zu sein ist eine Stärke, die gerade gegen Leverkusen von Nöten sein wird. Im Hinspiel zeigte die "Werkself" dem Aufsteiger die Grenzen auf und verpasste den Hoffenheimern mit 5:2 die höchste Saisonpleite. Jetzt will 1899 beweisen, dass man sich weiter entwickelt hat.

Und wenn der Weg ins internationale Geschäft führen soll, muss der Brocken Bayer aus dem Weg geräumt werden. "Wir haben die Chance einem direkten Konkurrenten um die internationalen Plätze auf neun Punkte zu distanzieren. Leverkusen hat hohe Ziele und wird mit Sicherheit auf Sieg spielen. Wir müssen jedoch im Vergleich zu den letzten Spielen noch eine Schippe drauf legen. Dazu sind wir in der Lage", ist Rangnick von seiner Elf überzeugt.

Mark Schnell