Pflicht erfüllt, die Kür muss warten

Hamburg/Brüssel - Die Erleichterung bei den deutschen Spielern war nach dem Schlusspfiff im König-Baudouin-Stadion offensichtlich. Mit einem 1:0 gegen Belgien ist das DFB-Team erfolgreich in die EM-Qualifikation gestartet. Doch der Glanz, mit dem Deutschland bei der WM für Furore sorgte, strahlte an diesem Abend in Brüssel nicht.

"Ich habe die Belgier so gut erwartet. Der Sieg war wichtig, die Mannschaft hat guten Spirit bewiesen. In der ersten Halbzeit haben wir etwas gebraucht, in Schwung zu kommen. Die Kombinationen waren nicht so sicher wie bei der WM. In der zweiten Halbzeit ist das besser geworden, da haben wir das Spiel gut im Griff gehabt", analysierte Bundestrainer Joachim Löw.

Philipp Lahm, der die Nationalmannschaft in Abwesenheit von Michael Ballack erneut als Kapitän aufs Feld führte, konstatierte: "Wir hatten Respekt vor dem Gegner, denn sie haben gute Spieler. Jeder Anfang ist schwer. Da ist es wichtig, dass man auswärts drei Punkte holt."

Neuer ohne Fehl und Tadel

Viel mehr als ein Arbeitssieg war es nicht gegen die talentierten "Roten Teufel", die die deutsche Defensive um Abwehrchef Per Mertesacker immer wieder vor Probleme stellten. Nur einem stark aufgelegten Torwart Manuel Neuer war es zu verdanken, dass die Hausherren nach einem Patzer von Bastian Schweinsteiger nicht schon früh in Rückstand gerieten.

Beim Rest des Teams war über weite Strecken anzumerken, dass der Rhythmus nach dem WM-Urlaub noch fehlt. "Das muss sich erst wieder einspielen", befand Thomas Müller. Der Jung-Star des FC Bayern war es, der mit seiner tollen Vorarbeit das Tor des Tages vorbereitete.

Van Buytens unfreiwillige Vorlage

Überhaupt war es ein Teamwork der Spieler des deutschen Rekordmeisters, das den Treffer ermöglichte. Schweinsteiger setzte an der Strafraumgrenze gegen den einzigen belgischen Bayern-Profi auf dem Platz, Daniel van Buyten, nach. Der Abpraller landete bei Müller, der das Leder aus der Drehung auf Klose durchsteckte. Und Klose schob mit all seiner Erfahrung den Ball locker am Gladbacher Torhüter Logan Bailly vorbei ins Netz - sein 53. Treffer im 102. Länderspiel.

"Nach einer WM ist es immer schwierig, wieder reinzukommen. Da braucht man zwei, drei Wochen länger. Aber die Erfahrung ist da, auch wenn wir eine junge Mannschaft sind. Und Selbstbewusstsein haben wir auch", erklärte ein glücklicher Klose.

Kleinigkeiten entscheiden

Van Buyten konnte sich nach seinem Patzer nur schwer ein Lächeln abringen. Er hatte aber eine Erklärung parat, warum die Belgier weiter auf den ersten Sieg seit dem 2:0 am 29. September 1954 warten.

"Wir haben leichte Fehler gemacht. Kleinigkeiten haben das Spiel entschieden. In der Situation zum Tor ist der Ball den Deutschen vor die Füße gesprungen. Das Glück hatten wir im Angriff nicht", sagte Bayerns Abwehrchef.

"Jetzt müssen wir nachlegen"

Was zählt, sind die drei Punkte, dürften sich Klose, Schweinsteiger, Müller und Co. denken. Die sind aber nur etwas Wert, wenn am Dienstag in Köln gegen Aserbaidschan ein weiterer "Dreier" eingefahren wird. "Jetzt müssen wir nachlegen. Dann ist es ein guter Start", forderte Schweinsteiger.

Vor heimischem Publikum sollte aber nicht nur das Ergebnis stimmen, sondern auch die spielerische Komponente. Schließlich sind die deutschen Fans seit Südafrika seit Südafrika verwöhnt.

WM-Torschützenkönig Müller schraubte die Anforderungen aber erst einmal ein bisschen herunter. "Erst einmal müssen wir uns konzentrieren und das Spiel gewinnen. Um die Höhe des Sieges kümmern wir uns, wenn es so weit ist."

Michael Reis