Köln - Nach dem Aufstieg in die Bundesliga hat Trainer Peter Stöger mit dem 1. FC Köln auch einen guten Start erwischt. Im Interview spricht der Österreicher über seine Zukunft, den FC und die Möglichkeiten in Köln.

Frage: Herr Stöger, wie fühlt man sich als noch ungeschlagener Bundesliga-Trainer? 

Peter Stöger: Es sind erst zwei Spieltage vorbei. Aber es ist eine wichtige Erkenntnis, dass wir in der Lage sind, in der Bundesliga zu punkten und auch zu gewinnen.

"Sind mit Paderborn auf Augenhöhe"

Frage: Glauben Sie, dass das euphorisierte Umfeld in Köln auch auf Niederlagen vorbereitet ist? 

Stöger: Wer einen realistischen Blick auf das Ganze hat, wird sich damit anfreunden müssen, dass wir auch Spiele verlieren werden. 

Frage: Am Samstag beim SC Paderborn 07 gehen Sie für die meisten Experten aber schon als Favorit ins Spiel ... 

Stöger: Wenn man 100 Leute, nicht nur in Köln, fragen würde, würden wahrscheinlich 95 sagen, Köln ist Favorit. Das beruht aber auf dem, was früher war. Heute sind wir mit Paderborn ungefähr auf Augenhöhe. Im Vorjahr haben wir in zwei Spielen nur einen Punkt gegen sie geholt. Außerdem ist Paderborn super in die Saison gestartet. Mich freut das, weil ich es schön finde, wenn ein Underdog zeigt, dass er bestehen kann. Natürlich können wir dort gewinnen. Wer in Stuttgart gewinnt (Spielbericht), kann auch in Paderborn gewinnen. Wer aber in Hamburg gewinnt, wie Paderborn es getan hat, kann auch gegen Köln gewinnen. 

Frage: Ihr prominentester Spieler fehlt derzeit verletzt. Wann wird Patrick Helmes sein Comeback geben können?

Stöger: Das ist keine leichte Frage. Wir hoffen, dass es im Herbst passieren wird.

"Wäre schön, weiter ungeschlagen zu bleiben"

Frage: Wie wichtig ist es, in Paderborn zu punkten, angesichts der darauffolgenden sechs Spiele? 

Stöger: Es wäre schön, weiter ungeschlagen zu bleiben. Aber meine Grundidee ist immer, drei Punkte mitnehmen zu wollen, auch gegen den FC Bayern München. Das ist nicht überheblich gemeint. Man hat in jedem Spiel seine Chance. Wichtig ist, seine Leistung auf Strecke zu bringen. 

Frage: Wenn es auf Strecke klappt, werden einige Spieler weiter ins Blickfeld rücken. Timo Horn oder Jonas Hector werden sogar schon als Kandidaten für die Nationalelf genannt. Trauen Sie ihnen bald den Sprung zu? 

Stöger: Sie haben Qualität, spielen konstant gut. Aber wir reden hier vom Weltmeister. Auf Sicht, also wenn wir kontinuierlich in der Bundesliga bleiben und die Jungs ihren Job weiter so machen, kann es durchaus passieren, dass der eine oder andere in die Nationalmannschaft rutscht. Im Moment kommt mir die Diskussion zu früh. 

Frage: Zwangsläufig würden die Spieler aber auch interessant für große Vereine. Der Sport-Club Freiburg im Vorjahr oder Eintracht Frankfurt in diesem haben in einem Sommer die halbe Stammelf verloren. Bereitet Ihnen das Sorge?

Stöger: Man muss damit rechnen, dass Spieler irgendwann den nächsten Schritt machen wollen. Darauf muss man vorbereitet sein. Ich hätte kein Problem damit, wenn der ein oder andere sich gefühlt verbessern möchte. Unsere Aufgabe wäre es dann, wieder Spieler zu finden, die sich entwickeln. Nur so kann es im Moment in Köln funktionieren. 

"Die Möglichkeiten hier sind riesengroß"

Frage: Die größte Sorge müssen sich die Fans wohl um Timo Horn machen, der seinen Vertrag aktuell nicht verlängert. Wann passiert das?

Stöger: Ich denke, es wäre gut für ihn, sich hier noch weiterzuentwickeln. Wenn er sich nicht sicher ist, habe ich damit kein riesiges Problem, wenn er nicht will. Es werden zu gegebener Zeit sicherlich noch Gespräche diesbezüglich geführt. Man kann die Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen.

Frage: Auch ein erfolgreicher Trainer kann ins Blickfeld anderer Vereine rücken. Gab es diesbezüglich schon Anfragen? 

Stöger: Das ist für mich überhaupt kein Thema. Ich habe im Vorjahr auf die Chance verzichtet, Champions League zu spielen und mich für Köln entschieden. Die Möglichkeiten hier sind riesengroß. Ich fühle mich irrsinnig gut aufgehoben. Es ist Ansporn für mich, diesen Verein zur fixen Größe in der Bundesliga zu machen, deshalb habe ich auch meinen Vertrag verlängert.

Frage: Den nächsten Schritt machen zu wollen, wäre aber auch für einen Trainer legitim...

Stöger: Für mich ist der 1. FC Köln eine ganz große Adresse. Ich verspüre zu null Prozent, dass mir irgendetwas fehlt. Und deshalb habe ich auch nicht im Kopf, einen nächsten Schritt zu machen. Wenn es sportlich funktioniert, kann man davon ausgehen, dass ich die nächsten Jahre in Köln sein werde. 

SID

Vorschau SC Paderborn - 1. FC Köln