Zusammenfassung

  • Mit zwei Blitztoren sicherte sich der BVB im Testspiel beim VfL Bochum kurz vor Schluss das 2:2-Unentschieden

  • Peter Bosz ist danach im Interview nicht zufrieden mit Leistung und Ergebnis

  • Der Coach lässt aber durchblicken, dass er 70 Minuten eine etwas andere Strategie verfolgt hat

Bochum - In der Heimat läuft’s irgendwie noch nicht so richtig für Borussia Dortmund und den neuen Trainer Peter Bosz. Erst gab’s zum Auftakt die 2:3-Testspielpleite gegen RW Essen, jetzt nach zwei Siegen auf der Asienreise beim kleinen Revierderby beim VfL Bochum "nur" ein 2:2-Unentschieden, das Gonzalo Castro und Christian Pulisic erst spät retteten. Für Bosz gab es aber auch einen Lichtblick – Mario Götze stand erstmals nach seiner langen Pause eine komplette Halbzeit auf dem Platz.

Frage: Peter Bosz, es hat für den BVB beim VfL Bochum nur zu einem 2:2-Unentschieden gereicht. Wieviel Müdigkeit von der Asienreise war im Spiel?

Peter Bosz: Das ist total kein Thema. Überhaupt nicht.

Frage: Wie groß ist dann Ihre Enttäuschung über das Ergebnis?

Bosz: Ich bin nicht zufrieden. Wir müssen gegen einen Zweitligisten gewinnen. (lacht) Ich bin froh, dass wir ab jetzt nur noch gegen Bundesligamannschaften spielen, in Essen war es ja auch schon nicht gut. Aber man lernt auch aus diesen Partien. Wir haben dieses Mal auch viele Spieler eingesetzt, die bisher noch nicht so viele Minuten gespielt haben außer vielleicht ein oder zwei wie Schürrle. Die anderen aber nicht, das kann einer der Gründe sein. Aber trotzdem müssen wir gegen Bochum gewinnen.

"Mario macht ständig Fortschritte"

Frage: Welche Lehren können Sie aus dieser Partie ziehen?

Bosz: Es gibt sehr vieles, was wir aus dem Spiel mitnehmen können. Aber am Sonntag haben wir frei, da werde ich den Tag nutzen, um mir die ganze Partie erst noch einmal in Ruhe anzuschauen und das dann am Montag ganz genau in der Spielersitzung anzusprechen.

Frage: Wie beurteilen Sie den Auftritt von Mario Götze, der in der ersten Halbzeit zum Einsatz gekommen ist?

Bosz: Mario hat so lange gefehlt. Wir versuchen ihn langsam aufzubauen, so dass er jedes Mal einen Schritt weiter machen kann. Er hat zuletzt auf der Asienreise zweimal knapp 30 Minuten gespielt. Jetzt waren es 45 Minuten, auch mal von Anfang an, was für ihn auch einfacher ist. Ich bin froh, dass er diesen Einsatz auch gut überstanden hat. Er macht wirklich ständig Fortschritte.

Video: Götze ist heiß auf mehr

Frage: Sie haben eine Viertelstunde vor Schluss gleich sechs Mal gewechselt. Die eingewechselten Spieler um Pierre-Emerick Aubameyang, Ousmane Dembélé und Nuri Sahin haben dann noch den Ausgleich geschafft. Waren Sie überrascht, dass die Mannschaft in dieser Schlussphase doch noch so aufgedreht hat?

Bosz: Dass diese Mannschaft planvoll zusammenspielen kann, das habe ich schon in den beiden Spielen davor gesehen. Das weiß ich auch. Der Plan war, in Bochum eben mal die anderen Jungs 60, 70 Minuten spielen zu lassen und zu sehen, wie sie sich machen.

Frage: Bochum hat nicht nur zwei Tore erzielt, sondern hatte weitere gute Chancen. Macht Ihnen die defensive Abstimmung bei der Borussia Sorgen?

Bosz: Es ist klar, dass wir noch einiges lernen müssen, auch aus diesem Spiel. Wir haben zwei Tore kassiert, es hätten aber auch drei, vier oder fünf Gegentreffer sein können oder sogar müssen. Aber wie schon gesagt, wir lernen daraus. Wir werden jetzt analysieren, warum Bochum diese Chancen überhaupt hatte und was wir in diesen Situationen falsch gemacht haben.

"Dann musst du sehen, welche Optionen du hast"

Frage: Felix Passlack sollte sich auf der rechten Defensivseite beweisen. Sehen Sie hier für ihn eine Zukunft?

Bosz: Für Felix, aber auch für einige andere war es ein schweres Spiel, weil sie zuvor noch nicht so viel Einsatzzeit hatten. Aber das war genau das, was wir vorhatten. Für die Zukunft ist diese Position hinten rechts in der Viererkette das, worauf er sich konzentrieren sollte.

Frage: Ist für die Position des Linksverteidigers Neuzugang Dan-Axel Zagadou ein Thema? Er kam in Bochum zwar auch in seiner gelernten Rolle als Innenverteidiger zum Einsatz, dann aber wie schon in Asien auch links in der Viererkette.

Bosz: Wir haben eigentlich zwei Spieler für diese Position hinten links. Erst ist Raphael Guerrero ausgefallen, jetzt hat sich leider in Asien auch noch Marcel Schmelzer verletzt. Dann musst du sehen, was du noch für Optionen hast. Erik Durm kann diese Rolle spielen, auch Felix Passlack traue ich das zu. Und dann wollten wir eben Zagadou mal auf dieser Position ausprobieren, auf der er vorher noch nie gespielt hat. Ich finde, vor allem gegen Mailand hat er das sehr gut gemacht.

"Zorc hat mir gesagt, das nichts davon wahr ist"

Frage: Zuletzt gab es wieder einmal Wirbel um einen möglichen Wechsel von Pierre-Emerick Aubameyang im kommenden Winter. Wie haben Sie auf diese Meldung reagiert?

Bosz: Ich habe darüber mit Michael Zorc gesprochen und er hat mir gesagt, dass nichts davon wahr ist. Er war mir gegenüber sehr deutlich. Das ist Quatsch!

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte