Stuttgart - Schnell, direkt, effizient: Der Dortmunder Auftritt beim VfB Stuttgart war beachtlich. Umso mehr, weil Trainer Jürgen Klopp auf eine blutjunge Truppe setzt. Die präsentierte sich im Schwabenland nicht nur wild entschlossen, sondern auch technisch und taktisch gereift.

Das einzige Problem, dass die Dortmunder nach dem 3:1- Sieg in Stuttgart hatten, war ein organisatorisches. Das Flugzeug nach Westfalen wartete, so dass die Spieler und Verantwortlichen nach Duschgang und Interviews mächtig aufs Tempo drückten. Dass sie das aber perfekt beherrschen, hatten sie in den 90 Minuten zuvor eindrucksvoll nachgewiesen. So dominant und souverän traten sie in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena auf, dass sich Trainer Jürgen Klopp in seiner Analyse sogar genötigt sah, von einem "geilen Spiel" zu sprechen.

Technisch und taktisch gereift

Die Dortmunder scheinen im Vergleich zur letzten Spielzeit noch einmal gereift zu sein. Wer dachte, die Mannschaft würde ihr Heil beim VfB im Konterspiel suchen, sah sich getäuscht. Von Beginn an rissen Sahin, Kehl und Co. das Spiel an sich und überzeugten mit einer technisch ausgereiften und taktisch cleveren Darbietung. Überzeugend in Takt und Tempo nutzten sie die Verunsicherung der gastgebenden Schwaben gnadenlos und sorgten so für eine frühe Vorentscheidung.

"Wir haben in Defensive und Offensive sehr gut gearbeitet", sagte Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic. Die Schwachstellen, die man bei der Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen im ersten Saisonspiel noch zeigte, waren nicht mehr zu erkennen. In der Mittelfeldzentrale führte der junge Nuri Sahin wieder überzeugend Regie, unterstützt von Sebastian Kehl, der sich in den Zweikämpfen als äußerst präsent erwies.

"Großes Kino"

Hinzukommt, dass es den Dortmundern gelungen ist, zwei echte Juwelen in ihr Spiel einzubinden. Der kleine Japaner Kagawa ist eine echte Bereicherung für die Bundesliga und kaum vom Ball zu trennen. Und was der gerade einmal 18 Jahre junge Mario Götze auf der rechten Außenbahn bot, war bemerkenswert. Sein erstes Bundesligator hatte er sich mehr als verdient. "Mit sieben Spielern in der Startformation, die 22 Jahre oder jünger sind, ist das großes Kino", meinte nach der Partie Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke. "Wir wären auch bei einer Niederlage ruhig geblieben, weil wir sehr viel Vertrauen in unseren Weg haben. Aber so ist es noch schöner", so Watzke weiter.

Das einzige, was man den Dortmundern in Stuttgart ankreiden muss, ist, dass sie sich überhaupt noch einmal in Verlegenheit bringen haben lassen. Nach etwa 60 Minuten kam der VfB besser ins Spiel und die Klopp-Trupp verlor ein wenig den Faden. "Nach dem Gegentreffer war ich kurz etwas nervös", gab auch Klopp unumwunden zu. Das freilich nur kleine Nervenspiel kam auch deshalb zustande, weil die Dortmunder zum einen beim finalen Pass etwas schlampig wirkten, zum anderen, weil VfB-Torhüter Sven Ulreich einen guten Tag erwischte.

Klopp hat viele Alternativen

Optimistisch stimmt bei den Dortmundern auch, dass sie auf eine ausgeprägte Kadertiefe zurückgreifen können. Mit Jakub Blaszczykowski, Dede, Mohamed Zidan und Florian Kringe fehlten vier gestandene Bundesliga-Profis verletzt, auf der Bank saß in Stuttgart unter anderem der polnische Neuzugang Robert Lewandowski. Klopp kann sich also über mangelnde Alternativen nicht beschweren. Auch das wird den Westfalen Zuversicht für die kommenden Aufgaben geben.

Er wisse nicht, "wohin der Weg führen" wird, sagte Klopp direkt nach Abpfiff. Den drohenden Fehlstart hat sein junges Team erst einmal eindrucksvoll abgewendet.

Jens Fischer