Hannover/Berlin - Vom Beinahe-Absteiger zum Favoritenschreck: Hannover 96 hat seit dem Ende der vergangenen Saison eine unglaubliche Wandlung durchgemacht und steht nach drei Spieltagen der Spielzeit 2010/11 auf einem überraschenden 4. Platz.

Nach dem Auftaktsieg gegen Eintracht Frankfurt folgten ein 2:1-Coup auf Schalke und ein Remis trotz Unterzahl gegen Bayer Leverkusen. Dabei wäre gegen die "Werkself" sogar mehr drin gewesen. Davon zeigt sich Steven Cherundolo im Interview mit bundesliga.de überzeugt.

Der Amerikaner, der in dieser Saison Kapitän der "Roten" ist, spricht über das "neue" Hannover, seine "Ehe" mit den Niedersachsen, seinen Freund DaMarcus Beasley und das Derby gegen den VfL Wolfsburg am 4. Spieltag.

bundesliga.de: Herr Cherundolo, hat Hannover gegen Leverkusen zwei Punkte verschenkt oder aufgrund der Unterzahl einen Punkt gewonnen?

Steven Cherundolo: Das kann man so und so sehen. Wir wollten das Spiel in der heimischen AWD-Arena gewinnen. Das ist uns nicht gelungen. Also haben wir zwei Punkte verloren. Aber wir mussten fast eine Stunde in Unterzahl spielen. Wir haben alle intensiv gekämpft, gut dagegengehalten und auch weiter nach vorne agiert, trotzdem kurz vor Ende noch den Ausgleich kassiert. Das ist ärgerlich, aber irgendwie auch eine besondere Leistung. So müssen und können wir letztlich mit der Punkteteilung zufrieden sein.

bundesliga.de: Dennoch! Vor wenigen Monaten war Hannover dem Abstieg nah. Jetzt dieser tolle Saisonstart. Was ist in den wenigen vergangenen Wochen und Monaten mit dem Club geschehen?

Cherundolo: Wir haben uns sehr konzentriert und intensiv auf diese Saison vorbereitet und uns nicht vom Kurs abbringen lassen. Intern haben wir immer an uns geglaubt und seit dem Sieg gegen Frankfurt läuft es sichtbar rund. Jeder kämpft und läuft für jeden, wir sind topfit und zeigen auch spielerisch Einiges. Es macht Spaß bei Hannover 96.

bundesliga.de: Sie selbst sind begeisterter Surfer. Lässt sich Fußball mit dem Surfen vergleichen und wenn ja, hilft es Ihnen in Situationen wie der vergangenen Saison?

Cherundolo: Beim Surfen kommt es auf eine besondere Balance an. Innere Ausgeglichenheit versuche ich auch im Fußball einzubringen. Gerade in der schwierigen vergangenen Saison. Aber eigentlich haben Fußball und Surfen nichts gemeinsam.

bundesliga.de: Sie sind der neue Kapitän dieser Mannschaft. Ist das eine Ehre für Sie und wie interpretieren Sie diese verantwortungsvolle Aufgabe?

Cherundolo: Ich war bereits im Mannschaftsrat und bin auch schon als Ersatzkapitän aufgelaufen. Neu ist die Aufgabe also nicht. Ich erwarte aber von jedem Spieler im Team, Verantwortung zu übernehmen, wenn es darauf ankommt.

bundesliga.de: Sie spielen seit über zehn Jahren in Hannover. So eine Bindung zu einem Verein ist sehr selten im Sport heutzutage. Warum funktioniert die "Ehe" zwischen Steven Cherundolo und Hannover 96 so gut?

Cherundolo: Ich fühle mich hier in Hannover rundum wohl. Es ist meine zweite Heimat geworden. Und ich und denke, dass der Verein Hannover 96 etwas ganz Besonderes ist im deutschen Fußball. Gerade jetzt mit Trainer Mirko Slomka, der ja auch in Hannover lebt, erhoffe ich mir auch mehr Konstanz in der personellen Ausrichtung. Es gibt Perspektiven, die wir gemeinsam mit Leben füllen sollten.

bundesliga.de: Mit DaMarcus Beasley hat 96 einen weiteren Amerikaner verpflichtet. Sie beide kennen sich ja aus der Nationalmannschaft. Wie kann er Hannover weiterhelfen?

Cherundolo: "Beas" ist ein schneller Spieler, der auch technisch einiges drauf hat. Er hat einen ausgeprägten Zug zum Tor. Ich freue mich, dass er nach Hannover gekommen ist.

bundesliga.de: Nun könnte Beasley sein Bundesliga-Debüt ausgerechnet im Derby in Wolfsburg geben. Weiß er um die Brisanz dieses Duells?

Cherundolo: Ich weiß nicht, ob das Spiel wirklich mehr Brisanz hat als andere Bundesliga-Spiele. Für "Beas" wird das aber ohnehin kein Problem sein. Er hat immerhin die Erfahrung aus drei Weltmeisterschaften…

bundesliga.de: Hannover hat in der Bundesliga nur drei von 16 Duellen gegen den VfL gewonnen und die vergangenen fünf Niedersachsenderbys verloren. Wie muss 96 spielen, um diese Negativserie zu beenden?

Cherundolo: Wolfsburg ist nicht wie gewünscht in die Saison gestartet. Das Team will seinen Fans sicher jetzt gerade zuhause endlich seine unbestrittene Klasse zeigen. Wir werden mit unseren Stärken und dem neuen Selbstbewusstsein dagegenhalten. So wollen und können wir gewinnen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz