Berlin - Es war ein perfekter Abschied für Pep Guardiola beim FC Bayern München. Der Spanier beendete seine dreijährige Amtszeit bei den Bayern mit dem begehrten Double. Für den Katalanen war es der 21. Titelgewinn in seiner Karriere (14 mit Barcelona, 7 mit den Bayern).

Die Münchner krönten durch den 18. Pokalsieg der Vereinsgeschichte ihre Saison und freuten sich diebisch über den Erfolg gegen den Vizemeister. Es war bereits das elfte Double des Rekordmeisters.

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Guardiola kämpft mit Emotionen

Am Ende einer harten und langen Saison mussten die Bayern noch einmal alles abrufen. Borussia Dortmund zwang die Bayern vor allem mit einer starken Defensivtatktik und großer Leidenschaft in die Verlängerung und ins anschließende Elfmeterschießen. Der Sieg der Bayern war am Ende zwar etwas glücklich, aber auch hochverdient. "Dortmund hatte Chancen, aber auch wir hatten unsere Möglichkeiten. Alle waren am Ende müde. Im Elfmeterschießen kann alles passieren", erklärte ein sichtlich angefasster Trainer Pep Guardiola, der nach dem Schlusspfiff im ausverkauften Berliner Olympiastadion seinen Emotionen freien Lauf ließ.

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Der Katalane weinte hemmungslose und umarmte alle seine Spieler nacheinander sehr innig. "Die drei Jahre hier waren überragend. Wir sind sehr zufrieden. Wir haben gegen eine tolle, tolle Mannschaft gewonnen. Ich wünsche dem FC Bayern München nur das Beste für die Zukunft. Ich werde meine Spieler vermissen," so Guardiola. Der zu Manchester City wechselnde Coach wurde nach dem Schlusspfiff sehr emotional und gab sein Seelenleben preis. "Nach dem Abpfiff habe ich an die Zeit hier gedacht. Die letzten fünf Monate waren nicht einfach für mich. Viele Leute haben über Dinge gesprochen, die nicht wahr waren. Ich kämpfe aber mit wesentlichen Dingen, sonst verliert man seinen Kopf. Ich war richtig glücklich als Bayern damals angerufen hat. Es war die richtige Entscheidung, hierher zu kommen. Die Stadt ist top und ich habe sogar ein wenig Deutsch gelernt."

Obwohl die Bayern im Elfmeterschießen schon ihre schlechten Erfahrungen gemacht hatten, ist die Bilanz im DFB-Pokal äußerst positiv. Die Bayern gewannen sieben der vergangenen acht Elfmeterschießen, nur in der Vorsaison scheiterten die Münchener an der Borussia im Halbfinale mit 1:3. Während beim BVB Sven Bender und Sokratis verschossen, war es bei den Bayern nur Joshua Kimmich, der nicht die Nerven behielt. Sein verunglückter Versuch entschärfte BVB-Keeper Roman Bürki. "Eigentlich habe ich mich gar nicht so schlecht gefühlt, aber ich habe den Elfer nochmal im Fernsehen gesehen, das sah schon echt blöd aus", konnte Kimmich über seinen Elfmeter lachen.

Boateng: "Bitte nicht wie ein Brasilianer"

Abwehrchef Jerome Boateng musste nicht mehr antreten und war froh darüber, dass Douglas Costa den entscheidenden Elfmeter verwandelte. Boateng hatte dem offensiven Mittelfeldspieler auch ein wichtigen Tipp mit auf den Weg gegeben: "Ich hätte einen Elfer geschossen, wenn es weiter gegangen wäre, aber es haben sich andere vor mir gemeldet. Ich habe zu Douglas Costa gesagt: Bitte schieß hart, nicht wie ein Brasilianer."

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Lange Zeit bissen sich die Bayern an den Dortmundern die Zähne aus. Und in der Offensive blieb der BVB immer wieder durch die schnellen Spitzen Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus gefährlich. "Ich hätte es gerne nach 90 Minuten entschieden gesehen. Dieses Double ist etwas Wunderbares. Wir haben eine grandiose Saison gespielt. Es war verdient", sagte Torwart Manuel Neuer, der mal wieder alles hielt, was zu halten war. Zudem entschärfte er den Elfmeter des Dortmunders Sven Bender. Besonders in Sachen Fitness waren die Bayern den Dortmundern meilenweit überlegen. Während sich die Schwarz-Gelben schon nach 70 Minuten mit Krämpfen über den Platz schleppten, wechselte Pep Guardiola den ersten Einwechselspieler erst in der Verlängerung ein.

"Es war sehr intensiv. Man hat gesehen, dass bei allen Spielern die Saison lang war. Das Spiel hat Kraft gekostet. Aber so ist das im Pokalfinale", erklärte Stürmer Thomas Müller, der am verdienten Sieg der Bayern jedoch keinen Zweifel ließ. "Wir sind der verdiente Sieger. Bei ein, zwei Konterchancen hätte Dortmund auch treffen können. Aber wir haben die fußballerische Klasse von Dortmund in Schach gehalten und waren sehr dominant."

Aus Berlin berichtet Alexander Barklage