München - Als der FC Bayern vor dem Eröffnungsspiel gegen Borussia Mönchengladbach die kurzfristige Erkrankung Thiagos vermeldete, hatte sich das Personalpuzzle von alleine gelöst. Zu diesem Zeitpunkt wiesen Javier Martinez und Luiz Gustavo noch einen Trainingsrückstand auf und Mario Götze sollte erst einen Tag später im Testspiel gegen Györ seinen Einstand im Bayern-Triokt geben.

Eine Woche später ist die Situation eine andere. Bis auf den Langzeitverletzten Holger Badstuber dürften FCB-Coach Pep Guardiola alle Spieler seines Deluxe-Kaders zur Verfügung stehen - und damit drohen erste Härtefälle. Denn dass Thiago Alcantara bei seinem spanischen Landsmann hoch im Kurs steht und er damit in die Stammelf drängt, war spätestens nach Guardiolas vehementer Forderung an die Club-Verantwortlichen nach einer Verpflichtung des Youngsters vom FC Barcelona ("Thiago oder nichts") klar.

Multitalent Thiago



Der wiedergenesene Thiago, der Guardiolas Ideen in der gemeinsamen Barca-Zeit bereits verinnerlichte, dürfte demnach am 2. Spieltag in Frankfurt auflaufen - sollte er das Länderspiel in Ecuador am Mittwoch unbeschadet überstehen und sich die Reisestrapazen in Grenzen halten. Doch welche Position wird der Neuzugang bekleiden? Und welcher andere Star wird weichen?

"Thiago kann auf der Sechs spielen, auf der Acht, auf der Zehn, der Elf und der Sieben", teilte Guardiola den staunenden Pressevertretern mit, als der Neuzugang vorgestellt wurde. Einfach ausgedrückt: Theoretisch kann das Multitalent auf jeder Position im Mittelfeld auflaufen. In den Vorbereitungsspielen wechselte der 22-Jährige von der Sechs (Supercup) auf die Acht (gegen ManCity), schwirrte aber auch innerhalb eines Spiels im gesamten Mittelfeld umher.

Schweinsteiger überfordert



Für die Aufgabe bei der Eintracht dürfte der Schwerpunkt in Guardiolas Überlegungen eine verbesserte Absicherung im defensiven Mittelfeld sein. Zieht man die 90 Minuten des Eröffnungsspiels heran, war genau das die Schwachstelle der Münchner. Gegen Gladbach funktionierte das Umschaltspiel nicht, wenn die Schüsse der Bayern-Spieler abgeblockt wurden und die Gastgeber anschließend ins offene Messer liefen. Bestes Beispiel war der Pfostenschuss von Toni Kroos, in dessen Anschluss die Borussia einen Konter in Überzahl fahren konnte.

Leidtragender war Bastian Schweinsteiger, der im 4-1-4-1-System als alleiniger Sechser überfordert schien. Bis zu seiner Auswechslung in der 73. Minute war der Vize-Kapitän nur halb so oft am Ball (66 Mal) wie Franck Ribery in 90 Minuten (132 Mal). Auch seine magere Zweikampfbilanz (50 Prozent gewonnen) lässt den Schluss zu, dass sich Schweinsteiger im Vergleich zur Vorsaison, als er neben Javier Martinez auftrumpfte, als alleinige Absicherung schwer tat.

Zweite Absicherung?



Weil auch Thiago bei der 2:4-Niederlage im Supercup gegen den BVB als alleiniger Sechser nicht den sichersten Eindruck machte, könnte Guardiola zumindest vorübergehend zum alten Sytem mit der doppelten Absicherung zurückkehren. Thiago neben Schweinsteiger oder Martinez - das könnte einstweilen passen.

Im offensiven Mittelfeld wäre Thiago jedoch ebenfalls gut aufgehoben: Nimmt man ausschließlich das Gladbach-Spiel () zum Maßstab, überzeugten die Außenspieler Franck Ribery und Arjen Robben auf ganzer Linie - wohingegen Thomas Müller (vergab einen Elfmeter, war in 77 Minuten nur 34 Mal am Ball und gewann nur 25 Prozent seiner Zweikämpfe) und Toni Kroos (64 Ballberührungen in 85 Minuten) einige Schwächen offenbarten.

Guardiola hat am Samstag zum ersten Mal die Qual der Wahl. Es wird spannend zu sehen, ob das Bayern-Puzzle mit Thiago noch besser funktioniert. Und welches andere Puzzleteil außen vor bleibt.

Johannes Fischer