London - Wieder einmal heißt es für den FC Bayern München: London calling! Zum bereits dritten Mal in den letzten zwei Jahren reisen die Münchener zu einer Champions League-Partie in die englische Hauptstadt. Alle drei Spiele konnten sie gewinnen, davon zwei im Emirates Stadium von Arsenal London. Den noch wichtigeren Erfolg feierte der FC Bayern aber im Mai 2013 im Wembley-Stadion, als die Roten im Finale Borussia Dortmund bezwangen.

Am Dienstagabend (ab 20:30 Uhr im Liveticker) steht aber erst einmal der 3. Spieltag in der Gruppe F an. Während die Bayern entspannt in die Partie gehen können, stehen die Gunners nach zwei Niederlagen schwer unter Druck. Doch für Bayern-Coach Pep Guardiola ist dies kein Nachteil, erklärte er auf der Abschluss-PK.

"Wir müssen eine Topleistung abliefern"

Dass der FC Arsenal ein ruhmreicher Club mit einer eindrucksvoller Geschichte ist, merkt man im Emirates Stadium sofort. Überall an den Wänden hängen Arsenal-Heroen wie Dennis Bergkamp, Thierry Henry oder Tony Adams. Angetan von der besonderen Atmosphäre im Emirates war auch Thomas Müller am Montagabend. "Es ist immer schön hierher zu kommen", betonte der Bayern-Stürmer, der sich besonders auf den Rasen am Dienstagabend freut. Der sei vergleichbar mit einem Teppich in seinem Wohnzimmer.

Die Rahmenbedingungen sind also gegeben, wenn der Tabellenführer der Gruppe F gegen den Letzten spielt. Dass der FC Arsenal am 3. Spieltag noch ohne Punkt dasteht, hätten auch die Bayern nicht gedacht. "Sie haben sich sicherlich mehr ausgerechnet", so Bayerns Xabi Alonso, "jetzt sind sie in einer schwierigen Situation. Wir müssen schon eine Topleistung abliefern, um hier zu bestehen."

FC Bayern stellt sich auf offensiven Gegner ein

Die Londoner stehen vor dem Duell mit dem deutschen Rekordmeister mit dem Rücken zur Wand, doch diesen Umstand sieht Bayern-Trainer Pep Guardiola nicht als Nachteil, sondern als Vorteil für Arsenal an. "Wenn ich mit meiner Mannschaft in dieser Situation wäre, wüsste ich zu 100 Prozent, dass meine Spieler wie Löwen kämpfen würden. So wird es bei den Gunners auch sein, sie werden ihre beste Leistung zeigen wollen." Außerdem, so der Katalane, bemesse er nie eine Mannschaft nach deren Tabellenstand oder nach einer Punktzahl. Arsenal habe große Qualität und viele starke Spieler in seinen Reihen.

Als Warnung gab der Bayern-Coach auch noch ein Beispiel: Im Achtelfinale 2013/14 wurden die Bayern im Emirates Stadium in den ersten 15 Minuten von den Gunners mächtig unter Druck gesetzt und die Münchener hatten Glück, dass in dieser Phase Mesut Özil eine Strafstoß verschoss. Am Ende gewannen die Bayern mit 2:0 durch die Tore von Toni Kroos und Thomas Müller. Auch am Dienstagabend erwartet Guardiola die Gunners vor allem in der Anfangsphase sehr aggressiv. "Ich habe die Pressekonferenz von Arsenal verfolgt. Aaron Ramsey sagte, dass die einen guten Start erwischen wollen und uns sofort unter Druck setzen werden. Darauf werde ich meine Spieler aufmerksam machen. Sie müssen wissen, was zu tun ist." Auch Manuel Neuer, der gerade dabei ist, die Rekorde seiner großen Vorgänger im Bayern-Tor zu brechen (Hintergrund: Manuel Neuer auf den Spuren von Maier und Kahn).

Personell hofft Guardiola auf die Rückkehr der drei angeschlagenen Spieler Douglas Costa, Kingsley Coman und Javier Martinez. Das Trio nahm am Abschlusstraining teil. "Dienstag nach dem Mittagessen werde ich über die Startaufstellung entscheiden", sagt Guardiola. Ein Einsatz von Costa gilt am wahrscheinlichsten. Arsenal kann dagegen aus dem Vollen schöpfen. Alle wichtigen Spieler sind fit. Die Generalprobe gelang am vergangenen Samstag auch. Die Gunners besiegten den FC Watford auswärts mit 3:0. Sanchez, Giroud und Ramsey waren die Torschützen.

Müller trifft gerne in London

An seine letzten beiden Auftritte in London erinnert sich vor allem Thomas Müller sehr gerne. "Ich habe gute Erinnerungen an die Spiele hier in London, aber dafür kann ich mir jetzt auch nichts kaufen. Es wird ein sehr schwieriges Spiel, aber ich hoffe, dass es spielerisch ansehnlich wird, da Arsenal nicht mit zehn Spielern verteidigen wird, wie viele andere Gegner gegen uns in der Vergangenheit", erklärte Müller auf der Pressekonferenz.

Der Nationalspieler traf sowohl 2013 beim 2:0, als auch beim 3:1-Auswärtssieg 2014. Es waren jeweils die Achtelfinal-Hinspiel-Partien. Besonders freut sich Müller auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Teamkollegen aus der Nationalmannschaft, Per Mertesacker. "Ihn habe ich schon lange nicht mehr gesehen", so Müller, während er mit dem zweiten Deutschen im Diensten der Gunners, Mesut Özil, noch vor einer Woche bei der Nationalmannschaft zusammen war. "Vor dem Spiel kann man noch Späße machen, aber mit dem Anpfiff wird es dann ernst", so Müller.

Die Bayern wissen um die Schwere der Aufgabe, auch wenn es von der Tabellenkonstellation nicht so aussieht. Es könnte den Bayern aber sehr wohl in die Karten spielen, dass Arsenal nicht einmal mit einem Unentschieden gegen den deutschen Rekordmeister zufrieden sein kann. Die Londoner werden sich vermutlich nicht verstecken, sondern versuchen, in der Offensive mehr als nur Nadelstiche zu setzen. Besonders im Angriff waren die Gunners zuletzt eine Macht. Gegen Watford erzielten sie genauso drei Tore wie auch beim letzten Heimspiel. Gegner war da Manchester United. Die Bayern dürften also gewarnt sein.

Aus London berichtet Alexander Barklage