Köln - Der FC Augsburg mischt als Sechster weiter im Konzert der Großen mit und hatte alle Chancen auf die Qualifikation zur Europa League. Nun wartet das schwere Auswärtsspiel beim FC Bayern auf das Überraschungsteam. Vor dem Derby beim Meister spricht FCA-Kapitän Paul Verhaegh im Interview mit bundesliga.de über seine besondere Beziehung zum Verein und die Chancen auf Europa.

bundesliga.de: Paul Verhaegh, Sie haben beim FC Augsburg Ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend?

Verhaegh: Zum einen fühle ich mich sehr wohl hier in Augsburg, zum anderen möchte ich weiterhin Teil dieses Vereins sein. Die Entwicklung, die wir in den letzten Jahren genommen haben, ist enorm und der FC Augsburg hat das Potenzial auch in Zukunft erfolgreich zu sein. 

bundesliga.de: Sie sind seit 2010 beim FCA. Ist der Verein die schönste Station Ihrer Profi-Karriere und fast schon zur zweiten Heimat für Sie geworden? Was zeichnet den Club aus?

Verhaegh: Ich muss klar sagen, dass der FCA mein Verein geworden ist. Hier herrschen eine ruhige, familiäre Atmosphäre und eine gute Gemeinschaft in der Mannschaft, wie auch im ganzen Verein. Diese guten Bedingungen machen es einem Spieler natürlich leichter, seine Leistung abzurufen und sich wohlzufühlen. 

bundesliga.de: Welche Rolle hat dabei gespielt, dass auch zuvor Trainer Markus Weinzierl und Geschäftsführer Stefan Reuter verlängert hatten?

Verhaegh: Die beiden sind wichtige Personen im Verein und haben einen großen Anteil am Erfolg der letzten Jahre. Dass sie ihre Verträge verlängert haben und Potenzial in diesem Verein sehen, war durchaus wichtig für meine Entscheidung. Die Zusammenarbeit bisher war sehr gut und ich freue mich, dass das so weitergehen kann. 

"Die Gegner haben sich besser auf uns eingestellt"

bundesliga.de: Zwischen dem 11. und 19. Spieltag konnte der FCA sieben von neun Spielen gewinnen. Danach geriet der Motor etwas "ins Stottern", obwohl das Saisonziel Klassenerhalt schon sehr frühzeitig erreicht wurde. Seit dem 20. Spieltag hat die Mannschaft nur zwei von zwölf Spielen gewonnen. Welche Erklärung haben Sie für die Ausbeute von "nur" noch zehn Punkten aus diesen zwölf Partien?

Verhaegh: Es gibt immer Phasen während einer Saison, in denen es besser läuft. In der Hinrunde haben wir gut gespielt und viele Punkte geholt. Jetzt, in der Rückrunde, tun wir uns schwer. Das hat auch damit zu tun, dass sich die Gegner besser auf uns eingestellt haben und defensiver agieren - das bereitet uns ein paar Probleme. Dennoch sehen wir das als Herausforderung an und arbeiten hart, um in den letzten Spielen so viele Punkte wie möglich zu holen.  

bundesliga.de: Ist es Zufall, dass das sportliche Nachlassen fast zeitgleich mit Ihrem verletzungsbedingten Fehlen vom 21. bis 26. Spieltag fiel? Zeigt das Ihre große Bedeutung für die Mannschaft? 

Verhaegh: (schmunzelt) Das war eben eine Phase, in der es nicht sehr gut für uns lief. In dieser Zeit fielen auch noch andere Spieler verletzt aus. Da hat es uns geballt getroffen. Meine Bedeutung für das Team sollen andere beurteilen. Ich habe jedenfalls während meiner Verletzung hart gearbeitet, um schnell wieder auf dem Platz stehen zu können. 

bundesliga.de: Fehlt ein bisschen die Unbekümmertheit, seit der Verein das Saisonziel nach oben korrigiert hat?

Verhaegh: Ich denke nicht, dass die Unbekümmertheit fehlt, denn das einzige vorgegebene Ziel - den Klassenerhalt - haben wir frühzeitig erreicht. Aber natürlich, wenn man viele Monate in der Tabelle unter den ersten sieben steht, möchte man dort bleiben. Euro-League-Anwärter zu sein, ist für das ganze Team etwas Besonderes. Es wäre schön, wenn wir bis Saisonende Platz 6 noch verteidigen könnten, aber wir wissen auch, dass wir kein leichtes Programm vor uns haben. Ein internationaler Tabellenplatz ist also eher Kür als Pflicht.   

"Wollen unseren Platz verteidigen"

bundesliga.de: Der FC Augsburg spielt tatsächlich nach wie vor eine bemerkenswert gute Saison und steht immer noch auf Platz 6. Wie bewerten Sie die Chancen, diesen Platz in den letzten drei schweren Spielen in München, gegen Hannover und in Mönchengladbach zu verteidigen?

Verhaegh: Noch haben wir alles in der eigenen Hand, mit drei Siegen haben wir den Platz.(lacht) Das wird sicher ein enges Ding, denn der Vorsprung auf die Konkurrenz ist mit einem Punkt sehr gering. Wir müssen auf jeden Fall unser letztes Heimspiel gewinnen und auch auswärts wollen wir mal wieder punkten. Ob es für die internationalen Plätze reicht, sehen wir am 34. Spieltag. Momentan denken wir von Spiel zu Spiel und richten unsere volle Konzentration jetzt auf München. Dort wollen wir gegen den FC Bayern bestehen - Herausforderung genug. 

bundesliga.de: Am Samstag gastiert der FCA beim FC Bayern, der sich derzeit vor allem auf das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona konzentriert und zuletzt in Leverkusen fleißig rotiert hat. Im letzten Jahr konnte Augsburg das in einer vergleichbaren Situation ausnutzen und 1:0 gewinnen. Wie groß ist die Chance, das zu wiederholen?

Verhaegh: Am Samstag muss jeder einzelne von uns alles geben, damit wir als Team eine Topleistung bringen. Die Bayern sind nicht schlechter, nur weil sie das Champions League-Spiel hatten, denn jeder, der im Kader des FC Bayern steht, hat enormes Potenzial. Wir werden aber alles daran setzten, um dort Punkte holen zu können. Wenn wir ein gutes Spiel machen, und Bayern einen schlechten Tag erwischt, ist alles möglich. 

bundesliga.de: Wo landet der FCA am Ende der Saison?

Verhaegh: Wir wollen natürlich versuchen, unseren Platz zu verteidigen. Ob uns das gelingt, wird der 34. Spieltag zeigen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski