Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach kann nach dem überzeugenden 3:0-Heimsieg gegen Bayer 04 Leverkusen den Sekt schon einmal kalt stellen. Bei nun fünf Punkten Vorsprung auf die Werkself und nur noch zwei Spielen spricht alles für die Fohlen im Kampf um Platz 3 und die damit verbundene direkte Qualifikation zur Champions League. Sogar die Vizemeisterschaft ist durchaus noch möglich.Im Interview spricht Borussias Außenstürmer Patrick Herrmann über den grandiosen Sieg, sein Tor und die sehr günstige Ausgangsposition für die Elf vom Niederrhein.

Frage: Patrick Herrmann, Glückwunsch zum 3:0-Erfolg und Ihrem elften Saisontor. Gegen Bayer Leverkusen trumpfen Sie selbst auch ganz besonders gerne auf oder?

Patrick Herrmann: Ja, es ist irgendwie so, dass es gegen Leverkusen besonders gut läuft. Das hat man heute wieder gesehen. Es freut mich natürlich, dass ich wieder ein Tor gegen Bayer 04 machen konnte.

"Es war ein sehr hartes Stück Arbeit"

Frage: Am Ende steht ein 3:0-Sieg. War es ein deutlich schwereres Stück Arbeit als das Ergebnis es vermuten lässt?

Herrmann: Ja. Leverkusen hat eine überragende Mannschaft. Es war ein sehr hartes Stück Arbeit. Leverkusen hat es auch gut gemacht, aber wir haben gut dagegen gehalten. Wir waren gut im Spiel und hatten unsere Torchancen.

Frage: Haben Sie vor dem 1:0, das Sie durch eine Vorlage auf Max Kruse vorbereitet haben, gesehen, dass die Leverkusener Hintermannschaft kurz in den Tiefschlaf gefallen war?

Herrmann: Wir hatten einen Freistoß, den Granit Xhaka super reinspielt. Ich starte in den Raum, passe rein und Max ist zum Glück mitgelaufen.

Frage: Kurz vor Ihrem Tor zum 2:0 stand bereits ein Einwechselspieler für Sie bereit. Haben Sie das mitbekommen und deshalb noch schnell Ihr Tor gemacht?

Herrmann: Nein. Ich habe es mir zwar fast schon gedacht, es aber noch nicht gewusst. Ich bin dann vorne geblieben und habe gedacht, dass der Ball noch mal kommen wird. Und so kam es dann auch.

"Wir haben es in der eigenen Hand"

Frage: Gladbach hat sich einige Freistoßvarianten einfallen lassen, zwei führten zu Toren. Wurde das unter der Woche besonders trainiert?

Herrmann: Mehr oder weniger. Mein Tor war jetzt nicht geplant. Aber als Offensivspieler muss man da stehen und riechen, dass der Ball dort hinkommen kann. Wenn der Freistoß jetzt für Außenstehende gut aussah, war es vielleicht doch einstudiert. (lacht)

Frage: Die Borussia hat nun fünf Punkte Vorsprung auf Leverkusen. Granit Xhaka war sich gerade im Gespräch sehr sicher, dass es dies die Champions-League-Qualifikation war. Legen Sie sich auch schon fest?

Herrmann: Wir kennen ja alle den Granit... (lacht) Im Fußball geht es manchmal schwer. Wir haben es in der eigenen Hand. Es war ein super Schritt, darüber brauchen wir nicht zu reden. Aber wir müssen in den nächsten beiden Spielen noch den Sack zumachen.

Frage: Die Fans singen bereits von der Vizemeisterschaft?

Herrmann: Die Fans dürfen das auch singen. Aber wir müssen erst einmal mit dem zufrieden sein, was wir bis jetzt erreicht haben. Das war schon noch ein hartes Stück Arbeit.

Frage: Ist denn Platz 2 noch ein Ziel?

Herrmann: Nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Wenn wir Dritter werden, hätten wir mehr als alle Ziele erreicht.

Frage: Wie fühlt sich denn der erste Heimsieg gegen Leverkusen nach Jahrzehnten an?

Herrmann: Wann war denn der letzte?

Frage: 1989.

Herrmann: Da war ich noch nicht auf der Welt. Der Sieg fühlt sich gut an, gerade weil es ein enorm wichtiges Spiel war. Er fühlt sich doppelt so gut an.

"Der Sieg war ein Riesenschritt"

Frage: Borussia hat nun in der Rückrunde alle Topteams geschlagen. Drei Spiele, drei Siege, 6:0 Tore. Was sagt das über die Klasse der Mannschaft aus?

Herrmann: Das zeigt, dass wir mit den Topteams mithalten können. Wir haben viele geschlagen und viele Punkte geholt. Gerade in der Rückrunde lief es überragend. Das ist kaum in Worte zu fassen und zeigt, dass wir momentan eine sehr gute Mannschaft sind.

Frage: Wenn man gegen die Topteams der Bundesliga mithalten kann, kann sich dann vorstellen, auch den Teams in der Champions League Paroli bieten zu können?

Herrmann: Wenn wir es schaffen sollten - und es sieht ja momentan gut aus - dann ist es für uns als Sportler, für den Verein und für die Fans etwas sehr Schönes und ganz Besonderes. Man arbeitet als Sportler darauf hin, einmal in der Champions League zu spielen.

Frage: Wie groß sind die Restzweifel?

Herrmann: Wir haben keine Zweifel, aber im Fußball ist alles möglich. Wir haben jetzt eine komfortable Ausgangssituation und wollen die nun nutzen. Der Sieg heute war ein Riesenschritt. Aber es ist noch nicht fest. Warten wir noch eine Woche ab.

Frage: Wie ordnen Sie die Rückrunde insgesamt bis jetzt ein?

Herrmann: Die Rückrunde lief phänomenal. Nach der Hinrunde haben wir alle gewusst, dass es schwer werden würde, die Punktzahl zu wiederholen. Und jetzt spielen wir sogar eine noch bessere Rückserie. Das ist richtig toll.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski