Nürnberg . Der 1. FC Nürnberg feierte beim Einstand des neuen Trainer Rene Weiler mit dem 2:1-Erfolg gegen den Tabellenführer FC Ingolstadt 04 am letzten Spieltag ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis. Damit hat der Club den Anschluss zum Mittelfeld der 2. Bundesliga wieder hergestellt.

Nun gastieren die Franken am Montag im Duell der Bundesliga-Absteiger bei Eintracht Braunschweig. Vor der richtungsweisenden Partie spricht FCN-Keeper Patrick Rakovsky im Interview mit bundesliga.de über den schweren Start in die Saison, sein Verhältnis zu Raphael Schäfer und die Perspektiven des Clubs.

bundesliga.de: Am letzten Spieltag haben Sie Ihren ersten Assist in einem Punktspiel beitragen können. Wie fühlt sich das für einen Torwart an?

Patrick Rakovsky: Das hat mich natürlich riesig gefreut. Das ist mir beim 1. FC Nürnberg noch nicht gelungen, nur zwei-, dreimal in der Jugend, aber noch nicht in einem wichtigen Punktspiel.

bundesliga.de: Der Club hat dem Tabellenführer die erste Saisonniederlage beigebracht. Wie hat sich das auf die Stimmung in Nürnberg ausgewirkt?

Rakovsky: Die letzten Wochen waren nicht immer einfach für uns. Wir haben nicht die Leistungen gebracht, die wir eigentlich bringen sollten und auch nicht die Punkte eingefahren, die wir holen wollten. Aber nach dem Sieg können wir jetzt alle ein bisschen befreiter aufspielen. Jetzt müssen wir unsere Leistung bestätigen und da weitermachen, wo wir gegen Ingolstadt aufgehört haben.

"Wir waren vor dem Tor eiskalt"

bundesliga.de: Was hat der Club gegen Ingolstadt besser gemacht als in den Spielen davor?

Rakovsky: Wir waren vor dem Tor eiskalt, wo uns vorher die Effektivität gefehlt hat. Und hinten hat sich jeder für den anderen reingehauen. So wie wir gekämpft haben, auch in Unterzahl, haben wir uns den Sieg verdient. Wir hatten diesmal auch ein bisschen das Glück auf unserer Seite.

bundesliga.de: Sie stehen seit dem 8. Spieltag als Nummer 1 im Tor des FCN. Ihre persönliche Bilanz ist bei vier Siegen, zwei Unentschieden und drei Niederlagen positiv. Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Status?

Rakovsky: Es wird besser. Es gab ein paar unnötige Niederlagen und Punktverluste. Aber man hat auch gesehen, dass wir uns als Mannschaft immer besser finden. Es braucht noch etwas Zeit, bis wir konstant richtig gute Leistungen bringen. Ich hoffe, dass wir jetzt eine Serie starten können.

bundesliga.de: Der Club stellt mit bisher 25 Gegentoren die zweitschlechteste Abwehr der 2. Bundesliga. Ist das Defensivverhalten die Schwäche, die abgestellt werden muss?

Rakovsky: Unsere Defensive ist beinahe komplett neu. Sie muss sich erst finden. Wir haben zuletzt die Abwehr wieder umgebaut und ein gutes Spiel gemacht. Das hat mich sehr gefreut.

bundesliga.de: Wie erleben Sie den neuen Trainer Rene Weiler? Welche Schwerpunkte setzt er?

Rakovsky: Er will vor allem, dass wir auf dem Platz viel mehr reden, Kommandos geben und uns untereinander absprechen. Es soll nicht blind nach vorne gespielt, sondern auch einmal der Ball beruhigt werden. Wenn sich die Gelegenheit bietet, wollen wir schnell nach vorne spielen.

"Raphaels Tipps sind Gold wert"

bundesliga.de: Sie haben im Tor des Clubs die Nürnberger Legende Raphael Schäfer abgelöst. Wir ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Rakovsky: Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich habe ihn in den Jahren, die er vor mir war, immer unterstützt und erwarte das auch umgekehrt. Wir haben nie gegeneinander geschossen. Der Konkurrenzkampf ist immer da, muss auch da sein. Raphael gibt mir auch immer wieder Tipps, die Gold wert sind.

bundesliga.de: Am nächsten Montag gastiert Nürnberg im Duell der beiden Bundesliga-Absteiger in Braunschweig. Die Eintracht tat sich anfangs ähnlich schwer wie der Club, hat aber mit einer Serie von 13 Punkten aus den letzten fünf Spielen den Anschluss zur Tabellenspitze wieder hergestellt. Wie schwer wird die Aufgabe?

Rakovsky: Es wird ein ähnlich schweres Spiel wie gegen Ingolstadt. Braunschweig wird auch Fußball spielen wollen, was uns ein bisschen entgegen kommt. Wir müssen kämpferisch dagegen halten.

bundesliga.de: Auswärts hat Nürnberg punktemäßig sicher noch Nachholbedarf. Wo lagen bisher die Probleme?

Rakovsky: Die Bilanz war auswärts noch nicht so gut. Allerdings haben wir auch in vielen Spielen Punkte unglücklich liegen gelassen wie in Sandhausen oder Bochum. Wenn es läuft, kommen dann viele Sachen zusammen.

"Nürnberg gehört einfach in die Bundesliga"

bundesliga.de: Ist das Spiel in Braunschweig ein Spiel mit richtungsweisendem und vielleicht schon vorentscheidendem Charakter für den weiteren Saisonverlauf?

Rakovsky: Mit so etwas beschäftige ich mich gar nicht mehr. Als wir in den Spielen gegen Kaiserslautern, Bochum und Leipzig eine kleine Serie gestartet haben, wurde wieder direkt vom Aufstieg gesprochen. Dann haben wir drei Spiele nicht gewonnen. Ich bin daher vorsichtig mit Prognosen. Wir haben fünf Punkte Vorsprung nach unten. Diesen Abstand gilt es auszubauen. Wenn wir das schaffen, kommen wir auch weiter nach oben.

bundesliga.de: Der Aufstieg war ja einmal das offizielle Saisonziel. Haben Sie sich davon noch nicht ganz verabschiedet?

Rakovsky: Es war ein berechtigtes Saisonziel nach dem Abstieg. Nürnberg gehört einfach in die Bundesliga. Aber man darf auch nicht vergessen, mit welcher Mannschaft wir spielen. Viele Spieler waren vorher noch keine Stammspieler in der 2. Bundesliga. Wie gesagt, ich denke, dass wir uns langsam finden. Jeder weiß, worauf es in der 2. Bundesliga ankommt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski