Rottach-Egern - Den Sprung ins kühle Nass des Tegernsees hatten sich die Profis von Borussia Mönchengladbach redlich verdient. "Nach einem harten Training tut das besonders gut", sagt Patrick Herrmann. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 23-Jährige über die intensive Vorbereitung, kuriose Statistiken und neue Konkurrenz im Mittelfeld.

bundesliga.de: Patrick Herrmann, Sie sind zum dritten Mal mit Borussia Mönchengladbach im Sommertrainingslager in Rottach-Egern. Was hat sich im Vergleich zu den Vorjahren geändert?

Patrick Herrmann: Ich habe mit Julian Korb einen neuen Zimmerkollegen bekommen. Ihn kenne ich seit meinem Wechsel zu Gladbach vor sechs Jahren. Wir waren zusammen im Internat, haben dort schon nebeneinander gewohnt und verstehen uns super. Weil unsere bisherigen Kollegen Lukas Rupp und Marc-Andre ter Stegen den Verein verlassen haben, hat sich die neue Besetzung angeboten.

bundesliga.de: Im Vorfeld des Trainingslagers hat Ihr Trainer Lucien Favre "sehr, sehr intensive" Einheiten angekündigt. Wie hart ist denn das Training bisher?

Herrmann: Bisher ist es wirklich sehr, sehr intensiv. Gerade am ersten Tag haben wir nach dem Training noch mehrere Läufe gemacht. Und die gingen schon an die Substanz. Wir hatten für die Sommerpause alle individuelle Programme bekommen, die wir machen mussten, egal ob wir im Urlaub waren oder zuhause. Ich war regelmäßig mit meinem Hund laufen. Wenn man jetzt hier jeden Tag zwei Mal trainiert, dann merkt man das einfach mit der Zeit, das ist ganz normal.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison konnte sich Gladbach nach dem Erstrunden-Aus im DFB-Pokal voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren. In diesem Jahr kann sich die Borussia über die Playoffs für die Gruppenphase der Europa League qualifizieren. Sehen Sie Ihr Team für die mögliche Dreifachbelastung gut gerüstet?

Herrmann: Ich denke schon. Wir kennen die Europa League aus der Saison 2012/13 und wissen, dass es eine enorme Belastung ist. Wenn es so kommen sollte, dann müssen wir uns der Herausforderung stellen und unser Bestes geben.

bundesliga.de: Sie standen in der vergangenen Saison in allen 34 Bundesliga-Spielen in der Startelf, stellten mit 29 Auswechslungen aber einen eher unrühmlichen Rekord auf. Wie gehen Sie damit um?

Herrmann: Mit der Zeit ist mir auch aufgefallen, dass ich relativ regelmäßig ausgewechselt werde. Natürlich ist es für einen Spieler nie schön, ausgewechselt zu werden. Ich als Sportler will jedes Spiel durchspielen, auch wenn es noch so anstrengend ist. Aber auf der anderen Seite muss man die Entscheidungen des Trainers respektieren. Wenn es für die Mannschaft besser ist, dann akzeptiere ich das. Jetzt mit der Europa League und der zusätzlichen Belastung kann ich mir so vielleicht die eine oder andere Minute Kraft sparen.

bundesliga.de: Gerade in der Offensive hat Gladbach mit Andre Hahn, Ibrahima Traore und Thorgan Hazard einige Neuzugänge zu verzeichnen. Wie sehen Sie die neue Konkurrenzsituation?

Herrmann: Das sind echt super Spieler, durch die wir auf jeden Fall an Qualität dazugewonnen haben. Der Konkurrenzkampf ist natürlich größer geworden, aber es ist auch von Vorteil mit solch guten Spielern zusammenzuspielen, denn so kann man sich selbst weiterentwickeln.

bundesliga.de: Ihre Torausbeute der vergangenen drei Jahren zeugt von Konstanz. Sie haben jeweils sechs Bundesliga-Treffer erzielt. Geht die Serie so weiter?

Herrmann: Es ist schon kurios, dass es immer sechs Tore waren. Ich würde mich freuen, wenn es das eine oder andere Tor mehr wird. Wenn ich zum Beispiel zehn Vorlagen gebe, dann ist das auch okay, aber trotzdem würde ich die Sieben gerne knacken.

bundesliga.de: Ihr Teamkollege Christoph Kramer fuhr überraschend mit zur WM und kommt jetzt als Weltmeister wieder. Hatten Sie schon Gelegenheit, ihm zu gratulieren?

Herrmann: Er hat in der letzten Zeit sehr viele SMS bekommen, da habe ich gedacht, ich lasse ihn lieber mal in Ruhe. Wir, Max Kruse, Julian Korb und ich, haben ihm stattdessen ein Bild geschickt. Ich denke, er wird sich in der nächsten Woche mal bei uns blicken lassen. Wir freuen uns alle riesig für ihn. Dass er plötzlich im Finale gespielt hat, hat keiner erwartet, aber die Qualität hat er.

bundesliga.de: Sie selbst durchliefen ab der U16 alle Nachwuchsmannschaften des DFB und gehörten bislang ein Mal zum Kader der Nationalmannschaft. Wie sehen Sie Ihre Chancen auf Ihr erstes Länderspiel?

Herrmann: Die Chancen sind auf jeden Fall da. Das hat jeder selbst in der Hand. Natürlich muss man auch das Glück haben und die richtige Zeit erwischen. Ich werde auf jeden Fall hart an mir arbeiten und vielleicht klappt es dann mal wieder mit einer Berufung.

bundesliga.de: Am 24. August startet die Borussia gegen den VfB Stuttgart in die neue Saison (Spielplan). Der letzte Heimsieg gegen die Schwaben liegt neun Jahre zurück, am 2. Spieltag geht's nach Freiburg, wo Gladbach 2002 in der Bundesliga der letzte Auswärtssieg gelang. Was stimmt Sie dennoch optimistisch, dass Gladbach gut in die Saison startet?

Herrmann: Wir haben in der letzten Saison einige Serien durchbrochen. In Dortmund haben wir gewonnen, das ist seit zig Jahren nicht mehr passiert. Daran sieht man, dass es im Fußball immer schnell gehen kann und man auch dort gewinnen kann, wo es auf den ersten Blick nicht danach aussieht (Tabellenrechner).

bundesliga.de: Wohin führt der Weg der Borussia in der kommenden Saison?

Herrmann: Das ist die Frage der Fragen. Wir müssen hart an uns arbeiten und gute Leistungen zeigen, so wie wir es in der letzten Saison auch gemacht haben. Wenn uns das gelingt, können wir einen ähnlich guten Platz erreichen, wie in der letzten Saison. Aber die Bundesliga ist sehr ausgeglichen, von daher ist es schwer zu sagen, wo die Reise hingeht.

Das Gespräch führte Maximilian Lotz