"Ich bin vor dem Tor sehr viel ruhiger geworden und mache mir nicht mehr so viele Gedanken", sagt Herrmann - © imago / DeFodi
"Ich bin vor dem Tor sehr viel ruhiger geworden und mache mir nicht mehr so viele Gedanken", sagt Herrmann - © imago / DeFodi
Bundesliga

"Borussia ist zur zweiten Heimat geworden"

Mönchengladbach - Ein außergewöhnlich talentierter Fußballer war Patrick Herrmann schon immer. Erst in der vergangenen Saison aber gelang es dem heute 24-jährigen erstmals sein großes Können über einen längeren Zeitraum abzurufen. Mit elf Treffern und fünf Assists spielte er die beste Runde seiner bisherigen Karriere.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Herrmann über die Gründe für seine Leistungssteigerung, über seinen neuen Status als Führungsspieler und über seine Erwartungen an die neue Saison mit Borussia Mönchengladbach.

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bundesliga.de: Herr Herrmann, wenn man so will, hat diese Saison für Sie so begonnen wie die vergangene, neben dem Rasen: Im DFB-Pokal beim FC St. Pauli saßen Sie 83 Minuten auf der Bank...

Patrick Herrmann: Das ist in der Tat kurios, wenn man genau darüber nachdenkt (lacht). Vor einem Jahr habe ich zu Beginn einige Spiele auf der Bank gesessen, habe schließlich aber doch noch eine sehr gute Saison gespielt und bin sogar Nationalspieler geworden. Natürlich möchte ich diesmal so schnell wie möglich wieder von Beginn an spielen und nicht erst einige Spiele draußen sitzen. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob das schon am Wochenende, beim Bundesliga-Start in Dortmund (zur Vorschau), der Fall ist. Da lasse ich mich überraschen.

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"Jeder von uns wird immer mal wieder pausieren müssen"

bundesliga.de: Gibt es eine Erklärung dafür, warum Sie ein Spätstarter sind?

Herrmann: Man fragt sich schon, woran es liegen könnte?! Ich habe damals sehr viel darüber nachgedacht, warum es nicht von Beginn an besser gelaufen ist. Aber der Fußball schreibt nun einmal immer wieder solche Geschichten, und eine wirkliche Erklärung habe ich dafür nicht.

bundesliga.de: Wie sehr ärgert es Sie, dass Sie ausgerechnet im EM-Jahr wieder mit einem Handicap starten?

Herrmann: Bis jetzt handelt es sich ja nur um ein einziges Spiel, das ist noch zu verkraften. Klar hätte ich auch auf St. Pauli gerne gespielt. Aber ich bin überzeugt, dass für uns alle noch viele wichtige Spiele kommen werden (lacht). Im Übrigen wird jeder von uns über die Saison weg immer mal wieder pausieren müssen.

"Habe ganz bewusst an meinen Schwächen gearbeitet"

bundesliga.de: Wenn sich der Trainer gegen Sie entscheidet, ärgern Sie sich dann eher über sich selbst oder suchen Sie den Fehler beim Trainer?

Herrmann: Ich suche den Fehler bei mir selbst und grüble viel darüber nach, was ich besser machen könnte. Aber ich habe über die Jahre auch gelernt, dass es am besten ist, wenn man einen kühlen Kopf bewahrt und einfach nur versucht im Training immer wieder sein Bestes zu geben.

bundesliga.de: Was hat in der vergangenen Saison zu Ihrem Leistungssprung geführt?

Herrmann: Zum einen habe ich mich nicht beirren lassen. Aber ich habe auch ganz bewusst an meinen Schwächen gearbeitet. Wenn man am Samstag nur auf der Bank sitzt, hat man Sonntag zwangsläufig mehr Power, etwas individueller zu trainieren. So habe ich sehr viel an meinem linken Fuß und am Torabschluss gearbeitet. Dinge, von denen der Trainer gesagt hat, dass ich sie weiter verbessern muss. Das geht allerdings nicht von heute auf morgen, sondern ist ein längerer Prozess.

"Kommt mir vor, als wenn es gestern gewesen wäre"

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"Die Vertragsverlängerung war folgerichtig"

bundesliga.de: Sie haben Ihren Vertrag kürzlich bis 2019 verlängert. Was hat den Ausschlag gegeben?

Herrmann: Als ich den Vertrag verlängert habe, war noch nicht hundertprozentig sicher, ob wir es in die Champions League schaffen würden. Aber ich gehe seit 2008 meinen Weg gemeinsam mit Borussia, über die Relegation und die Europa League bis nun in die Champions League. Und mir war in den vergangenen Jahren immer klar, dass wir weiteres Potenzial und noch Luft nach oben haben. Deshalb war die Vertragsverlängerung nur folgerichtig. Ich habe immer fest daran geglaubt, dass ich mir hier den Traum von der Champions League erfüllen kann.

bundesliga.de: Sollten Sie Ihren Vertrag erfüllen, wären Sie elf Jahre bei Borussia. Heute eine ungewöhnlich lange Zeit...

Herrmann: Das stimmt. Für mich persönlich ist ein Umfeld, das familiäre Strukturen aufweist und das ich sehr gut kenne, wichtig um meine besten Leistungen zu bringen. Ich kenne bei Borussia mittlerweile alles in und auswendig, ich kenne die Stadt und ich mag die Menschen. Borussia ist längst zu meiner zweiten Heimat geworden.

"Besonders gerne auf die Insel..."

bundesliga.de: Wird einer wie Sie mit 162 Bundesligaspielen noch nervös, wenn er an die Champions League denkt?

Herrmann: Ich kann mir gut vorstellen, dass ich vor dem ersten Champions League-Auftritt sogar sehr nervös sein werde. Das ist etwas ganz Besonderes, zumal der Verein fast vier Jahrzehnte darauf gewartet hat. Das wird für uns alle Gänsehaut-Feeling bedeuten.

bundesliga.de: Haben Sie einen Wunschgegner?

Herrmann: Uns werden zwangsläufig Top-Clubs zugelost. Besonders gerne würde ich auf der Insel gegen eine britische Mannschaft antreten. Aber auch andere Hochkaräter, wie Real Madrid oder der FC Barcelona, sind hoch willkommen (lacht).

"Dortmund wird eine weit bessere Saison spielen"

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