Wroclaw - Bei der Frage nach seinem EM-Favoriten muss Kyriakos Papadopoulos nicht lange überlegen. "Griechenland natürlich!", sagte der Innenverteidiger vom Bundesligisten Schalke 04 vor dem Turnier in Polen und der Ukraine.

Spätestens jetzt kann der 20-Jährige einen ganz entscheidenden Teil zum erträumten Triumph beitragen - aufgrund arger Personalnot soll er am Dienstag gegen Tschechien (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) in die Startformation des Europameisters von 2004 rutschen.

"Ich bin sehr ehrgeizig"



"Die Stärke unserer Mannschaft ist die Defensive", sagte Papadopoulos, der auf Schalke in der abgelaufenen Saison zum Senkrechtstarter avancierte. Da Nationaltrainer Fernando Santos im zweiten Vorrundenspiel der Gruppe A auf die Innenverteidiger Sokratis (gesperrt) und Avraam Papadopoulos (Kreuzbandriss) verzichten muss, wird das kampfstarke Kraftpaket in Wroclaw erstmals bei einem großen Turnier von Anfang an auf dem Rasen stehen.

Bereits beim Eröffnungsspiel in Warschau ("Ein ganz besonderes Ereignis in meiner Karriere") wurde Papadopoulos eingewechselt und sorgte beim überraschenden 1:1 gegen Co-Gastgeber Polen (Hier geht's zum Spielbericht) in der Viererkette für Ruhe und Stabilität. Am Ende bekam er von Santos ein Sonderlob für seinen unaufgeregten Auftritt. Der Schalker ist für seinen Einsatzwillen bekannt, auf ein Duell mit ihm dürfte sich kein Gegenspieler ernsthaft freuen. Papadopoulos ist ein Fighter, hat aber klare Schwächen im Spielaufbau und im taktischen Bereich. "Ich weiß, wo ich an mir arbeiten muss. Ich bin sehr ehrgeizig", sagt er.

Sportliche Familie



Großer Rückhalt ist seine sportbegeisterte Familie. Vater Nikos war selbst Fußballer, Mutter Elena gewann über die 100 m Hürden den Titel der griechischen Meisterin. "Sie sind immer da, wenn es geht. Natürlich auch bei der EM", sagte Papadopoulos, der vor allem die Kochkünste seiner Mutter schätzt. "Ich genieße das, so oft es geht", betonte der griechische Doublegewinner von 2008 und 2009.

Von Olympiakos Piräus wechselte der Youngster im Juni 2010 zu Schalke 04. Und auch hier setzte sich der Trend fort: Die Karriere ging weiter steil bergauf, sein Kämpferherz bescherte Papadopoulos schnell die Rolle des Publikumslieblings. Im Juni 2011 debütierte er schließlich in der A-Nationalmannschaft und krönte sein erstes Spiel gleich mit dem ersten Treffer. "Meine Arbeit hat sich ausgezahlt, dieser Moment war das Größte", sagte er anschließend.

Wenn es so weitergeht, werden noch viele weitere dieser Momente hinzu kommen. Vielleicht sogar schon bei der EM? "Natürlich ist es enorm schwer, den Titel zu gewinnen", räumt Papadopoulos ein. "Aber unmöglich ist nichts." Das weiß seit 2004 niemand besser als ein Grieche.