Bremen - Ousman Manneh überstrahlte am Samstagabend im Weserstadion alle. Der 19-Jährige von SV Werder Bremen erzielte in seinem erst vierten Bundesliga-Spiel das 2:1-Siegtor gegen Bayer Leverkusen. Durch den Erfolg hat das Team von Trainer Alexander Nouri jetzt aus vier Partien sieben Punkte geholt und steht auf Platz 13. In allen vier Partien standen Manneh, der jetzt als erster Torschütze aus Gambia in die Bundesliga-Geschichte eingeht, auf dem Rasen. Im Interview beschreibt der Youngster seine Gefühle.

Frage: Herr Manneh, herzlichen Glückwunsch zu ihrem ersten Bundesliga-Tor. Können Sie gerade beschreiben, was in Ihnen vorgeht?

Ousmane Manneh: Zuerst muss ich mich bei den Fans bedanken. Ich stehe jetzt hier vor Ihnen und weiß gar nicht genau, was passiert ist. Ich weiß gar nicht, ob ich wirklich ein Tor geschossen habe oder ob ich doch nur träume. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dann auch noch das Siegtor zu schießen gegen ein so starkes Team wie Bayer Leverkusen. Es ist einfach unglaublich.

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Frage: Sie haben definitiv ein Tor in der Bundesliga geschossen!

Manneh: Das ist der größte Traum, den ich mir erfüllen konnte. Ich hätte mir nie erträumt, dass ich mal vor so vielen Fans gegen ein Team wie Bayer Leverkusen ein Tor erzielen würde. Als Kind habe ich davon geträumt, mal gegen so eine Mannschaft zu spielen und jetzt habe ich auch noch das Siegtor geschossen. Es ist wirklich passiert.

"Ich bin so stolz auf diesen Moment"

Frage: Wissen Sie, dass Sie der erste Spieler aus Gambia sind, der in Bundesliga ein Tor geschossen hat? Macht Sie das besonders stolz?

Manneh: Ja, ich bin so stolz auf diesen Moment. Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben. Ich bin so stolz, dass ich der erste Gambier war, der vier Bundesliga-Spiele bestritten hat und jetzt bin ich stolz, dass ich der erste Torschütze aus meinem Land bin.

Frage: Sie hätten sogar mehr als ein Tor schießen können. Sind Sie deshalb vielleicht nicht ganz zufrieden mit Ihrer Leistung?

Manneh: Ich wollte heute unbedingt ein Tor schießen, vielleicht habe ich mir zu viel Druck gemacht, aber zum Glück habe ich jedenfalls einen Treffer erzielt.

Frage: Vor dem 1:0 durch Zlatko Junuzovic hatten Sie bereits eine Riesenchance zur Führung. Diese Gelegenheit alleine vor Bayer-Keeper Bernd Leno war eigentlich einfacher zu verwerten als ihr Tor in der zweiten Halbzeit, oder?

Manneh: Ja, das hat bestimmt einfacher ausgesehen, aber der Torhüter Bernd Leno ist auch ein super Keeper und hat geahnt, was ich vorhatte. Er war so clever, dass er die Chance zunichte gemacht hat.

"Wie ist das möglich?"

Frage: Können Sie uns ein bisschen über die letzten Woche erzählen? Trainer Alexander Nouri hat Ihnen von Beginn an sein Vertrauen gegeben und Sie spielen lassen. Jetzt haben Sie bereits vier Partien absolviert und einen Treffer erzielt. Können Sie die letzten Wochen Revue passieren lassen?

Manneh: Ich bin total überrascht über diese Entwicklung. Wie ist das möglich? Ich muss ganz besonders Trainer Nouri danken, der mir das Vertrauen geschenkt hat und mir die Chance gegeben hat vor so einer Kulisse zu spielen. Außerdem muss ich allen im Verein danken, die mich hier bisher so toll unterstützt haben.

Frage: Was müssen Sie noch verbessern, um Stürmer ein kompletter zu werden?

Manneh: Ich muss mich noch in allen Bereichen verbessern, das ist doch klar. Ich muss jeden Tag dazulernen, und das tue ich auch.

Frage: Haben Sie als Fußballer Idole oder Vorbilder? Von wem schauen Sie sich etwas ab?

Manneh: Ich habe so viele Idole, selbst heute habe ich gegen eines davon gespielt: Chicharito. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich heute gegen ihn gespielt habe. Außerdem habe ich Robin van Persie immer bewundert. Und ein großes Vorbild spielt bei mir im Team, Claudio Pizarro.

Frage: Wie viel Selbstvertrauen wird Ihnen dieses erste Tor in der Bundesliga geben?

Manneh: Das Tor ist natürlich sehr wichtig für mein Selbstvertrauen. Wichtig war aber, dass wir die drei Punkte geholt haben.

Frage: Was sagt Ihre Familie zu Ihrem Erfolg hier in Deutschland? Stehen Sie im Kontakt mit Ihnen?

Manneh: Ich spreche jeden Tag mit meiner Mutter. Sie ist sehr stolz auf mich, aber sie weiß gar nicht ganz genau, was Fußball ist. Aber ihr wird von anderen erklärt, was ich hier mache, sie ist auch ein wenig besorgt um mich, aber das ist okay, mir geht es hier sehr gut. (lacht)

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage