Köln - Die Bundesliga-Saison 2015/16 vorbei - Zeit für eine Bilanz. Ottmar Hitzfeld hat sich unter #FragHitzfeld bzw. #AskHitzfeld den Fragen der Bundesliga-Fans gestellt und einige im exklusiven Termin mit bundesliga.de beantwortet.

Der ehemalige Bundesliga-Trainer spricht unter anderem über den historischen Rekord des FC Bayern München (Video: Rekordtitel für den Rekordmeister), die Transfers des Rekordmeisters und die starke Spielzeit von Borussia Dortmund.

"Tuchel hat Dortmund weiterentwickelt"

Hitzfeld: Thomas Tuchel hat es wieder geschafft, Borussia Dortmund in die Spitze zu bringen. Dank seiner harten und guten Arbeit ist der BVB für den FC Bayern wieder zu einem ernsthaften Konkurrenten geworden. Ihm ist es auch gelungen, die Spielweise attraktiv zu gestalten, aber auch dass seine Mannschaft spielerisch variabler auftritt als unter Jürgen Klopp. In der Defensive spielt der BVB wieder kompakter und auch stabiler. Er hat seine Elf definitiv weiter entwickelt.

Hitzfeld: Bis jetzt hat Dortmund all seine Abgänge immer gut verkraften können, siehe die Beispiele Mario Götze und Robert Lewandowski. Ich bin überzeugt, dass der BVB den Abgang von Mats Hummels verkraften kann. Aber er war nicht nur ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft, sondern auch der Kapitän. Er ist ein Leader, ein Führungsspieler. Da entsteht sicherlich ein Manko. Es ist normal, dass man die besten Spieler von Top-Mannschaften holt. Der BVB ist ja eine Top-Mannschaft. Dortmund verpflichtet auch die besten Spieler von Mönchengladbach, siehe Marco Reus 2012. Jeder bedient sich beim Konkurrenten, weil dort gute Spieler unter Vertrag stehen. In den anderen Ländern ist es nicht anders.

"Wolfsburg wird wieder angreifen"

Hitzfeld: Borussia Dortmund ist und wird der ärgste Konkurrent von Bayern München bleiben. In den nächsten zwei, drei Jahren werden diese Teams weiterhin ganz oben dabei sein. Und ich glaube, dass Dortmund auch mal wieder Deutscher Meister werden kann, weil Bayern München diese unglaubliche Konstanz auf dem höchsten Niveau nicht immer bringen kann.

Der VfL Wolfsburg wird sich von dieser enttäuschenden Spielzeit erholen und wieder oben angreifen. RB Leipzig muss sich erst einmal in der Bundesliga zurechtfinden. Die Erwartungen werden auch sehr hoch sein. Aber bis 2020 wird sich in der Hierarchie nicht viel ändern. Ich sehe weiterhin Bayern München und Borussia Dortmund ganz oben.

"Guardiolas Bilanz ist sehr gut"

Frage: Im letzten Drittel der Saison wurde es noch einmal spannend, weil Borussia Dortmund seinen Rückstand auf fünf Punkte verkürzen konnte. Haben Sie geglaubt, dass der BVB die Sensation noch schaffen kann?

Hitzfeld: Nein. In meinen Augen hat der FC Bayern München souverän die Meisterschaft für sich entscheiden können. Die Münchner haben nie Schwäche gezeigt, sondern sie haben ihr Spiel durchgezogen und vor allem unglaublich konstant gespielt. Ich habe keine Bedenken gehabt.

Frage: Mit diesem vierten Titel in Folge ist der FC Bayern in die Geschichte eingegangen. Ist es auch das Verdienst von Pep Guardiola ?

Hitzfeld: Absolut. Für mich hat Pep Guardiola Großartiges geleistet. Die Mannschaft hat konstant auf hohem Niveau gespielt. Sie wurde unter seiner Leitung drei Mal in Folge Deutscher Meister mit einem relativ komfortablen Vorsprung. Außerdem schaffte es der FCB in den vergangenen drei Jahren jedes Mal bis ins Halbfinale in der Champions League. Die Bilanz von Guardiola ist sehr gut, obwohl es nach dem Triple unter Jupp Heynckes alles andere als einfach war, die Mannschaft wieder hungrig zu machen.

Frage: Nach einer starken Rückrunde ist Bayer 04Leverkusen noch Dritter geworden. Sind Sie überrascht worden ?

Hitzfeld: Bayer Leverkusen hat im ersten Halbjahr zu viel Licht und Schatten gehabt. Aber in der Rückrunde konnte Bayer zu alter Stärken zurückfinden und wieder mit mehr Konstanz auftreten.

Das Interview führte Alexis Menuge