Zusammenfassung

  • Trotz des Ausfalls von Topscorer Nikolai Müller fährt der Hamburger SV mit breiter Brust zum 1. FC Köln.

  • Den Hamburgern winkt am Freitagabend die Tabellenführung.

  • Für Abwehrchef Mergim Mavraj wird es die Rückkehr an alte Wirkungsstätte.

Köln - Am Freitagabend eröffnen der 1. FC Köln und der Hamburger SV den 2. Spieltag der neuen Bundesliga-Saison. Die Hamburger reisen nach einem 1:0-Heimsieg über den FC Augsburg mit Selbstbewusstsein an den Rhein und könnten nach dem Spiel die (vorläufige) Tabellenführung übernommen.

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Die beste Nachricht der vergangenen Tage erhielt der HSV unter der Woche ausgerechnet aus der Stadt des Kontrahenten. Am Mittwoch wurde der verletzte Nicolai Müller in der Kölner MediaPark-Klinik erfolgreich operiert. Die OP führte Knie-Spezialist und FC-Mannschaftsarzt Peter Schäferhoff durch. Anschließend twitterte Müller, er habe alles gut überstanden. Der Angreifer wird dem Bundesliga-Dino nach seinen Kreuzbandriss allerdings monatelang fehlen.

Ohne seinen Topscorer der vergangenen Saison muss HSV-Trainer Markus Gisdol notgedrungen seine erste Elf umstellen. Gegen Augsburg ersetzte Aaron Hunt den verletzten Müller. Es ist wahrscheinlich, dass der ehemalige Wolfsburger auch am Freitag das "Müller-Double" geben wird. Gisdol brachte aber auch eine Doppelspitze ins Spiel: "Gut möglich, dass wir mit zwei Stürmern starten. Und für die Position zentral dahinter haben wir verschiedene Optionen."

Gisdol: "Ich habe großes Vertrauen in meine Spieler"

Als Alternativen auf den offensiven Außen stehen ihm Bakery Jatta oder auch Luca Waldschmidt zur Verfügung. Auch Lewis Holtby könnte in die erste Elf rutschen und auf der zentralen Mittelfeldposition spielen. Egal wen Gisdol aufstellt, dem Trainer ist nicht angst und bange: „Bis auf Thoelke und Müller stehen mir alle Akteure zur Verfügung. Ich habe großes Vertrauen in meine Spieler“, so der HSV-Coach auf der Abschluss-Pressekonferenz am Donnerstag. 

Albin Ekdal und vor allem der Ex-Kölner Mergim Mavraj sind Anfang der Woche wieder ins das Mannschaftstraining eingestiegen und komplettieren den HSV-Kader. Es scheint fast sicher, dass Mavraj in die Stammelf zurückkehren und mit Kyriakos Papadopoulos die Innenverteidigung bilden wird. Ekdal vergrößert Gisdols Varianten im zentralen Mittelfeld.

Video: Umkämpfter Auftaktsieg gegen Augsburg

Für Mavraj (verpasste den Saisonauftakt mit Nackenproblemen) ist das Spiel an alter Wirkungsstelle immer noch etwas Besonderes, auch wenn er im Trikot des HSV schon zweimal auf seinen ehemaligen Arbeitgeber traf. Beide Duelle gewann der HSV im Übrigen. Im Februar 2017 besiegten die Rothosen im DFB-Pokal die Rheinländern mit 2:0, im April holte der HSV einen wichtigen Last-Minute-Sieg in der Bundesliga. Lewis Holtby traf damals in der 90. Minute zum eminent wichtigen Heimsieg.

"Ich freue mich sehr auf das Stadion und auf die Atmosphäre dort an einem Freitagabend. Ich habe es immer sehr genossen dort zu spielen, das ist etwas Besonderes", so Mavraj. Beim letzte Auswärtsspiel des HSV im RheinEnergie-Stadion trug der Albaner noch das Trikot der Kölner. Durch einen Hattrick des abgewanderten Anthony Modeste verloren die Hanseaten mit 0:3, außerdem sah Bobby Wood in diesem Spiel die Rote Karte.

Mavraj: Kölns Auftaktniederlage "nicht zu hoch hängen"

Der 1. FC Köln verlor am 1. Spieltag gleich das rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach (0:1). Mavraj glaubt aber nicht, dass diese Niederlage einen besonderen Einfluss auf das Spiel am Freitagabend haben wird. "Man sollte das erste Spiel niemals zu hoch hängen. Ob es jetzt eine Niederlage im Derby für Köln ist oder unser Sieg gegen Augsburg. Wichtig ist immer, wie eine Mannschaft auftritt – und da hat sich Köln wie immer mannschaftlich geschlossen präsentiert. Ich traue ihnen auch in dieser Saison viel zu."

Ein gelungenes Debüt im Trikot der Rothosen feierte am vergangenen Samstag Neuzugang Rick van Drongelen. Der Niederländer spielte gegen Augsburg auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position und machte seine Sache gut und schrieb gleich HSV-Geschichte. Mit 18 Jahren ist er jetzt der jüngste Niederländer, der je beim HSV debütierte.

Van Drongelen schreibt Geschichte

"Das hat er wirklich sehr, sehr gut gemacht. Als Innenverteidiger ist es immer schwer auf Außen zu spielen. Alleine mit 18 Jahren auf so einer Bühne die Sache so cool runter zu spielen. Das ist schon beeindruckend", lobte auch Mavraj den Auftritt des Youngsters. Van Drongelen war einfach nur froh über seine ersten Bundesliga-Minuten: "Für mich war es das erste Mal, dass ich bei einem Heimspiel vor so vielen Zuschauern gespielt habe. Bei Sparta passen ja nur 10.000 ins Stadion. Die Stimmung war beeindruckend", so der Abwehrspieler, der in Köln vermutlich wieder als Linksverteidiger starten wird. 

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Ungewöhnlicher Rekord für Diekmeier

Ebenfalls in die Geschichtsbücher trug sich gegen Augsburg Dennis Diekmeier ein. Doch auf diesen Eintrag würde der Rechtsverteidiger am liebsten verzichten, denn zusammen mit dem ehemaligen Bielefelder Markus Schuler ist er nun seit 182 Bundesliga-Spielen ohne Tor – Bundesliga-Bestwert!

Sollte er in Köln abermals ohne Treffer bleiben, wird Diekmeier alleiniger Rekordhalter. Der HSV-Verteidiger nimmt das Ganze allerdings mit Humor: "Ich freue mich auf den Rekord – und dann geht’s los mit dem Toreschießen. Im Ernst: Ich sehe die Sache nicht so verbissen, ich nehme das locker", sagte er im Interview mit dem Magazin "11Freunde".

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Die Tabellenführung winkt

Sollte der HSV am Freitagabend tatsächlich einen Punkt holen oder sogar gewinnen, würden die Hanseaten zumindest vorübergehend die Tabellenführung übernehmen. Das letzte Mal, dass der HSV ganz oben stand, ist schon eine Weile her. Vor knapp acht Jahren am 26. September 2009 nach einem 1:0-Heimsieg über Bayern München (Torschütze: Mladen Petric) grüßten die Norddeutschen von ganz oben. Trainer war damals Gisdols Vorgänger Bruno Labbadia bei seinem ersten Engagement in Hamburg.

"Das ist eine nette Randerscheinung, nimmt aber keinen Einfluss darauf, wie wir das Spiel angehen. Es wäre aber eine schöne Sache", sagte Markus Gisdol zu diesem Thema. Eine schöne Sache, die der HSV lange nicht mehr genießen konnte. Es würde auch Nikolai Müller am Krankenbett erfreuen.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage