München - Alle vier Jahre sorgt das Olympische Fußball-Turnier bei den Club-Verantwortlichen für Kopfzerbrechen. Dieses Jahr sind zwölf Spieler aus der Bundesliga in London mit ihren Nationalmannschaften am Start. Sie werden große Teile der Vorbereitung mit dem Arbeitgeber verpassen und wirbeln damit den Plan ihrer Übungsleiter gehörig durcheinander. bundesliga.de gibt einen Überblick über die Nominierungen und sagt, welchen Club die Abstellungen besonders schmerzen könnten.

Besonders einschneidend fällt die Abstellungspflicht bei den Neuzugängen der Clubs aus. Den Spielern wird neben dem Einspielen mit der eigenen Mannschaft auch die Integration in den neuen Verein erschwert. Hiroshi Kiyotake vom 1. FC Nürnberg, Hiroki Sakai von Hannover 96, Takashi Usami von 1899 Hoffenheim und Alvaro Dominguez von Borussia Mönchengladbach teilen allesamt dieses Problem.

Warten auf geplante Verstärkungen



Nach nur vier Trainingstagen musste Dominguez dem Ruf aus der spanischen Heimat folgen. Sakai verbrachte immerhin fünf Tage im Trainigerlager von 96 und Kiyotake sogar eine ganze Woche bei den neuen Vereinskollegen. "Das zweite Trainingslager zu verpassen ist nicht gut, das stimmt", sagte jüngst Usami im "Kicker". Der 20-Jährige hatte zumindest die Reise nach Füssen mit der Mannschaft angetreten. Trotzdem viel zu wenig Zeit, um sich mit dem neuen Vereinsumfeld vertraut zu machen. Besonders folgenreich für die Trainer, weil alle vier in den Planungen feste Bestandteile sind und von Anfang an für neue Qualität sorgen sollten.

Außenverteidiger Sakai soll mit seiner Laufstärke und seinem Offensivgeist dem etablierten 96-Kapitän Steven Cherundolu Druck machen. Usami will nach einer Art Schnupperjahr in der Bundesliga beim FC Bayern in Hoffenheim laut eigener Aussage unbedingt Stammspieler werden. In Nürnberg soll Kiyotake in der Offensive der neue Taktgeber werden und ist ebenso ein Kandidat für die Startelf wie Alvaro Dominguez in Gladbach. Der allerdings ist mit Spanien einer Favoriten auf Gold und könnte sogar bis zum 11. August in England weilen.

"Lucien Favre hat gesagt, dass wir in Kontakt bleiben würden, wenn ich zu den Olympischen Spielen gehe. Er hat mir auch schon zwei DVDs mitgegeben", sagt Gladbachs neuer Innenverteidiger. Behelfsmäßig versuchen die Trainer, zumindest die taktischen Vorgaben somit an die Spieler weiterzugeben. Ein vielversprechender Start in eine neue Liga sieht wahrlich anders aus.

Magath sieht's bei Benaglio gelassen



An neue Vereinskollegen muss sich Ja-Cheol Koo zwar nicht gewöhnen, doch auch das Fehlen des Südkoreaners in Augsburg ist ein heikles Thema. Die Verantwortlichen beim FCA bemühten sich intensiv um die Dienstes des Mannes, der in der vergangenen Rückrunde fünf Tore und zwei Vorlagen zum Klassenerhalt beisteuerte.

Gleich zwei Spieler muss der VfL Wolfsburg in Person von Stammtorwart Diego Benaglio und Linksverteidiger Ricardo Rodriguez abstellen. Zumindest bei Benaglio, der 2011/12 der beste Schlussmann im Abwehren von Großchancen war, sieht das Trainer Magath aber positiv. "Ich finde es gut, dass Diego dabei ist. Für einen Torwart ist Vorbereitung im Verein nicht so wichtig wie für einen Feldspieler, der sich eher mit seinen Mannschaftskollegen einspielen muss." Dementsprechend dürfte dem "Wölfe"-Coach die Nominierung von Rodriguez weniger gefallen haben. Der war in der vergangenen Spielzeit gesetzt und gewann 60 Prozent seiner Zweikämpfe - seinen Ausfall im Training sollte er also schnell kompensieren, damit Magath gelassen bleibt.

Hecking fehlt die Alternative



Auch Dieter Hecking steht neben dem Japaner Kiyotake mit Timm Klose noch einen weiteren Spieler in der wichtigen Phase vor dem Saisonstart nicht zur Verfügung. Mit Klose, der vergangene Saison 13 Mal in der Startelf stand, fehlt den Franken vorerst eine gestandene Alternative in der Innenverteidigung.

Der VfB Stuttgart ist zur Olympia-Abstellung vom flexiblen Außenverteidiger Gotoku Sakai gezwungen. Der 21-jährige Japaner war die Entdeckung der Rückrunde bei den Schwaben und bereitete in seinen 14 Einsätzen 2011/12 insgesamt fünf Tore vor.

Nicht immer muss abgestellt werden



Für Marokko ist der zweite Torwart des FCA, Mohamed Amsif, im Einsatz, der in der abgelaufenen Saison sechs Mal den verletzten Simon Jentzsch vertrat. In Bremen ereilt das gleiche Schicksal Francis Affolter, der ebenso wie Gladbachs Yuki Otsu aber durch sein Fehlen den Trainer nicht vor weitere Stammelf-Probleme stellt.

Diese hätten die Abstellungen von Xherdan Shaqiri vom FC Bayern München und Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach hingegen wahrscheinlich bewirkt. Doch die Vereine konnten sich ebenso wie im Fall von Hajime Hosogai und Bayer Leverkusen erfolgreich gegen die Reise nach London stellen. In Ausnahmefällen macht die Abstellungspflicht also doch vor den Forderungen von Vereinen und Trainern halt.

Steffen Hoss