München - Das Totschlagargument schlechthin bei der Diskussion um das Alter von Fußballern hat Otto Rehhagel geprägt. "Es gibt keine alten und jungen Spieler", sagte der Fußballlehrer, "sondern nur gute und schlechte." Der Trainer rechtfertigte damit gerne, dass er besonders betagte Akteure in seine Mannschaften berief. Die aktuelle Generation der Bundesliga-Trainer legt Rehhagels Maxime umgekehrt aus: Egal wie jung ein Kicker ist, wenn er etwas kann, dann spielt er.

Das verdeutlicht der Vergleich der Altersstruktur der Bundesliga mit der vor zehn Jahren. Doch inwiefern unterscheidet sich die deutsche Eliteklasse in dieser Hinsicht von der 2. Bundesliga?

Früher war es üblich, dass Talente nach der Jugend in der zweiten Mannschaft oder bei einem Zweitligaclub reiften, um später in der Bundesliga durchzustarten. Dort sollten sie sich an die härtere Gangart und das höhere Tempo im Herrenbereich gewöhnen. Heute ist es gang und gäbe, dass junge Spieler keinen oder zumindest keinen langen Umweg nehmen. Bereits im Teenageralter bekommen sie auf der großen Bühne Bundesliga ihre Chance.

Ältere Spieler in der 2. Bundesliga gefragt

Beispiele finden sich zuhauf - sogar bei den Topteams. Julian Draxler feierte in der Vorsaison mit 17 Jahren, drei Monaten und 26 Tagen als jüngster Schalker aller Zeiten sein Bundesliga-Debüt. Dortmunds Mario Götze schnupperte bereits 2009 mit 17 Jahren, fünf Monaten und 18 Tagen zum ersten Mal Bundesligaluft. Und David Alaba hält mit 17 Jahren und 255 Tagen den Rekord als jüngster eingesetzter Bayern-Spieler in der Bundesliga.

Dank verbesserter Ausbildung in der Jugend und internationaler Erfahrung durch Einsätze in den Nachwuchsteams der Nationalelf sind die Spieler bereits in jungen Jahren gewappnet für die erhöhten Anforderungen. Der Vergleich der Altersstruktur von Bundesliga und 2. Bundesliga illustriert diese Entwicklung. Die Erkenntnis: Ältere Profis sind mit ihrer Erfahrung besonders in der 2. Bundesliga gefragt.

Auffällig ist, dass in der 2. Bundesliga die 24- und 25-Jährigen die meiste Einsatzzeit bekamen, während in der Bundesliga die 22- und 23-Jährigen am längsten auf dem Rasen standen. Die über 29-Jährigen bekommen in der zweithöchsten Spielklasse deutlich mehr Einsatzzeit (Bild 1) und sie erzielen prozentual gesehen wesentlich mehr Tore als ihre Altersgenossen im Oberhaus (Bild 2). Auch in den Maximalwerten spiegelt sich dieser Trend.

Cottbuser Supertalent und der "ewige Oka"

Eintracht-Urgestein Oka Nikolov war in der Hinrunde mit 37,57 Jahren der älteste eingesetzte Profi in den beiden höchsten Spielklassen. Auf die Bundesliga beschränkt, war Hannovers Altin Lala mit 35,95 Jahren der "Alterspräsident". Wolfsburgs Coach Felix Magath, dessen Mannschaft mit 27,3 Jahren den höchsten Altersschnitt aufwies, warf in Maximilian Arnold mit 17,5 Jahren den jüngsten Spieler beider Ligen ins kalte Wasser.

Ein Stockwerk tiefer war der Cottbuser Leonardo Bittencourt mit 17,57 Jahren der jüngste Akteur, der in der Hinrunde zum Einsatz kam. Als "Jahrhunderttalent" adelte ihn sein damaliger Coach Claus-Dieter Wollitz. Wenig verwunderlich, dass sich Meister Borussia Dortmund bereits frühzeitig die Dienste des talentierten Deutsch-Brasilianers für die kommende Spielzeit gesichert hat.

Mit Ausnahme-Talenten hat der BVB Erfahrung. Der jüngste eingesetzte Spieler der Bundesligageschichte war in Nuri Sahin ebenfalls ein Dortmunder. Der heutige Real-Profi debütierte im zarten Alter von 16 Jahren und 335 Tagen im Sommer 2005 unter Trainer Bert van Marwijk. "Er ist zwar erst 16, aber er spielt schon so schlau wie ein 24-Jähriger", sagte der damalige BVB-Coach. Sahin hatte damals sogar die A-Jugend übersprungen.

Andreas Messmer


Wie die Altersstruktur der Bundesliga aufgeschlüsselt nach Mannschaftsteilen aussieht, lesen Sie in den kommenden Tagen auf bundesliga.de.