München - "Ich sehe doch noch jung aus", sagte Jupp Heynckes. Der Trainerfuchs hat schon eine Lösung bereit, falls es in dieser Saison so weiter geht mit den Verletzungsmeldungen beim FC Bayern. Denn erneut fehlt dem Rekordmeister der wichtigste Offensivspieler: Arjen Robben wird in Kaiserslautern definitiv nicht mitwirken. Und da es derzeit ohnehin um den Gesundheitszustand der FCB-Offensive nicht gut bestellt ist, macht sich Heynckes schon für den Ernstfall bereit. "Vielleicht werde ich doch noch reaktiviert."

Doch soweit sollte es, zumindest an diesem Wochenende beim FCK (Samstag, ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) noch nicht kommen. Trotz einer hartnäckigen Muskelverhärtung ist nämlich immerhin Torschützenkönig Mario Gomez einsatzbereit: "Er ist gestern 20 Minuten gelaufen, das sah schon ganz gut aus. Ich gehe davon aus, dass er spielen kann", erklärte Heynckes.

"Gipfeltreffen" wegen Robben: Weitsicht siegt

Bei Robben sieht die Lage da schon ganz anders aus. Heynckes berichtet von einem "Gipfeltreffen" in Zürich: "Am Montag haben wir uns mit Arjen und Dr. Müller-Wohlfahrt zusammengesetzt. Dabei wurde beschlossen, dass wir bei dem Spieler jetzt die Behandlung beginnen müssen", sagte der Coach. Robben werde demnach in der Pfalz geschont, da sich sein Rückenleiden zu einer beginnenden Schambeinentzündung ausgeweitet hat.

"Ich kenne das aus meiner aktiven Laufbahn. Wenn du das jetzt nicht behandelst, wird es sehr schwierig. Wenn er es immer wieder unter Schmerzen versucht, bringt es auf die Dauer überhaupt nichts", erklärte Heynckes, der für die "Causa Robben" schon einen Plan für die nächsten Wochen entwickelt hat.

So wird der Tempodribbler weder gegen Lautern spielen, noch in der Länderspielpause für sein Heimatland auflaufen. Danach soll er beim Spiel gegen den SC Freiburg (10. September) wieder mit an Bord sein. "Das ist jetzt sehr weitsichtig gedacht, danach geht es im Vier-Tage-Takt weiter", weiß Heynckes. Dieser Takt entsteht durch die Champions League - und die gestrige Auslosung hat natürlich auch den Bayern-Chefcoach nicht kalt gelassen.

"Die schwerste Gruppe"

"Wir haben die schwerste Gruppe erwischt. Es spielen vier Mannschaften aus den besten europäischen Ligen mit dem Prädikat 'außergewöhnlich' gegeneinander. Mit Manchester City, dem FC Villarreal und dem SSC Neapel müssen sich die Münchner messen, schon ganz andere Kaliber als der harmlose FC Zürich aus der Qualifikation. Dennoch, immerhin kenne er Villarreal und Napoli aus dem letzten Jahr - die Spanier waren Endstation für seinen Ex-Club Bayer Leverkusen, die Italiener, gegen die Villarreal weiter gekommen waren, hatte er zuvor beobachtet.

Und Manchester City "kennt man", sagt der 66-Jährige: "Sie haben wahnsinnig investiert und stellen europäische Spitze dar." Als Ziel sieht Heynckes erst einmal "ganz klar das Weiterkommen", an den Gruppensieg oder gar das Finale in München denkt er noch nicht.

Beeindruckt von Lauterns Physis

Doch zunächst geht es im Ligaalltag zum 1. FC Kaiserslautern. Bayern dürfte vor dem Spiel im "Hexenkessel" Fritz-Walter-Stadion durch das letztjährige 0:2 des FCB zum Saisonauftakt gewarnt sein.

Doch der Trainer weiß, was auf die Bayern zukommt. "Der Betzenberg ist ein schwieriges Terrain. Die Mannschaft kämpft mit den Fans im Rücken von der ersten bis zur letzten Minute. Das wird nicht einfach - aber wir dürfen uns von der Atmosphäre dort nicht anstecken lassen. Wir müssen cool bleiben", erklärte Heynckes, der der Mannschaft von Marco Kurz mit Respekt entgegentritt: "Ich war zuletzt sehr beeindruckt von der physischen und kämpferischen Verfassung der Mannschaft gegen Köln."

Vertrauen in Petersen und Olic

Dennoch strahlen der FC Bayern und sein Coach durch die jüngsten Erfolge im Rücken viel Zuversicht aus. Den HSV mit 5:0 aus dem Stadion geschossen, dann die souveräne Qualifikation gegen Zürich: "Wir sind gut drauf", fasste Heynckes zusammen.

Und dass er trotz der Verletzungssorgen über topmotivierte Ersatzspieler verfügt, zeigte der FCB in beiden Spielen: Daniel van Buyten traf gegen Hamburg, Nils Petersen zeigte gegen Zürich in Ansätzen, dass er ein Gomez-Vertreter sein könnte. Und nachdem ein kurzfristiger Stürmertransfer schnell ad acta gelegt worden war ("Es herrschte Einigkeit auf allen Ebenen"), hat Heynckes auch Ivica Olic noch nicht abgeschrieben. "Es ist wichtig, dass er mein Vertrauen spürt", erklärte Heynckes.

In Olic und vor allem in Petersen setzt er seine Hoffnungen, falls auch Gomez nicht bereit stünde. "Er braucht noch Zeit, aber der Junge wird sich noch steigern. Er macht schon noch seine Buden", ist sich der zweimalige Bundesligatorschützenkönig Henyckes sicher. Vielleicht ja schon schon gegen Kaiserslautern.

Vom FC Bayern berichtet Christoph Gschoßmann