München - Das Top-Duell des 13. Spieltags wirft seine Schatten schon voraus. Nach der Länderspielpause trifft der Rekordmeister auf den amtierenden Deutschen Meister, der Erste auf den Zweiten, der FC Bayern München auf Borussia Dortmund.

bundesliga.de stellt im Vorfeld die beiden Spitzenteams in allen Mannschaftsteilen gegenüber und vergleicht die Protagonisten anhand ihrer Leistungen in der laufenden Bundesliga-Saison. Der fünfte Teil der Analyse beschäftigt sich mit den offensiven Mittelfeldspielern der Teams.

Franck Ribery

Ribery fühlt sich wohl beim FC Bayern. "Das ist hier perfekt. Das ist gerade die schönste Zeit, die ich bei den Bayern hatte", erklärte der Franzose. Sogar ein Karriereende des Franzosen in München scheint denkbar. Aus gutem Grund: Ribery blüht derzeit auf und glänzt wie in seinem Bundesliga-Debütjahr, als er Deutschlands "Fußballer des Jahres" wurde. Er ist der Top-Vorbereiter (acht Torvorlagen), der torgefährlichste Mittelfeldspieler (sechs Tore) und der drittbeste Scorer ligaweit, dazu zeigte er mit Abstand die meisten Dribblings. An Sahnetagen, wie sie der Linksaußen derzeit reihenweise erwischt, dürften auch Dortmunds Verteidiger ihre liebe Mühe mit ihm haben. Außerdem: Wenn der Franzose in seiner Zeit bei den Bayern traf, hat das Team noch nie verloren (32 Siege, zwei Remis).

Toni Kroos

Im Zentrum hat sich Kroos etabliert. Coach und Mentor Jupp Heynckes, unter dem er in Leverkusen zum Nationalspieler reifte, gerät regelmäßig ins Schwärmen, wenn die Rede vom gebürtigen Greifswalder ist: "Fußballerisch ist es eine Delikatesse, ihm zuzuschauen, wie leichtfüßig er spielt. Toni ist ein außergewöhnlicher Fußballer. Er entwickelt sich in dieser Saison immer weiter zum absoluten Leistungsträger", sagte Heynckes. Das einzige Manko beim 21-Jährigen ist die Torgefahr. Saisonübergreifend ist er schon 28 Bundesliga-Spiele ohne Treffer, in 57 Spielen für den FCB gelang ihm nur ein einziges Tor. Kein anderer Bundesligaspieler versuchte es dabei so oft wie Kroos, ohne mindestens ein Mal zu treffen.

Thomas Müller

Auch Müller, der bei zwei Saisontoren steht, hinkt seinen eigenen Ansprüchen in punkto Treffern derzeit etwas hinterher. "Es ist ärgerlich, wenn die Dinge nicht so funktionieren, wie man will und wie man es gewohnt ist. Ich habe in dieser Saison ein paar Torabschlüsse nicht reingemacht, die ich von meinem Anspruch her eigentlich machen muss", erklärte er der "tz". Der WM-Torschützenkönig ist allerdings mit sechs Assists der zweitbeste Vorlagengeber der Bundesliga, bereitete die meisten Torschüsse bei den Bayern vor und bleibt ein Dauerbrenner bei den Münchnern. Seit Beginn der Saison 2009/10 stand er in allen 80 Bundesligaspielen auf dem Platz. Auch international ist die Wertschätzung für den Offensivmann mittlerweile riesig: Er ist einer der Nominierten bei der Wahl zum "Weltfußballers des Jahres".

Arjen Robben

32 Tore haben die Bayern bereits erzielt, die Angriffsmaschinerie des Rekordmeisters überrollte fast jeden Gegner. Da geriet Superdribbler Robben, der wegen einer Leisten-OP erneut fehlte, fast schon etwas in Vergessenheit. Gegen Dortmund könnte er allerdings sein Comeback feiern. Robben kehrte vor kurzem ins Training zurück und liegt "voll im Plan", wie der Rekordmeister verlauten ließ. Und wenn Robben spielte, machte er auch immer kräftig Alarm: In 42 Bundesligaspielen war er an sagenhaften 48 Toren direkt beteiligt (30 Tore, 18 Vorlagen). Zumindest von der Bank aus könnte Robben Bayerns Trumpfkarte werden.

Mario Götze

Unersetzlich ist Robben bei den Bayern nicht, wie die vergangenen Wochen zeigten. Unersetzlich wäre beim BVB nur Götze. Der Nationalspieler hat bereits vier Tore und vier Vorlagen auf dem Konto und ist damit hinter Stürmer Robert Lewandowski zweitbester Scorer seines Teams - obwohl er zwei Spiele rotgesperrt fehlte. Beide Partien gingen verloren, ohne Götze fehlte der Borussia der entscheidende Offensivakteur. Kein anderer Dortmunder bereitete so viele Torschüsse vor wie er (40). Auch der 19-Jährige merkt, dass die Gegenspieler mittlerweile gewarnt sind: "Letztes Jahr war vielleicht ein Spieler bei mir, der mich gedeckt hat. Jetzt sind es zwei Spieler oder drei. Das merkt man schon, dass sich die Gegner jetzt intensiver um mich kümmern. Die versuchen einen mit allen Mitteln aufzuhalten", meinte der Techniker.

Shinji Kagawa

Publikumsliebling Kagawa kommt rechtzeitig zurück in die Form der Hinrunde der Meistersaison, in der ihn auch die User von bundesliga.de zum "Spieler der Hinrunde" wählten. Seine drei Saisontore erzielte er bei seinen letzten fünf Einsätzen. Gegen Wolfsburg zeigte er eine Galavorstellung, traf selbst und bereitete zwei weitere Tore vor. "Shinji hat die Spritzigkeit aus der vergangenen Saison wieder", lobt Trainer Jürgen Klopp. Kagawas große Schwäche: Mit nur 30 Prozent gewonnener Duelle ist er der der zweikampfschwächste Spieler der Bundesliga. Aber: er macht dies mit unvergleichlicher Laufleistung wett. Mit 12,4 Kilometern pro 90 Minuten ist er der laufstärkste Spieler in Deutschlands Eliteliga.

Kevin Großkreutz

Die offensive Dreierreihe dürfte BVB-Urgestein Großkreutz komplettieren. Am Anfang der Spielzeit war der Nationalspieler in Top-Form, erzielte drei Tore in drei Spielen. Nach einem Zwischentief hat er sich den Stammplatz mittlerweile zurückerobert und glänzte beispielsweise gegen Köln mit seinem ersten "Vorlagen-Doppelpack" in der Bundesliga. Auch in der Champions League gegen Piräus (1:0) erzielte er das "Goldene Tor". Und an München hat er gute Erinnerungen: Im Vorjahr bereitete er das Führungstor von Lucas Barrios mustergültig vor.

Ivan Perisic

Im Moment nur zweite Wahl ist der kroatische Neuzugang. Nach fünf Startelfeinsätzen in Folge blieb ihm beim Sieg über die "Wölfe" nur die Zuschauerrolle, Klopp vertraute wieder auf die Reihe Großkreutz-Kagawa-Götze. Belgiens Torschützenkönig des Vorjahrs kommt in seinen zehn Einsätzen auf zwei Treffer und eine Vorlage, hatte aber auch viel Pech: Schon drei Mal scheiterte er am Aluminium. Als "Joker" ist Perisic allerdings brandgefährlich. Das hat er auch schon in der Champions League beim Last-Minute-Ausgleichstor gegen Arsenal bewiesen.

Beide Teams verfügen über außerordentliche Qualität hinter der Spitze. Ribery, Götze, Müller, Kagawa - jeder der Offensivkünstler kann an einem guten Tag mit einem Geniestreich Spiele entscheiden. Wie fit Arjen Robben ist, bleibt abzuwarten - sollte er eingreifen können, würde die Tendenz auf dieser Position leicht in Richtung der Münchner gehen. Lesen Sie als nächstes: die Stürmer.


Christoph Gschoßmann

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