Die ersten Videoanalysen von Inter Mailand haben sich die Spieler des FC Bayern bereits angesehen. Und allerseits wird versichert, dass an der Taktik momentan akribisch gefeilt wird.

Trotzdem: Am Samstag wird es im Champions-League-Finale in Madrid denselben offensiven FC Bayern zu sehen geben wie in den vergangenen Wochen - zumindest hoffen die Bayern das.

Schnelles Umschalten entscheidend

"Wir haben unsere Philosophie, wir ändern uns nicht", sagt Abwehrspieler Daniel van Buyten. Das gilt dann eben auch für das wichtigste Spiel des Jahres. Und es gilt auch für die Abwehr.

Zwar ist sich van Buyten über die Gefährlichkeit der gegnerischen Angreifer im Klaren. "Diego Milito ist ein Klassestürmer, er braucht nicht viele Chancen, um ein Tor zu machen. Eto'o ist wahnsinnig schnell, und hinter ihnen spielt Wesley Sneijder, der ist ein Dirigent", sagt der Belgier.

Inter Mailand sei momentan ähnlich selbstbewusst wie die Bayern. "Sie spielen auch gerade um ein 'Triple'. Da muss die ganze Mannschaft aufpassen." Auch Philipp Lahm hatte zwei Tage zuvor schon die Devise ausgegeben: "Wir Abwehrspieler müssen nah an den Gegnern stehen, selbst wenn wir gerade angreifen."

"Sie haben verschiedene Gesichter gezeigt"

Doch das heißt nun eben nicht, dass van Buyten andere Aufgaben bekommt als sonst. Bei den Standards wird der 1,96 Meter große Innenverteidiger genauso nach vorne gehen wie sonst auch. Das Credo: Wir müssen uns nicht verstecken, wir dürfen uns die defensive Spielweise der Mailänder nicht aufdrängen lassen.

Wobei das mit dem berüchtigt defensiven Spiel unter Trainer Jose Mourinho so auch nicht ganz stimme. "Im Rückspiel gegen Barcelona haben sie zwar gespielt wie eine Mauer. Aber sie haben auch viele Spiele mit klarer Differenz gewonnen. Sie haben in dieser Saison verschiedene Gesichter gezeigt", meint van Buyten.

Doch die Zuversicht der Bayern trübt das nicht. Auch Präsident Uli Hoeneß gibt sich überaus selbstbewusst. "Mailand ist möglicherweise sogar stärker als Manchester, aber vielleicht sind wir in den vergangenen Wochen auch immer besser geworden. Ich denke, wir spielen jetzt wie eine echte Spitzenmannschaft."

Butt gibt sich locker

Auch der Torwart wirkt gelassen. "Die Anspannung kommt sicher noch, wahrscheinlich, wenn wir uns in den Flieger setzen. Aber ich bereite mich so auf diesen Gegner vor wie immer", sagt Jörg Butt. Dazu gehören auch Elfmeter - wobei selbst schießen nicht auf dem Trainingsplan steht. Es könne schon sein, dass er auch einen schieße, wenn es in ein Elfmeterschießen gehe. "Das wird sich dann aber erst nach den 120 Minuten entscheiden", sagt der Keeper.

Vom Gegner macht er sich natürlich ein genaues Bild. "Ich bereite mich auf alle Standards vor und schaue, wie die Gegner diese normalerweise schießen. Auch die Strafstöße", so Butt, der seine wirklichen Erkenntnisse über Inter Mailand aber selbstverständlich für sich behält. "Das sind interne Besprechungen. Wir können Sie ja mal dazu einladen", sagt er und grinst - das hatte er natürlich nicht ernst gemeint.

Vom FC Bayern berichtet Christoph Leischwitz