Tempo-Fußball vom Allerfeinsten in Bremen! Als sich am Samstagnachmittag Werder Bremen und Aufsteiger 1899 Hoffenheim gegenüberstanden, war vielen Experten klar, dass hier zwei der spielstärksten Bundesligateams gegeneinander antraten.

Das Spiel selber hielt dann nicht nur, was es versprach. Vielmehr noch. Die 22 Akteure auf dem Platz brannten ein wahres Offensiv-Feuerwerk ab. bundesliga.de stellt die Chronologie des Topspiels noch ein Mal nach.

8. Spielminute

Mesut Özil macht gegen Hoffenheim da weiter, wo er gegen die Bayern am vergangenen Wochenende aufgehört hat. Mit einem sehenswerten Schuss in den kurzen Winkel. Wie schon Michael Rensing vor einer Woche, hat auch 1899-Schlussmann Ramazan Özcan keine Chance. Unhaltbar schlägt das Leder im linken Giebel ein.

15. Spielminute

Der Aufsteiger zeigt sich von dem frühen Rückstand ganz und gar nicht geschockt. Mit einem Traumpass in die Spitze schickt Hoffenheims Toptorjäger Vedad Ibisevic Sturmkollege Demba Ba auf die Reise. Der Senegalese lässt sich nicht lange bitten und schiebt das Leder überlegt am herausstürmenden Werder-Schlussmann Tim Wiese ins rechte Eck. Ein fein herausgespielter Treffer des Bundesliga-Neulings.

16. Spielminute

An diesem Nachmittag geht es hin und her im Weser-Stadion. Kurz nach dem schön herausgespielten Ausgleich der Hoffenheimer zeigen auch die Hausherren, dass sie es verstehen, mit der "Murmel" umzugehen. Eine flache Hereingabe von der rechten Seite durch Markus Rosenberg verlängert Bremens Peruaner Claudio Pizarro per Hacke ins Tor. Das dritte Sasiontor des Neuzugangs ist ein echter "Leckerbissen" für alle Fans.

21. Spielminute

Nicht seinen besten Tag hat 1899- Keeper Özcan an diesem 6. Spieltag erwischt. Einen hohen Ball faustet er auf den an der 16er-Linie stehenden Diego. Der Brasilianer nimmt das Geschenk gerne an und semmelt die Kugel zum 3:1 direkt ins rechte, untere Eck. Seine außergewöhnliche Schusstechnik macht den Schuss für den Schlussmann unhaltbar. Kurzes Zwischenfazit: Víer Treffer in 21 Minuten! So kann es gerne weitergehen...

30. Spielminute

In Bremen hat sich ein offener Schlagabtausch entwickelt. Dass die Gastgeber mit zwei Treffern in Front liegen, haben sie auch dem Aluminium zu verdanken. Gleich zwei Mal rettet es den Bremern die Führung. "Ein verrücktes Spiel von zwei offensiven Mannschaften. Beide Teams kannten nur den Weg nach Vorne. Großes Kompliment an Hoffenheim", wird dann auch Werder-Coach Thomas Schaaf nach Abpfiff sagen. Der Treffer zur 4:1-Führung ist passend zum Spiel, ein abolutes Traumtor. Aaron Hunt nimmt aus 20 Metern Maß und hämmert die Kugel unhaltbar in den rechten Winkel. Wahnsinn!!!

36. Spielminute

Doch auch drei Tore Rückstand sind für die Gäste kein Grund die Köpfe hängen zu lassen. Nachdem Sejad Salihovic mit einem Freistoß kurz zuvor noch an der Latte gescheitert war, macht er es in der 36. Minute besser. Einen Freistoß zirkelt der Bosnier so präzise aufs Tor, dass Tim Wiese nur noch zuschauen kann, wie das Leder im rechten Winkel einschlägt. Ein perfekt getretener Freistoß. Halbzeitfazit: 19 Torschussversuche beider Teams und sechs Treffer! Die beste Halbzeit in der bisherigen Bundesliga-Spielzeit.

61. Spielminute

Die Gäste aus Hoffenheim kommen endgültig ins Spiel zurück, als Diego den zur Pause eingewechselten Tobias Weis im 16er zu Boden bringt. Schiedsrichter Günter Perl zögert nicht und zeigt auf den Punkt. Diese Chance lässt sich Vedad Ibisevic nicht nehmen und verläd "Elfer-Killer" Tim Wiese gekonnt. Souverän schiebt er die Kugel ins rechte Eck. Nach dem siebten Saisontreffer des Angreifers sind die Aussichten, etwas Zählbares aus Bremen mitzunehmen wieder deutlich gestiegen.

62. Spielminute

Genährt wird die Hoffnung auf Punkte der Hoffenheimer dann mit der Roten Karte für Bremens Abwehrchef Per Mertesacker. Der Nationalverteidiger holt Ibisevic auf dem Weg zum Tor rüde von den Beinen und wird von Schiri Günter Perl vorzeitig zum Duschen geschickt. Mit der nun herrschenden Euphorie beim Aufsteiger wird das mit dem schon sicher geglaubten "Dreier" der "Nordlichter" wieder ganz eng.

71. Spielminute

Die furiose Aufholjagd der Hoffenheimer krönt Abwehrspieler Marvin Compper in der 71. Minute mit dem zwischenzeitlichen 4:4-Ausgleich. Nach einer Salihovic-Ecke steigt der junge Manndecker am langen Pfosten am höchsten und wuchtet das Leder mit dem Kopf ins kurze, linke Eck. Mit einem Mann mehr auf dem Platz und dem psychologischen Moment der Aufholjagd im Kopf, hat der Aufsteiger nun sogar den Sieg vor Augen. "Bremen war am Boden und wir müssen das fünfte Tor machen", muss Selim Teber nach der Partie eingestehen.

81. Spielminute

Mit seinem zweiten Treffer reißt dann Mesut Özil die Hoffenheimer aus allen Träumen. Die dezimierten Gastgeber hatten sich nach dem Platzverweis durch Mertesacker fast nur noch auf die Defensive beschränkt und allenfalls sporadisch durch Konter für Torgefahr gesorgt. Einer dieser schnellen Gegenangriffe führt dann tatsächlich noch zum späten Torerfolg. Der U-21 Nationalspieler kommt aus ähnlicher Position wie schon bei seinem 1:0-Führungstreffer zum Abschluss. Aus halblinker Position vollendet er nach einem präzisen Pass von Jurica Vranjes den Konter. "Der Treffer zum 5:4 war glücklich aber wir sind froh dass es geklappt hat", gesteht der Torschütze nach dem Spiel.

Abpfiff in Bremen

Neun Treffer in einem Spiel, das an Tempo kaum zu überbieten war. Am Ende jubeln glückliche Bremer über einen späten Erfolg. Den Gästen merkt man die Enttäuschung über die unglückliche Niederlage nach dem Spiel deutlich an. "Wir sind brutal enttäuscht über das Ergebnis und es soll mir keiner sagen, wie toll das war, wie super sie gespielt haben. Wenn wir so zurückkommen, und am Ende in Überzahl spielen, darf es nicht 4:5 ausgehen. Das ist eine riesige Enttäuschung. Wir hätten das Spiel gewinnen können, wenn nicht sogar müssen", kann es 1899-Trainer Ralf Rangnick kaum fassen.