Als die Lehrstunde beendet war, suchte Stuttgarts Trainer Armin Veh erst gar nicht nach Ausreden. "Sevilla hat eine richtig gute Mannschaft mit Champions-League-Niveau. Das kann nicht unser Maßstab sein. So weit sind wir nicht, und ob wir jemals so weit kommen, weiß ich nicht", räumte Veh nach der verdienten 0:2 (0:2)-Niederlage des VfB zum Auftakt der Gruppenphase im UEFA-Cup beim FC Sevilla offen ein.

Zu deutlich war der Unterschied zwischen den Schwaben und dem UEFA-Cup-Sieger von 2006 und 2007 aus Spanien. Veh wollte sich deshalb auch gar nicht lange mit dem missglückten Start in die Gruppe C, in der am 6. November Partizan Belgrad zuhause der nächste Gegner ist, aufhalten.

Veh: "Das ist Kopfsache"

Vielmehr ging der Blick schon in Richtung Sonntag (ab 16:30 Uhr im Live-Ticker auf bundesliga.de), wenn der VfB in der Bundesliga mit einem Heimsieg gegen den VfL Bochum Anschluss an die Spitze halten will.

"Wenn wir Profis sind und in der Bundesliga oben dabei bleiben wollen, dann müssen wir das wegstecken und den Spagat schaffen. Das ist Kopfsache. Da zeigt sich die Klasse der Mannschaft", sagte Veh und fügte an: "Nachdem wir in Berlin die Punkte verschenkt haben, stehen wir gegen Bochum unter dem Druck, gewinnen zu müssen."

Gegen Bochum wieder mit zwei Spitzen

Allerdings forderte Manager Horst Heldt nach dem Auftritt in Sevilla eine andere Einstellung. "Gegen so einen Gegner kann man verlieren. Aber man muss sich auch mal wehren, kratzen und beißen. Wenn man von der Sorte zu wenige Spieler hat, verliert man eben so ein Spiel", kritisierte der Manager.

Er erwarte "von dem einen oder anderen einfach mehr. Jetzt müssen wir am Sonntag drei Punkte holen".

Gegen Bochum wird Veh neben Mario Gomez in Cacau wieder eine zweite Spitze aufbieten, nachdem er es gegen die Spanier mit nur einem Angreifer versucht hatte, um möglichst lange die Null zu halten.

Doch bereits nach einer Viertelstunde war der Plan des VfB-Trainers durchkreuzt. Ndri Romaric (15.) und Renato (16.) hatten vor 30.000 Zuschauern getroffen.

Hitzlsperger: "Sevilla war zu gut"

Veh sprach anschließend von zwei "dummen Gegentoren". Seinen Keeper Jens Lehmann nannte er nicht namentlich, obwohl der 38-Jährige beim Freistoß zum 0:1 eine unglückliche Figur abgab. Doch Lehmann wollte nicht von eigenen Fehlern sprechen.

"Beim ersten sehe ich den Ball zu spät, beim zweiten war er auf einmal drin. Ich habe jetzt innerhalb von kurzer Zeit in zwei Spielen vier Gegentreffer bekommen. Das darf nicht mehr passieren", sagte der Ex-Nationalkeeper, der den Unterschied zum FC Sevilla als "nicht so groß" empfand: "Sevilla ist gar nicht so gut."

Da war sein Kapitän Thomas Hitzlsperger genau wie Veh aber anderer Meinung. "Sevilla hat einen Klassefußball gezeigt, die waren zu gut", gestand Hitzlsperger ein. Nun ginge es darum, gegen Bochum "eine Pflichtaufgabe zu erledigen. Das Positive ist: Bochum ist nicht besser als Sevilla."