Konkurrenz hat für Mesut Özil nichts mit Neid und Missgunst zu tun. Das demonstriert der 20-Jährige einmal mehr im Trainingslager der Profis von Werder Bremen auf Norderney.

Er wohnt mit Aaron Hunt auf einem Zimmer, ebenfalls Anwärter auf einen Platz im offensiven Mittelfeld, ebenfalls ein Profi, der als Riesentalent startete und nun den letzten Schritt zum anerkannten Leistungsträger gehen will, eben sein größter Konkurrent.

Konkurrenz nur auf dem Platz

Und trotzdem: Auch sein erster Ansprechpartner im Team. "Aaron war zusammen mit Sebastian Beonisch einer der Spieler, die mir am meisten bei der Eingewöhnung in Bremen geholfen haben. Aaron ist ein super Typ, auch neben dem Platz. Wir unternehmen viel gemeinsam", erzählt Özil, der verrät, wie die Zimmerkollegen das Thema Konkurrenz abhaken.

"Wir wissen beide um die Situation, wir wissen, dass wir um das Gleiche kämpfen, aber wir wissen auch, dass der Trainer die Entscheidungen trifft. Wer Leistung bringt, macht das Rennen, fertig."

Vollgas im Training: Mesut Özil will die Konkurrenz abhängen. Doch nicht nur für den Konkurrenten Hunt hat Mesut Özil viel lobende Worte parat. Auch Diego, der den Platz hinter den Spitzen gepachtet hat, kann sich dem Respekt Özils sicher sein.

"Wir brauchen Diego"

"Ganz ehrlich, ich habe nicht gehofft, dass er nach Peking fährt, damit meine Einsatzchancen besser werden. Im Gegenteil: Es ist gut, dass er bleibt, mit ihm sind wir besser. Wir brauchen ihn", so Özil, der dabei vor allem das erste Heimspiel gegen Schalke 04 im Auge hat, in dem der Brasilianer nun mitwirken könnte.

Diese Partie im August wird für ihn auch sechs Monate nach seinem Wechsel von Schalke 04 etwas ganz besonderes. "Da will ich unbedingt in der Startelf stehen, nachdem ich in der Rückrunde nur ein paar Minuten gegen mein altes Team mitwirken durfte."

Gegen die "Königsblauen" will er sich zeigen. Auch wenn er sich in Bremen und vor allem im heimischen Schwachhausen sehr wohl fühlt, ist es eben seine Heimatstadt. Alte Geschichten spielen für seine Motivation keine Rolle mehr.

Gutes Verhältnis zu Andreas Müller

"Natürlich war es ein bisschen schade, wie damals alles abgelaufen ist, der Abschied von Schalke war sehr schwer für mich, aber jetzt ist alles abgehakt. Das Verhältnis zu Schalkes Andreas Müller ist nicht so schlecht, wie viele denken. Wir begrüßen uns, geben uns die Hand, wünschen uns wie beim letzten Spiel gegenseitig viel Glück. Es war ja ohnehin für mich immer klar, dass ich nicht mein ganzes Leben in Gelsenkirchen verbringen kann. Jetzt bin ich hier in guten Händen. Ich konzentriere mich voll auf Werder."

Dort soll nicht nur gegen Schalke die Startelf das Ziel sein. "Ich will da dauerhaft rein. Meine Lieblingsposition ist zwar die des Spielmachers, aber ich würde auch auf der halblinken Seite auflaufen, das habe ich schon bei Schalke gemacht und nach dem Weggang von Tim Borowski gibt es dort vielleicht die besten Perspektiven." Einmal dort angekommen, will Özil mit dem Team ganz oben mitspielen.

"Platz eins bis drei ist realistisch, aber mit unserem Kader können wir auch Meister werden", prognostiziert der reifer wirkende Deutsch-Türke, der sogar knifflige Fragen nach seinen Emotionen im EURO-Halbfinale locker umschifft. "Natürlich bin ich auch Türke, aber ich spiele seit Jahren für Deutschland, fühle mich hier richtig wohl. Ich habe die Partie einfach sportlich gesehen, der Bessere sollte gewinnen. Das war Deutschland. Und für mich ging das in Ordnung."

Duell gegen den Lieblingsverein als Traum

So nüchtern würde Mesut Özil auch mögliche Champions-League-Duelle gegen den FC Barcelona ("seit der Kindheit mein Lieblingsverein") und Fenerbahce Istanbul angehen. "Das wäre ein Traum, auf die beiden zu treffen." Dass die bessere Mannschaft dann wieder gewinnen sollte, ist klar, erst recht, dass sie Werder heißen soll.

In der Bundesliga erwartet Özil mehr Konkurrenten als im letzten Jahr, "aber ganz vorn werden uns wohl wieder die Bayern und Schalke das Leben schwer machen." Typisch Özil: Hält er aber auch mit diesen beiden Konkurrenten besten Kontakt. "Ich telefoniere auch jetzt noch sehr oft mit Hamit in München und Halil auf Schalke, wir sind sehr gut befreundet."