Özil überragt bei Löws Experiment

Deutlich verbessert präsentierte sich die deutsche Nationalmannschaft bei ihrem letzten Testspiel vor dem Endspurt in der WM-Qualifikation. Beim 2:0-Sieg gegen Südafrika zeigte die Elf von Bundestrainer Joachim Löw in Leverkusen eine engagierte Leistung.

Dabei konnten vor allem Mittelfeldregisseur Mesut Özil und Torhüter Rene Adler glänzen.

Einer für die Nummer 10

Vor dem Anpfiff wurde in der BayArena Bernd Schneider offiziell vom DFB verabschiedet, ein Mann der nicht umsonst den Spitznamen "weißer Brasilianer" trug. Wehmütig mag sich mancher Fan gefragt haben, wie lange es dauern würde, bis in der Nationalmannschaft wieder so ein begnadeter, wendiger, trickreicher Techniker auflaufen würde.

Die Frage war schnell beantwortet. Der Mann ist schon da. Mesut Özil heißt er, 20 Jahre ist er erst jung und noch trägt er die Nummer 22 auf dem Trikot. Doch eigentlich müsste er schon bald die magische 10 bekommen. Denn wie der Bremer U-21-Europameister jetzt auch dem Spiel des A-Teams seinen Stempel aufdrückte, war schon beeindruckend.

Özil: "Ich bin sehr zufrieden"

"Ich wollte Gas geben, und heute ist mir alles gelungen", sagte Özil nach seiner Galavorstellung zurecht ohne falsche Bescheidenheit: "Ich freue mich, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe. Ich bin sehr zufrieden. Wir haben als Mannschaft sehr gut agiert."

Der Deutsch-Türke war mit Abstand der beste Mann auf dem Platz, Spielgestalter, Passgeber und sogar Torschütze. Da war es kein Wunder, dass nach Spielende das Lob der Kollegen nur so auf ihn einprasselte.

Gomez lobt "fantastische Pässe"

"Er ist ein Spielertyp, den es in Deutschland lange Zeit nicht gab", meinte etwa Stürmer Mario Gomez, der vor dem Seitenwechsel die deutsche Elf in Führung geschossen hatte.

"Das eröffnet uns viel mehr Möglichkeiten. Er ist ein Spieler mit unheimlich viel Kreativität. Das kommt natürlich auch uns Stürmern entgegen. Er hat immer den Blick nach vorne, er kann den Ball gut halten, er trickst gut. Und er spielt fantastische Pässe. Darüber hinaus macht er auch noch Tore. Wir können froh sein, so einen geilen Kicker zu haben", so Gomez, dessen Einsatz gegen Aserbaidschan aufgrund von Kniebeschwerden gefährdet ist.

Systemtest bestanden

Özil war neben dem überragend haltenden Keeper Rene Adler der Gewinner im Freundschaftsspiel gegen Südafrika, das Bundestrainer Jogi Löw auch vor allem dafür nutzte, statt des üblichen 4-4-2-Systems, die 4-2-3-1-Variante mit Gomez als einziger Spitze auszuprobieren.

Dafür benötigt er neben starken Außenpositionen, die diesmal zunächst von Marko Marin und Bastian Schweinsteiger besetzt wurden, vor allem einen kreativen Offensivmann in der Zentrale.

"Mit Özil haben wir einen Spieler, der das taktisch gut löst", lobte Löw nach dem Spiel: "Er muss dann auch als Offensivspieler ins Mittelfeld zurückkommen oder in die Zwischenräume zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners stoßen. Özil kann sich gut drehen, die Pässe in die Spitze spielen, er kann selber gehen. In so einem System braucht man einen Spieler wie ihn, sonst wird es schwierig."

Bierhoff bremst die Euphorie

Gegen Südafrika sah das schon sehr gut aus. Auch wenn der Bundestrainer mahnt: "Er muss sich noch im defensiven Verhalten auf internationalem hohen Niveau weiterhin verbessern."

Und Oliver Bierhoff versucht ebenfalls, die aufkommende Euphorie um Mesut Özil zu bremsen. "Wir sind von seinen Qualitäten überzeugt. Er hat sie bei der U 21 gezeigt und zeigt sie jetzt bei uns. Wichtig ist, dass seine Entwicklung so weitergeht. Es ist aber noch verfrüht, ihn als neue Nummer 10 zu bezeichnen. Dafür bedarf es noch einiger Spiele", sagte der Manager der Nationalmannschaft.

Vor allem gegen hochkarätige Gegner. Am kommenden Mittwoch steht mit Aserbaidschan zwar nicht unbedingt ein besseres Team als Südafrika auf dem Platz. Doch dafür geht es um wichtige Punkte für die WM-Qualifikation. Sollten Deutschland und Russland (am Mittwoch zu Gast in Wales) ihre Pflichtsiege einfahren, kommt es am 10. Oktober in Moskau (auf Kunstrasen) zum Endspiel um den Gruppensieg.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski