München/Dortmund - Die deutsche Nationalmannschaft konnte den Länderspiel-Fluch gegen Italien zwar nicht beenden. Die DFB-Kicker zeigten dem Erzrivalen aber phasenweise einen Klassenunterschied auf.

Allen voran Mesut Özil, der das Spiel mit seinen genialen Pässen immer wieder ankurbelte und insgesamt sieben Mal zum Torschuss auflegte. bundeslig.de nimmt die Leistung der Nationalspieler unter die Lupe.

Manuel Neuer:
Dass der Schalker Torwart derzeit zu den besten Torhütern der Welt gehört, hat er gegen Italien wieder einmal unter Beweis gestellt. Tolle Reflexe, intelligentes Stellungsspiel und ein Ruhepol für die Vorderleute. Beim Gegentreffer parierte er auch glänzend, den Nachschuss musste er aber passieren lassen.

Philipp Lahm:
Der Kapitän war in der Anfangsphase nicht wie gewohnt auf der Höhe. Dieser Zustand hielt aber nur kurz an. Ab Mitte der ersten Halbzeit war seine Seite dann aber dicht. Zudem mit ein paar guten Flankenläufen. Machte in der 64. Minute Platz für Boateng.

Per Mertesacker:
Der Abwehrchef war dieses Mal eher auf die Hilfe seiner Nebenleute angewiesen. Kam mit dem quirligen Antonio Cassano nicht immer klar. Hatte in einer Situation Glück, dass der Schiedsrichter nicht Elfmeter pfiff. Musste Rossi beim Ausgleich ziehen lassen, weil Boateng zu spät aufrückte.

Holger Badstuber:
In der Bundesliga etwas in die Kritik geraten, zeigte der Linksfuß des FC Bayern eine solide Leistung. Vor allem sein energisches Fore-Checking schon im Mittelfeld zerstörte häufig den Spielaufbau der Italiener. Gewann aber "nur" fünf seiner acht Zweikämpfe.

Dennis Aogo:
Der Linksverteidiger des Hamburger SV stand etwas überraschend in der Startelf. Agierte sehr auffällig – 94 Ballkontakte sprechen Bände. Schaltete sich immer wieder in den Angriff ein und schlug die ein oder andere gefährliche Flanke.

Bastian Schweinsteiger:
Eines der schwächeren Spiele des Bayern-Stars. Beim Rekordmeister derzeit hinter den Spitzen eingesetzt, muss er beim DFB wieder in der Zentrale organisieren. Das machte er gut. Leistete sich aber unglaublich viele Fehlpässe und gewann nur acht von 14 Zweikämpfen. Eine schwache Quote für Schweinsteiger.

Sami Khedira:
Interpretierte seine Rolle im defensiven Mittelfeld wie gewohnt sehr offensiv und schoss gleich drei Mal aufs Tor. Aber dafür in der Rückwärtsbewegung mit Problemen. Wie Schweinsteiger mit schwacher Zweikampfbilanz – nur drei von neun gewonnen. Kurz vor dem Ende beinahe mit dem Siegtreffer, Buffon parierte aber glänzend.

Thomas Müller:
War auf dem rechten Flügel immer anspielbar. Konnte sich dort aber nur selten gegen Chiellini durchsetzen. Spielte dafür beim 1:0 erst den tollen Doppelpass mit Özil und legte danach mustergültig für Klose auf. In der Folge aber mit ein, zwei schlampigen Abspielen.

Lukas Podolski:
Eigentlich ein eher unauffälliger Auftritt von Podolski mit durchschnittlichen Werten. Zweimal versuchte sich der Kölner Kapitän aus der Distanz. Zwei Mal scheiterte er knapp.

Mesut Özil:
Der neue Publikumsliebling von Real Madrid hat seine bestechende Form aus der Primera Division mit nach Dortmund genommen. Hatte mit 114 Ballkontakten die meisten auf dem Feld. Er legte überragende sieben Mal zum Torschuss auf, schoss zwei Mal selber auf den Kasten von Buffon und bereitete das 1:0 mit einem Hackentrick sensationell vor. Prädikat Weltklasse.

Miroslav Klose:
Klose und die Nationalmannschaft, das passt. Beim FC Bayern nur zweite Wahl, zeigt er im DFB-Dress, dass er immer noch ein Top-Stürmer ist. Hat viel gearbeitet und lief beim 1:0 genau richtig ein. Sein 59. Tor im 106. Länderspiel. Noch neun Treffer und er zieht mit Gerd Müller gleich.

Mario Götze:
Diesen Auftritt im heimischen Stadion in Dortmund hat sich Mario Götze wohl ganz anders vorgestellt. Der Shooting-Star des BVB kam nach der Pause für Thomas Müller – und fand überhaupt nicht ins Spiel. Götze wirkte total verunsichert. Er gewann keinen seiner fünf Zweikämpfe. Mit einem ängstlichen Kopfball leitete er das 1:1 ein.

Mats Hummels:
Kam in der 64. Minute für Holger Badstuber ins Spiel. Konnte den Gegentreffer der Italiener aber nicht verhindern. Zeigte in den wenigen Minuten, dass mit ihm in der Innenverteidigung zu rechnen ist. Klärte einmal stark vor Borriello.

Jerome Boateng:
Ersetzte Philipp Lahm ab der 64. Minute auf der rechten Seite der Viererkette. Sah beim Ausgleich ein wenig teilnahmslos aus, war aber schuldlos. Ansonsten unauffällig.

Kevin Großkreutz:
Kam eine Viertelstunde vor Schluss für Klose in die Partie. Mühte sich in der Zeit vor seinem Heimpublikum redlich. Hätte mit etwas Glück bei einem Distanzschuss aus 19 Metern kurz vor dem Ende beinahe den Siegtreffer erzielt.