Düsseldorf - Erzrivale Österreich schlagen, die elfte EM-Teilnahme perfekt machen und dann im nächsten Sommer Spanien vom Thron stoßen: Noch fehlt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine ein Sieg - aber schon jetzt richten die Stars der DFB-Auswahl den Blick nach vorne und deutliche Ansagen an den Welt- und Europameister Spanien.

"Wir können an uns glauben, und wir glauben an uns. Es wird Zeit, dass Deutschland einen Titel holt. Und ich bin davon überzeugt: Wenn wir alles abrufen, holen wir den Titel", sagte Mesut Özil von Real Madrid vor dem EM-Qualifikationsspiel am Freitag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in Gelsenkirchen gegen Österreich.

Historischer Sieg möglich

Auch Torjäger Miroslav Klose von Lazio Rom sieht die DFB-Auswahl längst reif für den Titel bei der EURO. "Aber natürlich", antwortete er auf eine entsprechende Frage: "Die Fußball-Welt schaut nach Deutschland und beneidet uns um unsere Mannschaft. Wir spielen technisch starken Fußball, sehr attraktiv, voller Dynamik. Es macht Spaß, unsere Mannschaft Fußball spielen zu sehen", sagte Klose, der gegen Österreich durch den Ausfall von Mario Gomez gesetzt ist.

Doch vor dem Angriff auf Spanien soll erst einmal der benachbarte Erzrivale die deutsche (Welt-)Klasse zu spüren bekommen. Zweifel an der frühzeitigen Qualifikation und einem historischen Sieg - noch nie gab es in einer Quali für eine DFB-Auswahl acht Siege in Folge - gibt es nicht. "Ich sehe unsere Mannschaft stark und dominant genug. Ich glaube, dass wir nichts anbrennen lassen. Ich bin sehr optimistisch, dass wir uns qualifizieren", sagte Löw am Donnerstag.
Nach dem Wirbel um das Buch von Kapitän Philipp Lahm habe sich "die Aufregung gelegt", berichtete Löw weiter: "Die Mannschaft ist fokussiert auf Österreich. Die Konzentration ist hoch."

Löw hat die Qual der Wahl

Nach dem überragenden Auftritt gegen Brasilien vor drei Wochen (3:2) hat der Bundestrainer auch gegen den kleinen Nachbarn genaue Vorstellungen: "Es gibt klare Vorgaben. Ich will sehen, dass wir Österreich genauso wie Brasilien unter Druck setzen und auch fußballerisch wieder überzeugen." Die Mannschaft hat verstanden. "Wir werden zeigen, dass für Österreich nichts zu holen ist", betonte Lahm, der in den vergangenen Tagen bereits über die Stärke des WM-Dritten geschwärmt hatte. Es sei die beste deutsche Elf, in der er je gespielt habe: "Die Entwicklung ist enorm."

Löw hat längst die Qual der Wahl. Schon jetzt ist der Kampf um die 23 EM-Tickets in vollem Gange. "Der Konkurrenzkampf ist erwünscht und gilt für alle Positionen", sagte der Bundestrainer vor dem Prestigeduell gegen die Österreicher: "Wir brauchen einen breiten Kader mit 20 Topspielern, um den Titel zu holen." Wie gut die deutsche Elf inzwischen aufgestellt ist, zeigt auch die Tatsache, dass Löw gegen die Österreicher in der Startelf auf den Dortmunder Mario Götze verzichtet. Der 19-Jährige war noch vor drei Wochen gegen Brasilien als Jahrhundert-Talent gepriesen worden. Für Götze wird wieder Özil ins Team rücken, der gegen den Rekordweltmeister geschont wurde.

Höwedes und Kroos in der Startelf

Es gibt aber noch weitere Härtefälle. Selbst gestandene Nationalspieler wie Per Mertesacker, dessen Wechsel zum FC Arsenal Löw ausdrücklich begrüßte, und Lukas Podolski dürfen sich ihrer Sache nicht mehr allzu sicher sein, auch wenn sie gegen Österreich wohl beginnen werden. Spieler wie Mats Hummels oder Andre Schürrle drängen mit Vehemenz nach. Auch Benedikt Höwedes gehört zur aufstrebenden jungen Generation. Der Schalker wird am Freitag in der ausverkauften Arena bei seinem Heimspiel auf der rechten Seite verteidigen. Darauf legte sich Löw fest. Ebenso erhält der Münchner Toni Kroos neben seinem Vereinskollegen Bastian Schweinsteiger eine erneute Bewährungschance im Mittelfeld.

Dass Löw inwischen "25 bis 30 Spieler zur Verfügung hat, die auf hohem internationalen Niveau spielen können", bewertete Vize-Kapitän Schweinsteiger sehr positiv: "Wir wollen den maximalen Erfolg, da brauchen wir diesen Konkurrenzkampf. Das steigert die Qualität." In Spanien wird die Entwicklung längst registriert, der Respekt sei "auf jeden Fall" gewachsen, sagte Özil: "Das merke ich schon bei meinen Mitspielern bei Real. Früher haben die meisten gedacht, Deutschland kommt nur übers Kämpferische. Inzwischen betrachten sie uns sehr genau, wissen, dass wir spielstark geworden sind."

Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung gegen Österreich:
Neuer - Höwedes, Mertesacker, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Kroos - Müller, Özil, Podolski - Klose