Bremen - Es ist schon verrückt, was sich in dieser Saison zwischen den Schalker Pfosten abspielt: Mit Ralf Fährmann, Lars Unnerstall und Timo Hildebrand verletzte sich nacheinander dreimal Schalkes aktuelle Nummer eins. Jetzt, nur sechs Wochen nach seiner Schultereckgelenksprengung, steht plötzlich Unnerstall wieder zwischen den Pfosten, den vor der Saison wohl nur die allerwenigsten OBM-Manager überhaupt kannten.

Da Schalkes-Mannschaftsarzt Thorsten Rarreck grünes Licht gab, vertraute Trainer Huub Stevens Unnerstall, denn dieser hatte beim Niederländer einen guten Eindruck im Training hinterlassen. Stevens sprach von einer "Entscheidung für die Zukunft". Auch Manager Horst Heldt bezeichnete Unnerstall vor kurzem als den kommenden Mann bei den Königsblauen.

Ein Fingerzeig also, wer ab dem Sommer das Tor der Gelsenkirchener hütet? In jedem Fall hat Unnerstall die Nase vorn, geht mit viel Vorsprung in den Kampf um den Stammplatz, sollte er nicht mehr auffallend schwächeln. Stevens vertraut dem 21-Jährigen, sieht viel Potenzial beim Zwei-Meter-Mann.

Nicht frei von Fehl und Tadel



Dabei patzte Unnerstall vor seiner Verletzung, mehrmals unterliefen ihm katastrophale Schnitzer. Unnerstall fehlen zu oft die überragenden Momente, wie er sie in der Hinrunde bisweilen zeigen konnte, ist insgesamt noch zu unbeständig. Ihn zeichnet ein solides Torwartspiel aus, das war es dann vorerst aber auch. Die Schwächen des jungen Torhüters sind offensichtlich, beim Herauslaufen und in der Strafraumbeherrschung ist er noch zu unsicher.

Aber nicht nur bei Unnerstall fehlen die absolut herausragenden Momente, alle drei Kandidaten für die Nummer eins sind nicht frei von Fehlern, sowohl Unnerstall, als auch Fährmann und zuletzt Hildebrand im Spiel gegen Bilbao verursachten schon Gegentore. Ein wenig scheint die Kritik auch Meckern auf hohem Niveau zu sein, denn trotz aller Patzer waren alle drei Torhüter zumeist sehr beständig, allein Fährmann hatte zu wenige Gelegenheiten, sich nach seinem Wechsel dauerhaft zu beweisen.

Nicht ohne Grund mag man daher schlussendlich zu der Prognose kommen, dass es trotz des offenen Konkurrenzkampfes in der neuen Saison auf Lars Unnerstall als Stammtorhüter hinauslaufen wird, da er bei den Verantwortlichen die besten Karten hat. Spätestens dann werden ihn auch die OBM-Manager richtig kennen, denn bislang ist Unnerstall mit etwas mehr als 300.000 Euro noch ein echter Geheimtipp unter den Torhütern. Und wie man an den folgenden Zahlen sieht, muss gute Leistung nicht zwangsläufig immer viel Geld kosten.

Beim OBM die Nummer eins in Runde 29

Denn beim Managerspiel war Unnerstall am 29. Spieltag mit einem Wert von 54,8 % in der Kategorie "Zu-Null-Spiele" der beste Torwart. Auf dem Silberrang folgt Bremens Tim Wiese, der in 49,4 % seiner Einsätze ohne Gegentor blieb. Die Top 5 des Spieltags werden komplettiert von Gladbachs-Torwart Marc-Andre ter Stegen (47,3 %), Leverkusens Nummer eins Bernd Leno (45,8 %) und Ron-Robert Zieler (Hannover/ 38,5 %). Alles Keeper, die wesentlich bekannter sind als Unnerstall, den OBM-Usern aber auch deutlich mehr kosten.


Oliver Mumm