Kaiserslautern - Nach dem 0:0 in Kaiserslautern hadert Werder Bremen über vergebene Siegchancen und die schwere Verletzung von Innenverteidiger Sebastian Prödl.

Die Diagnose kam für Sebastian Prödl spät in der Nacht in der Westpfalz-Klinik in Kaiserslautern und tat genau so weh wie der Tritt Stunden zuvor im Fritz-Walter-Stadion: Oberkiefer- und Nasenbeinbruch sowie Gehirnerschütterung. Der Lauterer Angreifer Dorge Kouemaha setzte in der 24. Minute dieses kampfbetonten Spiels zu einem Fallrückzieher im eigenen Strafraum an. Mittlerweile befindet sich Prödl schon wieder in Bremen, hat aber nach wie vor starke Schmerzen: "Es geht mir - ehrlich gesagt - dreckig. Aber ich möchte mich allen herzlich bedanken, die an mich denken und mir in dieser schweren Zeit Zuspruch geben", sagte Prödl auf seiner Homepage.

Kouemaha entschuldigt sich

Der Kameruner traf bei seinem Befreiungsschlag mit seinem Fuß nicht nur den Ball, sondern mit voller Wucht auch - ohne Absicht - ins Gesicht des Bremers Sebastian Prödl. Kouemaha besorgte sich nach der Partie gleich die Telefonnummer von Prödl, um sich zu entschuldigen, er versicherte: "Das tut mir sehr leid, aber ich habe ihn nicht gesehen."

Absicht unterstellte ihm ohnehin niemand. Werder Kapitän Clemens Fritz sagte: "Ich mache ihm keinen Vorwurf und unterstelle ihm keine Absicht, weil Basti von der Seite kam." Prödl blieb blutend am Boden liegen, die Partie musste unterbrochen und der Bremer Profi schließlich auf der Trage vom Platz befördert werden.

Werder Defensive stabil

Vielleicht wären die Bremer mit Prödl in der Abwehr stabiler gewesen und ihm Angriff bei Standardsituationen durch seine Kopfballstärke gefährlicher, wie Werder-Manager Klaus Allofs vermutete. In der Wahrnehmung von Allofs war Werder die "gefühlt" bessere Mannschaft. Wichtig sei gewesen, dass die Elf nicht eingebrochen sei und alle in der Defensive mitgemacht hätten.

Schließlich herrschten auf dem Betzenberg "schwere Bedingungen", wie Allofs sagte, "die keinen Zauberfußball zugelassen haben." Vor allem die Windverhältnisse machten einen genauen Passfußball nicht immer möglich. Dennoch hätten die Bremer einige Angriffe besser zu Ende spielen können, als sie es taten.

Mehmet Ekici kann dem Spiel der Bremer im Mittelfeld noch nicht entscheidend sein Können aufzwingen. Geärgert hat sich Allofs darüber, dass die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf die Chancen zum Siegtreffer nicht genutzt hatte. Claudio Pizarro scheiterte bei der größten Möglichkeit in der 79. Minute aus fünf Metern Distanz am vorzüglich reagierenden Lauterer Torwart Kevin Trapp.

Wiese starker Rückhalt

Allerdings gehörte auch Bremens Torsteher Tim Wiese zu den Besten auf dem Platz und reagierte mehrfach stark. "Für den ersten Auftritt war das ganz gut, damit kann man zufrieden sein", meinte Allofs. Mit dem Remis auf dem Betzenberg sicherten sich die Bremer erst einmal Platz fünf, der am Ende der Saison ja einen Startplatz in der Europa-League garantiert.

Aufgrund des schlechten Vorbereitungsspiels gegen Rostock (0:3) hatte Trainer Schaaf trotz der Verletzungen von Naldo, Boenisch und Marin und des gesperrt fehlenden Hunte nur vier statt der sechs möglichen Ersatzspieler nominiert. Die soll ein Zeichen an die Mannschaft sein, dass der angestrebte Europapokalplatz nur mit voller Konzentration erreicht werden kann. Der 19-Jährige Tom Trybull gab laut Allofs ein zufriedenstellendes Startelfdebüt.

Tobias Schächter