Wolfsburg - Manche Fußballweisheiten scheinen sich einfach immer wieder zu bewahrheiten. So auch die Tatsache, dass der 1. FC Nürnberg keine Glanzleistung abliefern musste, um das Spiel beim VfL Wolfsburg mit 2:1 für sich zu entscheiden. "Wenn's läuft, dann läuft's", meinte auch Siegtorschütze Per Nilsson, der kurz nach seiner Einwechlung in der Nachspielzeit traf.

Philipp Wollscheid, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit für den Ausgleich gesorgt hat, unterstrich die Aussage gegenüber bundesliga.de. "Wir haben zu keiner Zeit zu unserem Spiel gefunden. Aber mit dem 1:1 waren wir nicht zufrieden. Wir wissen, dass wir jedes Spiel gewinnen können", beschreibt Wollscheid das Selbstbewusstsein beim Tabellen-Sechsten, auch wenn er zugibt, dass der Sieg "sehr glücklich war."

Bestes Rückrundenteam

Obwohl mit Ilkay Gündogan der Top-Spielmacher des "Clubs" aus der Hinrunde nach überstandener Verletzung erstmals wieder in der Startelf stand, waren es ausgerechnet zwei Standardsituationen, die den Nürnbergern zum Sieg reichten.

Mit nunmehr acht Spielen in Folge ohne Niederlage sind die Franken die stärkste Mannschaft der Rückrunde.
Beim "Club", der im Sommer die Klasse erst in den Relegationsspielen gegen den FC Augsburg halten konnte, bleibt man trotzdem mit beiden Füßen auf dem Teppich - nur einer der Gründe für ihren Erfolg.

"Ein Riesenspaß"

Per Nilsson sieht den "überragenden Teamgeist" als einen Grund für die Erfogsserie. "Es ist ein Riesenspaß, in dieser Mannschaft zu spielen", sagt der Schwede, der in der Nachspielzeit mit dem ersten Ballkontakt zum 2:1 einköpfte."Wir haben viele Spieler, die hungrig sind. Das hat sicher schon den einen oder anderen Punkt gebracht."

Einen Anspruch auf seinen Stammplatz stellt der 28-Jährige nach seiner verletzungsbedingten Pause nicht. "Wir haben acht Wochen nicht verloren, obwohl wir viele Ausfälle hatten. Da muss ich mich wieder ins Team kämpfen. Das ist normal."

Eine Kerbe, in die auch Andreas Wolf schlägt: "Alle haben gedacht, dass wir nach den Verletzungen von Leistungsträgern wie Julian Schieber und Nilsson einbrechen würden. Aber das war nicht der Fall. Die anderen sind in die Bresche gesprungen", ist der Kapitän stolz auf seine Mannschaft. "Dieser Konkurrenzkampf hilft uns allen."

Noch kein Gedanke an den Europapokal

Die Formkurve der Franken zeigt seit dem Rückrundenstart steil nach oben. Von Platz 12 ging es auf Rang 6, die 40-Punkte-Marke wurde gegen Wolfsburg geknackt (42), die internationalen Plätze sind nur noch ein Zähler entfernt. "Der Europapokal ist kein Thema", stellt Wollscheid allerdings klar. "Wir denken weiter von Spiel zu Spiel. Damit sind wir bisher gut gefahren."

Die Fans dürfen aber weiter träumen. "Wozu spielen wir denn sonst Fußball, wenn nicht um Erfolg zu haben", sagt Trainer Dieter Hecking zum Thema Europapopkal - und tritt gleichzeitig auf die Euphoriebremse. "Uns muss klar sein, dass wir uns jeden Erfolg immer wieder erarbeiten müssen. Das Spiel am kommenden Wochenende gegen Bremen ist kein Selbstgänger", warnt der Trainer vor dem Spiel gegen die abstiegsbedrohten Norddeutschen.

Und dann geht es erst richtig los. "Die Hammerspiele kommen doch noch. Wir spielen noch gegen die Bayern und Mainz und müssen nach Dortmund. Danach sind wir schlauer", erklärt Hecking. Sollte die Erfolgsgeschichte sich fortsetzen, wird dann wohl auch innerhalb des Team vom Europapokal geträumt.

Jürgen Blöhs