Köln - Nach dem 4:0-Pokalsieg gegen Germania Windeck in Köln wissen die Münchener Bayern, dass sie noch viel Arbeit vor dem kommenden Start in die Bundesliga vor sich haben.

"Windeck ist wichtiger als Madrid", hatte Bayern-Trainer Louis van Gaal vor dem Pokalspiel der Münchener beim Fünftligisten gesagt und dann auch mit seiner Aufstellung dokumentiert. Die nach den Ausfällen von Daniel van Buyten und Ivica Olic beste Mannschaft hatte der Niederländer aufgeboten.

Berechtigte Kritik, aber positive Ansätze

Zehn WM-Fahrer standen in der Startelf, darunter sieben deutsche Nationalspieler. Doch WM-reif war die Vorstellung der Bayern zu keiner Minute. "Es war das schlechteste Spiel in unserer Vorbereitung", grantelte van Gaal. Es mangelte an Laufbereitschaft, Passgenauigkeit und Kreativität, um die mit Mann und Maus verteidigenden Oberligisten standesgemäß auseinander zu nehmen.

Doch am Ende stand dann zumindest ein 4:0-Erfolg zu Buche. Und bei aller berechtigter Kritik gab es auch positive Ansätze zu erkennen. Zum Beispiel, dass die Abteilung Attacke die wenigen Chancen treffsicher nutzte. Miroslav Klose brach kurz vor der Pause den Bann mit seinem Tor zum 1:0 und bereitete auch gut eine Minute später auch das 2:0 vor.

Ribery, Kroos und Gomez treffen

Franck Ribery machte sein Tor, "Neuzugang" Toni Kroos nach schöner Vorarbeit von Thomas Müller ebenso, und sogar der für Klose eingewechselte und anfangs seltsam hölzern wirkende Mario Gomez schoss einen sehenswerten Treffer. Der Kampf um die Plätze im Sturm ist voll entbrannt. Dafür, dass die Nationalspieler erst seit zwei Wochen wieder am Training teilnehmen, war es nicht so schlecht.

"Wir haben im letzten Jahr sehr viel erreicht. Wir wissen, wo unsere Schwachstellen sind und müssen daran arbeiten und sie abstellen", gab sich Miroslav Klose selbstkritisch: "Aber das geht nicht so schnell. Wir sind auf einem guten Weg, uns richtig einzuspielen. Wir sind jetzt schon einen Tick besser als im letzten Jahr. Das ist auch normal, weil wir schon seit einem Jahr zusammenarbeiten."

"Wolfsburg ist ein ehrgeiziger Verein

Vier Tage vor dem Bundesliga-Start gegen den VfL Wolfsburg verbreiten die Bayern nicht gerade Angst und Schrecken. Aber sie geben sich auch keine Blöße. Den Supercup haben sie gewonnen, im Pokal nüchtern ihre Pflicht erfüllt.

"Mit dem ersten Bundesliga-Spiel ist alles Makulatur", warnt dann auch Bayern-Sportchef Christian Nerlinger: "Das ist ein wichtiges Spiel. Der VfL Wolfsburg ist ein sehr ehrgeiziger Verein. Da wollen wir am Freitag ein Zeichen setzen. Ich bin optimistisch, dass wir drei Punkte einfahren werden."

Kurze Vorbereitungszeit

Es wäre der erste "Dreier" zum Saisonstart seit immerhin drei Jahren. Und ohne eine erhebliche Leistungssteigerung wird das auch nichts. Dessen sind sich die Bayern-Spieler nach der für die Nationalspieler extrem kurzen Vorbereitungszeit bewusst.

"Mir ist es recht, dass die Vorbereitung so kurz ist", sagt Philipp Lahm: "Man sehnt sich nach dem ersten Spiel. Aber wir sind noch nicht bei 100 Prozent. Uns helfen solche Spiele, dass wir wieder zu den 100 Prozent kommen. Die erreicht man nur über die Spiele."

Keine Schwachstelle auf links

Neues Personal scheint es nicht mehr zu geben. Keinen einzigen echten Neuzugang präsentiert der deutsche Rekordmeister in diesem Jahr. Talente sind aufgerückt, ausgeliehene Spieler wie Toni Kroos, Andreas Ottl oder Breno zurückgekehrt. Auch für die vermeintliche Problemzone auf der linken Abwehrseite wird personell nicht nachgelegt. Der Trainer stört sich nicht daran. "Ich habe das schon vor zwei Monaten gesagt: Es wird nicht gekauft. Wir haben ausreichend Spieler und wir müssen den jungen Spielern Vertrauen schenken", fordert van Gaal: "David Alaba kann die Position spielen, Holger Badstuber kann die Position spielen. Warum müssen wir einen linken Außenverteidiger kaufen?"

Dass Diego Contento gegen Windeck Probleme hatte, war unübersehbar. Außer für Nerlinger. "Ich habe auf der linken Seite keine Schwachstelle gesehen. Im Gegenteil. Diego Contento hat das erste Tor wunderbar vorbereitet", hob der Sportdirektor lieber die beste Szene des Außenverteidigers hervor.

"Die Transferperiode ist noch nicht beendet"

Bayern-Stürmer Thomas Müller findet es nicht schlecht, dass die Truppe der Vorsaison zusammengeblieben ist. "Dadurch können wir auf dem Grundstock aufbauen", meint der 20-Jährige: "Wir kennen uns alle. Wir haben im letzten Jahr eine erfolgreiche Saison miteinander gespielt. Deshalb ist es eine gute Sache, dass wir wenig Umstellungen haben."

Gegen neue Stars wehrt sich der Bayern-Trainer indes nicht. "Die Transferperiode ist noch nicht beendet", weiß van Gaal: "Aber wir müssen erst verkaufen, dann können wir vielleicht noch kaufen. Wir haben alle Positionen besetzt. Ich bin zufrieden. Wir müssen im Moment niemanden kaufen." Das vorhandene Personal ist bekanntlich nicht das Schlechteste.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski