Bremen/München - Der großgewachsene Mann hinter den aufgereihten Tischen im Pressekonferenzraum des Weser-Stadions lächelte ganz entspannt in die Runde. "Ich möchte möglichst bei allen 34 Spielen dabeisein und der Mannschaft helfen. Ob durch Tore, Vorlagen oder Mitarbeit in der Abwehr ist mir ganz egal", sagte Nils Petersen bei seiner Präsentation als Neuzugang von Werder Bremen.

Dass er tatsächlich in der Verteidigung aushelfen muss, dürfte unwahrscheinlich sein - in Petersens Worten kam jedoch die Vorfreude über die Aussicht auf eine wesentlich befriedigendere Saison als die vergangene zum Ausdruck. Sein Motto: Hauptsache spielen. Denn in der abgelaufenen Spielzeit kam der frühere Cottbusser nur sporadisch zum Einsatz und durfte meist nur in den letzten Minuten aushelfen, wenn seine Münchner Sturmkollegen bereits für klare Verhältnisse gesorgt hatten.

Nur einmal in der Startaufstellung



Seinen ersten Treffer markierte Petersen am 10. September 2011, als er in der 89. Minute zum 7:0-Endstand gegen den SC Freiburg traf, nachdem er kurz zuvor eingewechselt worden war. Die einzige Bundesligapartie in der Startaufstellung absolvierte der 23-Jährige eine Woche später beim 2:0 auf Schalke - und erzielte promt die 1:0-Führung.

Insgesamt wurde Petersen sieben Mal eingewechselt (nie länger als 17 Minuten) und saß 18 Mal 90 Minuten lang auf der Bank. Neben seinem Premierentor gegen Schalke traf er noch als Joker gegen Freiburg - und auch auch im DFB-Pokal trug sich Petersen in die Torschützenliste ein (Dopelpack gegen Ingolstadt). Vor dem gegnerischen Kasten erwies er sich bisweilen als zu zögerlich und ließ in der Bundesliga drei von fünf Großchancen ungenutzt, zudem eine im Pokal-Halbfinale in Mönchengladbach.

Dass Petersen bis zum Ende der abgelaufenen Saison keine Chance mehr bekam, sich von Beginn an zu zeigen, lag aber weniger an ihm selbst, sondern vielmehr an der exzellenten Form seines Widersachers Mario Gomez. Der Nationalstürmer erzielte Tor um Tor und gab seinem Trainer Jupp Heynckes kaum einmal Anlass, ihn auf die Bank zu setzen. Petersen neben Gomez im Sturm auflaufen zu lassen, war für Heynckes keine Option - zu ähnlich sind die beiden Spielertypen. "Ich werde oft mit Gomez verglichen. Wir haben ähnliche Anlagen, aber er ist noch viel athletischer. Ich versuche, noch kräftiger und stämmiger zu werden", erkannte Petersen im Winter.

"Ich habe mir zu wenig zugetraut"



Der Torschützenkönig der Saison 2010/11 in der 2. Bundesliga gesteht aber auch ein, dass er vor einem Jahr mit zu niedrigen Erwartungen in den Süden ging. "Ich habe mir zu wenig zugetraut - immerhin hatte ich Mitspieler wie Gomez, Olic oder Müller."

Die vergangene Saison als verlorene Zeit zu werten, davon ist der bullige Angreifer allerdings weit entfernt. "Ich glaube, jeder würde es wieder machen. Alleine, weil man Bayern München in der Vita stehen hat. Ich hätte es mir ja auch einfach machen können und zu einem Verein aus dem Mittelfeld oder der Abstiegszone wechseln können. Ein Schlaudraff oder auch ein Baumjohann haben es vielleicht nicht bei Bayern geschafft, aber sie stehen bei guten Vereinen unter Vertrag. Es ist falsch, wenn man sagt, dass diese Spieler gescheitert sind."

Rückkehr zum FC Bayern geplant



Nun also Werder Bremen, zumindest für ein Jahr. Denn Petersen wechselt nur auf Leihbasis für die kommende Spielzeit, und der FC Bayern hat Werder keine Kaufoption engeräumt - ein deutliches Zeichen dafür, dass man an der Isar weiter an den Mittelstürmer glaubt "Nils ist ein großes Sturmtalent. Wir möchten ihm die Gelegenheit geben, Spielpraxis zu sammeln - das kann er in Bremen", sagte FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger auf der Club-Homepage. "Dass wir außerdem seinen Vertrag verlängert haben, zeugt von unserer Wertschätzung für ihn. Wir trauen ihm eine erfolgreiche Zukunft in der Bundesliga und beim FC Bayern zu."

Während Nerlinger am Montag überraschend seinen Hut mehmen musste, zeichnet sich für Petersen also die Rückkehr nach Münchnen schon wieder ab. "Ich gehe nach Bremen, um gestärkt zurückzukommen. Diesen Weg sind schon vor mir viele Spieler bei Bayern gegangen", sagt Petersen, der schon mit den Hufen scharrt. "Jetzt bin ich umso heißer, Tore zu schießen. Tore sind mein größtes Hobby. Wenn man viel getroffen hat, dann wird das zur Sucht." Chancen dazu, das habe ihm Werder-Trainer Thomas Schaaf klar gemacht, wird er in Bremen erhalten. Und notfalls trifft er auch als Verteidiger in den gegnerischen Kasten.

Johannes Fischer