Leichter Missmut in Bremen, große Zufriedenheit in Hamburg: die beiden Nordclubs zeigten nach ihren Auswärtsaufgaben in der Europa League unterschiedliche Gefühle. Während sowohl Werder als auch der HSV jedoch auf Kurs bleiben, droht Hertha BSC das Aus.

Der deutsche Pokalsieger von der Weser blieb auch im 14. Pflichtspiel hintereinander ohne Niederlage, verpasste jedoch durch das 2:2 (1:0) bei Austria Wien den vorzeitigen Einzug in die Gruppenphase.

"Überrascht, wie wenig wir dagegengesetzt haben"

"Wir müssen einfach wissen, dass wir nichts geschenkt bekommen", sagte Mannschaftskapitän Torsten Frings, Torhüter Tim Wiese formulierte noch pointierter: "Nur mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei geht es nicht."

"Ich war schon überrascht, dass wir am Ende so wenig dagegengesetzt haben", bekannte auch Trainer Thomas Schaaf. Nach den beiden Toren von Claudio Pizarro (19. und 63. Minute) schien alles nach Plan zu laufen, doch Emin Sulimani (73.) und der eingewechselte Schumacher (87.) ertrotzten für die Gastgeber ein durchaus verdientes Remis.

Allofs zweifelt nicht am Weiterkommen

Mit Blick auf die kommenden Aufgaben im nationalen Geschäft beim VfL Bochum, gegen den 1. FC Kaiserslautern und beim 1. FC Nürnberg, in denen der Bundesliga-Vierte wie in Wien durchweg als Favorit das Spielfeld betritt, spekulierte Bremens Vorstandsvorsitzender Klaus Allofs auf einen Lerneffekt: "Hoffentlich war das nur ein Ausrutscher." Am Erreichen der nächsten Runde zweifele er jedoch nicht, "das muss unser Anspruch sein und auch bleiben."

Von diesem Ziel kann sich Hertha BSC Berlin hingegen nach der 0:1 (0:1)-Heimpleite gegen den SC Heerenveen fast schon verabschieden. Doch nach der siebten Pflichtspielniederlage in Folge stellten Trainer und Mannschaft bei ihren Analysen die
"guten Ansätze" in den Vordergrund.

Hoffnungsschimmer bei der Hertha

Anders als beim 0:3 in Nürnberg habe die Mannschaft alles dafür getan, sich ein Erfolgserlebnis zu erarbeiten, meinte Trainer Friedhelm Funkel. Und Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger sagte: "Wir haben eigentlich nur wenig Chancen zugelassen." Eine davon führte jedoch zum Siegtreffer für den niederländischen Pokalsieger durch Hernan Losada (36.).

Während die Hertha sich selbst Mut macht, herrschte bei den Hamburgern Jubelstimmung - die jedoch klein gehalten wurde. Die rund 3.000 nach Schottland mitgereisten Fans des HSV, der sich sich mit 1:0 (0:0) beim einstigen Europapokalsieger Celtic Glasgow durchsetzte, wollten mit ihrem Team feiern. Als die Spieler und Trainer Bruno Labbadia aber nach dem Abpfiff vor die Kurve stellen wollten, stellten sich ihnen zahlreiche Polizeibeamte und Ordner entgegen. Die Party fiel damit aus.

Jubeln verboten

"Das war schon sehr eigenartig. Die Mannschaft hat sich total normal verhalten. Man wird sich ja wohl noch freuen dürfen", meinte Labbadia.

Grund zur Freude hatte vor allem Marcus Berg. Der zuletzt gescholtene Neuzugang erzielte in der 63. Minute den Treffer des Tages und ließ seine Kritiker damit vorerst verstummen. "Dass ich das Tor gemacht habe, ist natürlich schön, aber viel wichtiger war, dass wir als Team funktioniert haben", sagte der Schwede. Auch das wird Labbadia gerne hören.