Nach dem 3:4 in Mönchengladbach am 20. Spieltag war die Enttäuschung bei den Spielern und Verantwortlichen von Werder Bremen groß. Es war die fünfte Pleite in Folge. 13 Punkte betrug damals der Abstand auf Platz 3, der die Qualifikation zur Champions League bedeutet. Sogar die Teilnahme an der Europa League war in Gefahr.

"Wir müssen jetzt noch enger zusammenrücken und sind als Team gefragt. Wir müssen wieder an uns glauben und uns herankämpfen", appellierte Tim Borowski damals an das Team. Und seine Worte wurden scheinbar erhört.

In den acht darauffolgenden Spielen fuhren die "Grün-Weißen" sechs Siege ein, dazu zwei Remis. Zwar sind die Norddeutschen dadurch nur um einen Platz auf Rang 5 geklettert. Der Abstand zu den drittplatzierten Leverkusenern beträgt aber nur noch fünf Punkte.

Frings in Dortmund gesperrt

"Ich will unbedingt wieder in die Champions League", machte Per Mertesacker in der "Bild" keinen Hehl daraus, welches Ziel die Hanseaten nun im Visier haben. Doch dieses Unterfangen ist sicherlich nicht leicht. "Wir müssen schon alle Spiele gewinnen, wenn wir es noch schaffen wollen", weiß Kapitän Torsten Frings.

Nach seinem Platzverweis vom Wochenende muss Frings nun aber ausgerechnet in der Partie bei seinen Ex-Club Borussia Dortmund mit der Zuschauerrolle vorlieb nehmen. "Es ist ganz bitter ausgerechnet in so einem wichtigen Spiel zu fehlen", erklärte der "Lutscher" nach der Urteilsverkündung des DFB.

Borowski im Aufwind

Beim BVB muss nun Borowski mit seiner Erfahrung im defensiven Mittelfeld die Chefrolle übernehmen. "Boro" stand zuletzt stark in der Kritik, zeigt aber eine aufsteigende Formkurve. Gegen Nürnberg traf er zum zwischenzeitlichen 3:0. "Das war der Lohn der letzten Wochen. Ich habe hart an mir gearbeitet und immer an mich geglaubt. Mir war klar, dass es irgendwann auch wieder aufwärts gehen würde", erklärte Borowski.

Im Signal Iduna Park geht es aber nicht nur für Werder darum, Druck auf Leverkusen auszuüben. Denn die Hausherren liegen momentan noch vor den Bremern auf Rang 4 und schielen ebenfalls noch auf die Teilnahme an der "Königsklasse". Der Gewinner der Partie geht mit Vorsprung in den Endspurt.

Borowski nimmt die spannende Ausgangslage aber mit der gewohnten norddeutschen Kühle und Gelassenheit. "Wir werden ganz ruhig und locker bleiben. Wir müssen intensiv und konzentriert weiterarbeiten. Man sieht ja, dass das in den letzten Spielen Früchte getragen hat."

Keine Zukunftsmodelle an der Weser

Abwehrchef Mertesacker wollte verbal aber dann doch noch nicht mit Volldampf vorauspreschen. "Noch sind wir nicht in der Position, über die Champions League zu sprechen. Aber wir sind dabei, dies zu ändern", kündigte der Nationalspieler an.

Sollte Werder seine Serie fortsetzen, könnten sie zum Saisonende eine erfolgreiche Aufholjagd mit einem tollen Erfolg krönen. Bis dahin sind es aber noch sechs Spiele. "Über Dinge, die in der Zukunft liegen und vielleicht noch passieren könnten, brauchen wir nicht nachzudenken", sagte Borowski: "Aber wenn es so kommt, hätte ich nichts dagegen."

Michael Reis