Köln - Auch für den Sieg in einem Derby gibt es nur drei Punkte. Im Vorfeld einer Begegnung zweier Rivalen werden die Trainer beider Mannschaften meistens nicht müde, diesen Umstand zu betonen. Und dennoch geht es bei einem Derby um viel mehr. Das wird auch am Samstag wieder so sein, wenn der SV Werder Bremen und der Hamburger SV im traditionsreichsten Duell der Bundesliga-Geschichte aufeinander treffen. Das ewig junge Duell zwischen Werder und dem HSV fesselt die Fans weit über die Region hinaus, denn beide Clubs haben auch viele Anhänger im Ausland.

Während in Deutschland die Partie angepfiffen wird, ist es in Peking schon 22:30 Uhr. Die perfekte Zeit für einen schönen Fußballabend in einer Bar. Der "Werder Fanclub Peking" trifft sich regelmäßig in der irischen Sportsbar "Filling Station" oder der Sportsbar im "Riviera Country Club". Fanclub-Gründer Hartmut Heine kommt gebürtig aus dem Bremer Umland, lebt aber seit über 30 Jahren in China. Seitdem führt er eine innige Fernbeziehung zum SV Werder. Die aktuelle Entwicklung sieht er mit Sorge: "Hoffentlich bekommt Grün-Weiß nun die Kurve", wünscht er sich. Kurz nach Mitternacht am Samstagabend wird er es wissen.

Von Singapur bis zur arabischen Welt

Noch eine Stunde später ist es in Singapur, wenn der Sieger der Begegnung feststeht. Bundesliga-Spiele mitten in der Nacht sind für Dominik Schwardtmann und seine Freunde vom HSV-Fanclub "Majulah HSV" völlig normal. "Majulah" ist malaiisch bedeutet "vorwärts". Der Fanclubname lehnt sich an eine Passage der Nationalhymne von Singapur an, in der es heißt: "Majulah Singapur". Die Mitglieder treffen sich zu den HSV-Spielen entweder privat oder in der Kneipe, sind aber auf den Programmplan von Fox-Sports angewiesen. Wird der HSV nicht übertragen, hilft das Internetradio weiter.

Auch für die Mitglieder des "Werder Bremen official Fan Club In the Arabic World" ist es nicht immer leicht, die Spiele gemeinsam zu verfolgen. "Wir versuchen, uns zu jeder Begegnung mit Mitgliedern zu treffen, aber das ist nicht so einfach. Gerade für Werder-Fans in Jordanien oder Syrien", erklärt Akel Alkouba, der den Fanclub im September 2013 gründete. Die Mitglieder sind über viele Länder verstreut und bleiben über Facebook und WhatsApp miteinander in Kontakt. Am Samstag wollen sie sich am liebsten zum Derbysieg gratulieren.

Ein Derby im Hochsommer

Noch euphorisiert vom der letzten Spieltag sind die Mitglieder des Fanclubs "HSV Namibia". Ein Teil der 50 Mitglieder traf sich in Windhoek zur Partie gegen Borussia Dortmund und würdigte die Leistung der Hamburger Profis mit einer spontanen Feier. Für Samstag ist noch nichts geplant, aber mitfiebern werden die HSV-Fans im Exil auf jeden Fall. Dabei sollten sie unbedingt darauf achten, genügend zu trinken, denn für Samstag sind knackige 34 Grad angesagt. In Namibia, wohlgemerkt. Aber auch in der afrikanischen Sonne ist das Norderby keine Partie wie jede andere.

Florian Reinecke