Die Spieler verkniffen sich verschämt den Jubel, DFB-Präsident Theo Zwanziger übte deutliche Kritik, und der wild gestikulierende Sportdirektor Matthias Sammer wollte sich "aus Selbstschutz" selbst am Tag danach nicht äußern.

Die deutschen U-21-Fußballer haben bei der EM in Schweden erstmals seit 27 Jahren das Halbfinale erreicht, doch die Reaktionen nach dem Schlusspfiff beim 1:1 (1:1) in Halmstad gegen England schwankten zwischen Schock und Scham.

Hrubesch: "Das war ein Rückschritt"

"Es gibt keine zwei Meinungen: So reicht es nicht fürs Finale", sagte Zwanziger, der das Spiel nach seiner harschen Kritik an Sammer Seite an Seite mit dem Sportdirektor verfolgt hatte. In der Tat: Zwar erreichten die deutschen Junioren ihr Minimalziel und hielten nach dem Gewinn der U-19- und U-17-EM die Chancen auf den Titelhattrick des DFB am Leben.

Gegen ein B-Team der bereits qualifizierten Engländer mit zehn Ersatzspielern, drei Debütanten und am Ende sogar dem dritten Torhüter entgingen sie aber nur knapp einer Blamage. Zwanziger forderte anschließend, die Mannschaft "müsse mit mehr sichtbarer Leidenschaft zu Werke gehen".

"Nach den Eindrücken im Training dachte ich, es geht aufwärts. Das war aber eher ein Rückschritt", sagte Trainer Horst Hrubesch und hatte Verständnis für Sammers Schweigegelübde: "Mir ist auch der Kamm geschwollen. Wir wollten die Gruppe als Erster beenden, auch um in unserem schönen Quartier bleiben zu können. All das haben wir leichtfertig hergeschenkt."

Kein Akteur gesperrt

Nun müssen die deutschen Junioren umziehen und bestreiten in Helsingborg gegen den Sieger der Gruppe A ihr Halbfinale am Freitag um 20:45 Uhr (live im ZDF), bei dem auch Ligaverbandsvizepräsident Harald Strutz vor Ort sein wird. Dass Hrubesch dabei alle Spieler einsetzen kann, da keiner der sieben vorbestraften Akteure die Gelbe Karte sah, ist erfreulich, aber auch bezeichnend für den fehlenden Biss.

Mit einer Quote von 6,1 Millionen TV-Zuschauern erreichten die Junioren fast schon das Niveau des A-Teams. Spielerisch waren sie davon aber weit entfernt. Über personelle Konsequenzen müsse man "nun nachdenken", sagte Hrubesch.

Die Frage ist, ob der Kader dies in der Breite hergibt. Mit den vorhandenen Akteuren müsse man aber nun "ein bisschen deutlicher Klartext sprechen", erklärte der Europameister von 1980: "Aber den Stab über die Mannschaft zu brechen, macht keinen Sinn."

Erleichterung, aber kein Jubel

Auf offene Ohren wird er wohl ohnehin treffen. Das Einzige, womit die Junioren am Montag restlos überzeugten, war nämlich ihre Selbstkritik. "Wir haben einfach das Ergebnis verwaltet und wurden beinahe dafür bestraft", sagte Torhüter Manuel Neuer: "Ich hoffe, im Halbfinale werden wir eine andere deutsche Mannschaft sehen." Seinem Schalker Clubkollegen Benedikt Höwedes fehlten "ein bisschen die Worte".

"Das waren einfach gemischte Gefühle", beschrieb der Hoffenheimer Andreas Beck die Stimmungslage beim Schlusspfiff, als kein deutscher Spieler sich zu jubeln traute: "Wir waren schon erleichtert. Aber es hätte auch nach hinten losgehen können. Solche Spiele darf man sich nicht oft erlauben." Die englische Zeitung The Sun lästerte über ein "gewohnt gewöhnliches Spiel" einer deutschen Mannschaft.

"Ein Kopfproblem"

Dabei hatten die DFB-Junioren durch das frühe Tor des Leverkuseners Gonzalo Castro (5.) einen Start nach Maß erwischt. "Dann war einfach im Kopf, dass wir schon fast sicher weiter sind", sagte der Torschütze.

Nachdem Jack Rodwell vom FC Everton für England getroffen hatte (29.), begann das große Zittern. "Das ist ein Kopfproblem", sagte Hrubesch: "Viele sind zu verkrampft. Aber ich hoffe, dass unsere Stolperphase nun vorbei ist."