Mönchengladbach - Der Countdown für das Spiel des Jahres läuft. Akribisch hat sich Borussia Mönchengladbach auf die alles entscheidende Partie beim VfL Bochum im ausverkauften rewirpowerSTADION (Mi., ab 20 Uhr im Live-Ticker) vorbereitet und nichts dem Zufall überlassen.

Borussia-Trainer Lucien Favre verlangt nicht nur von seinen Spielern höchsten Einsatz, sondern auch von allen anderen Mitarbeitern des Vereins. Die Abteilung Videoanalyse machte in den letzten Tagen fleißig Überstunden, um den Coach mit den wichtigsten Videosequenzen des VfL Bochum aus dessen sämtlichen 17 Rückrundenspielen zu versorgen.

Favre fordert "Topleistung"

Was Favre auf dem Bildschirm gesehen hat und was er in der Realität beim knappen Gladbacher 1:0-Sieg im Hinspiel erleben durfte, hat den Schweizer Trainer in seiner hohen Meinung von dem Kontrahenten in der Relegation bestätigt.

"Die Bochumer haben es im Hinspiel sehr gut gemacht, haben hinten kaum Lücken offenbart und nach der Balleroberung schnell umgeschaltet. Sie waren nach Standardsituationen extrem gefährlich. Wir müssen erneut eine Topleistung bringen, um sie zu schlagen", warnt Favre.

Nach dem Dienstagtraining wird sich der Mönchengladbacher Mannschaftsbus mit der kompletten Truppe an Bord Richtung Bochum in Bewegung setzen. Auch wenn die Ruhrmetropole gerade einmal knappe 80 Kilometer von Mönchengladbach entfernt ist, werden die Borussen in einem Bochumer Hotel übernachten und sich dort gewissenhaft auf die letzte Prüfung der Saison vorbereiten. "Wir haben keine Lust, am Spieltag zwei Stunden im Stau auf der B1 zu stehen", erklärt Borussias Sportdirektor Max Eberl die etwas ungewöhnliche Maßnahme.

Bangen um "Säule" Reus

Noch hoffen sie bei der "Fohlenelf" darauf, auch Marco Reus in Bochum einsetzen zu können. Der torgefährlichste Mönchengladbacher Offensivspieler (zehn Saisontore) laboriert noch an einem Muskelfaserriss und unterzieht sich täglich intensiven Behandlungen. "Es wird besser, aber ich weiß noch nicht, wann ich beim Training einsteigen kann", sagte Reus am Montag. Am Dienstag soll ein Belastungstest erfolgen.

"Marco ist einer der wichtigen Spieler bei uns, eine der Säulen. Aber wenn er ausfallen sollte, haben wir genügend Spieler in petto, die ihn ersetzen können", glaubt Borussias Mittelfeldspieler Roman Neustädter. "Marco Reus ist unser bester Spieler. Es ist für uns nicht einfach, wenn er ausfällt", findet auch Innenverteidiger Dante: "Aber wir haben auch andere gute Spieler wie Karim Matmour oder Patrick Hermann. Die können uns auch helfen."

Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit für Reus. "Ob er spielen kann, entscheidet sich erst kurzfristig vor dem Spiel", sagt Trainer Favre, der nicht müde wird, vor dem Gegner zu warnen: "Wir sind noch lange nicht durch. Es ist noch alles möglich." Auch eine Verlängerung oder ein Elfmeterschießen hielt Favre schon letzte Woche für nicht ausgeschlossen.

Erst konzentrieren, dann feiern

Optimistischer sind da schon die Spieler. "Über Elfmeterschießen reden wir gar nicht, das regeln wir vorher", sagt Torhüter Marc-André ter Stegen. "Wir gehen mit einem guten Gefühl ins Spiel. Wir haben das Hinspiel 1:0 gewonnen. Trotzdem gibt es keinen Grund, nachlässig zu werden. Wir müssen das Ganze sehr konzentriert angehen. Dann werden wir es auch schaffen", ist sich der Teenager im Borussia-Kasten sicher.

Sollte das Unterfangen Klassenerhalt letztlich zu einem Happy End gebracht werden, dürfte es eine ausgelassene Feier geben. Für diesen Fall hat Abwehrspieler Dante bereits angekündigt, sich von seiner einzigartigen Haarpracht zu trennen. "Und ich halte mein Versprechen", beteuert der Brasilianer.

Die Borussen-Fans, die keine Tickets für das Saisonfinale in Bochum ergattern konnten, können sich im Borussia-Park beim Public Viewing das Spiel auf zwei großen Videowänden von der Südtribüne aus anschauen. Einlass ist ab 19 Uhr, um 19:30 Uhr beginnt das Vorprogramm mit Moderator Frank Schiffers. Wann die Veranstaltung endet, ist noch offen. Dass es am Ende den Ligaverblieb der Borussia zu feiern gibt, daran zweifelt in Mönchengladbach niemand.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski

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