Seinen Geburtstag hatte sich Werders Cheftrainer Thomas Schaaf vermutlich ein wenig anders vorgestellt. Die Geschenke zum 48. Ehrentag fielen seitens des Hamburger SV jedenfalls ziemlich mau aus. Der HSV setzte sich im Hinspiel des UEFA-Pokal-Halbfinals mit 1:0 bei Werder Bremen durch und hat nun im Duell um den Einzug ins Endspiel die Nase vorn.

Grund zum feiern hatten Schaaf und Co. am Donnerstagabend also nicht, doch die UEFA-Cup-Arythmetik erlaubt keine voreiligen Schlüsse. "Im Ruckspiel müssen wir gewinnen, der HSV nicht. Wenn uns ein Sieg gelingt, dann ziehen wir ins Finale ein", weiß auch der Bremer Coach, dass noch nichts entschieden ist.

HSV schüttelt das DFB-Pokal-Aus unbeeindruckt ab

In den Derbywochen (vier Spiele in 19 Tagen) gewinnt die Floskel "nach dem Spiel ist vor dem Spiel" zusätzlich an Bedeutung. In der vergangenen Woche hatten die Hamburger gegen Werder im Rahmen des DFB-Pokal-Halbfinals noch das Nachsehen und schieden nach Elfmeterschießen aus, ehe die Karten am Donnerstagabend neu gemischt wurden.

Vom psychologischen Vorteil für die Bremer war im Vorfeld die Rede, doch der Nordrivale von der Elbe zeigte sich weder vom Pokal-Aus, noch von der Bundesliga-Niederlage gegen Borussia Dortmund (0:2) beeindruckt und kickte sich den Frust von der Seele. "Besonders in der ersten Halbzeit haben wir das sehr gut gemacht. Der Sieg ist wichtig für unsere Moral", glaubt HSV-Trainer Martin Jol.

Verkehrte Pokal-Welt?

Überaus auffällig: Das Spiel glich der DFB-Pokal-Partie, nur die Rollen wurden getauscht. Während Werder im ersten von vier Derbys noch den Ton angab, beherrschten die "Rothosen" im zweiten Aufeinandertreffen das Spielgeschehen. Werder fehlte über weite Strecken der Partie die klare Linie im Spiel, wachte erst nach der Pause richtig auf. Der HSV wirkte dagegen überaus ballsicher und kombinierte sich immer wieder munter nach vorne.

Verkehrte Pokal-Welt könnte man meinen, doch Bremens Sportdirektor Klaus Allofs klärt auf: "Nicht nur wir, auch der HSV hat ein anderes Gesicht gezeigt. Das ist im Fußball so, dass es Leistungsschwankungen gibt. Beide Mannschaften kommen auswärts scheinbar besser zurecht."

Kleiner Mann ganz groß

Nicht nur deswegen wahren die Bremer noch alle Chancen, die Reise zum UEFA-Cup-Endspiel nach Istanbul antreten zu dürfen. Im Rückspiel sind die "Grün-Weißen" allerdings gut damit beraten, gefestigter in der Defensive aufzutreten. Ausgerechnet der kleinste Akteur auf dem Feld, Piotr Trochowski (1,69 Meter), köpfte an der Weser zum 1:0-Endstand ein.

"Das Gegentor hat gezeigt, was passiert, wenn man nicht aktiv ist. Wenn wir so Begleitschutz geben, dann nutzt der Gegner das aus. Wir haben zu viel zugelassen", moniert Schaaf.

"Im Rückspiel entscheiden Kleinigkeiten"

Bevor die Teams zum dritten Mal in der nordischen Version des "Best-of-Four" gegeneinander antreten, steht noch der Bundesliga-Alltag aus. Beide Mannschaften müssen am Sonntag ran. Für Werder geht es beim 1. FC Köln um nichts mehr, wohingegen der HSV im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin noch um die Meisterschaft kämpft.

Womöglich ist das ein kleiner Vorteil für die Bremer im Hinblick auf das UEFA-Pokal-Rückspiel am kommenden Donnerstag. Doch Allofs will daran nicht glauben: "Der HSV ist genauso müde wie wir. Im Rückspiel erwartet uns wieder ein sehr schweres Spiel. Da werden Kleinigkeiten entscheiden."

Eines ist indes sicher: Auch in Hamburg wird die Jol-Elf nichts zu verschenken haben. Mit einem Sieg könnte Schaaf seinen Geburtstag aber gebührend nachfeiern.

Aus Bremen berichtet Timo Strömer