München/Mainz - Louis van Gaal hat die Ruhe weg. Bayern München dümpelt in der Bundesliga auf Rang 12 herum, bereits 13 Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer 1. FSV Mainz 05. Die Nervosität in der Chefetage ist deutlich spürbar - beinahe täglich formulieren Vorstandsvorsitzender, Präsident oder Sportdirektor zunehmend energisch ihre Forderungen nach einer Wende.

Und der Trainer? Bleibt entspannt. "Da ist keine Krise in Bayern München", betonte van Gaal auf Niederländisch-Deutsch am Samstag im Aktuellen Sportstudio.

Der Fokus in wichtigen Spielen ist da

Er habe davor gewarnt, dass der FC Bayern Probleme bekommen werde, sagte van Gaal im ZDF. Dass es in der Bundesliga nicht wie gewünscht vorwärts gehe, sei ein "mentales Problem", sagte er. Seinen Spielern würden derzeit noch "fünf Prozent" fehlen.

Wenn es um etwas gehe, wie etwa im Endspiel um den Supercup, im DFB-Pokal oder in der Champions League, seien sie konzentriert, stellte der Niederländer fest. "Bei wichtigen Spielen können sie sich fokussieren, in der Bundesliga müssen sie das wieder lernen", erklärte van Gaal, nahm die Spieler aber auch in Schutz: "Menschen sind keine Maschinen."

Auch Torhüter Jörg Butt glaubt, dass der FC Bayern derzeit ein mentales Problem hat. "Der letzte Tick Entschlossenheit fehlt", sagte sagte der 36-Jährige in einem Interview der Bild am Sonntag. Deshalb müsse nun jeder Spieler "mehr Initiative ergreifen und für sich Lösungen finden, um wieder an die Normalform heranzukommen. Keiner kann mit sich zufrieden sein".

Erinnerung an die Saison 1974/75

Van Gaal hob noch einmal hervor, dass er vor den Problemen gewarnt habe. "Geschichte wiederholt sich", sagte er, und so wiederholte er auch die Geschichte von 1974: Damals, erinnerte der 59-Jährige, habe Deutschland gegen die Niederlande das WM-Endspiel gewonnen, danach habe der FC Bayern "mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier und Uli Hoeneß" ebenfalls keine gute Zeit in der Bundesliga gehabt: In der Tat belegten die Münchner am Saisonende 1975 Rang 10 - gewannen dafür allerdings, als es drauf ankam, zum zweiten Mal nach 1974 den Europapokal der Landesmeister.

Während Butt betonte, es sei "nicht immer nur Pech, wenn man die Spiele nicht gewinnt, wir haben uns die Pleiten selbst zuzuschreiben", beklagte van Gaal zum wiederholten Male die Chancenverwertung seiner Mannschaft. Deutschland habe gegen die Türkei (3:0) "fünf Chancen kreiert und hat drei Tore geschossen, und das ist was fehlt bei Bayern München", sagte der Trainer. Zudem: Auch seine Münchner Spieler seien am Freitag "90 Minuten konzentriert" gewesen, und "das fehlt bei Bayern München." Er versuche alles, betonte van Gaal, damit die Bayern diesen Fokus "gegen jeden Gegner und jede Woche haben."

Van Gaal: "Wenn wir verlieren bedeutet das noch nicht, dass wir schlecht spielen"

Mit seiner Mannschaft, die in der Bundesliga immerhin mit nur acht Gegentreffern die drittbeste Abwehr nach Borussia Dortmund (5) und Mainz (7) stellt, ist van Gaal insgesamt nicht mal unzufrieden. "Ich glaube nicht, dass wir schlecht spielen. Ich bin enttäuscht, wenn wir schlecht spielen, aber wenn wir verlieren bedeutet das noch nicht, dass wir schlecht spielen", sagte er und versicherte: "In der Bundesliga ist noch alles offen." Das sieht Torhüter Butt ähnlich, "mit Sicherheit", sei die Meisterschaft noch möglich, "weil die Saison noch relativ jung ist", sagte er: "Aber es wird brutal schwer für uns."

Van Gaal übrigens schließt nicht mehr aus, auch nach dem Ablauf seines gerade bis 2012 verlängerten Vertrags bei den Bayern zu bleiben. Noch immer habe er zwar das Ziel, danach Nationaltrainer zu werden, oberste Prämisse aber sei der Erfolg. "Ich will etwas gewinnen. Wenn kein gutes Land kommt, werde ich das nicht machen, und vielleicht werde ich, wenn Bayern München das will, dann auch noch bei Bayern München bleiben."