Köln - Das Ziel des SC Freiburg vor der Saison war klar definiert: Klassenerhalt. Nicht mehr, nicht weniger. Nach sechs Niederlagen, satten neun Unentschieden und nur zwei Siegen haben die Breisgauer die Hinrunde allerdings als Tabellenletzter beendet.

Ein Grund für die unbefriedigende Halbserie ist die Offensivschwäche der Mannschaft von Coach Christian Streich. 17 Treffer in 17 Spielen bedeuten die zweitschlechteste Bilanz der ganzen Bundesliga. Von den fünf Stürmern, die im Kader stehen, erzielte lediglich Admir Mehmedi ein Tor. Sebastian Freis, Dani Schahin, Karim Guedé und Philipp Zulechner gingen komplett leer aus.

Den Verantwortlichen wurde schnell klar, dass Handlungsbedarf besteht. Noch vor den Feiertagen schlug der SC doppelt zu und legte sich mit Nils Petersen von Ligakonkurrent Werder Bremen sowie dem norwegischen Talent Mats Møller Dæhli von Cardiff City zwei Angreifer unter den Weihnachtsbaum.

Petersens Leihe als Win-Win-Situation

Doch was kann der Sport-Club von den beiden Neuen erwarten? Bei Nils Petersen ist die Sache relativ klar: Auf dem Papier ist der Wechsel für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Petersen bekommt Spielpraxis, Streich einen bundesligaerfahrenen Stürmer.

Seit Sommer 2012 kickte der 26-Jährige an der Weser und erzielte in 69 Bundesligaspielen 18 Tore. In dieser Hinrunde bekam er jedoch kein Bein mehr auf den Boden. Egal ob unter Robin Dutt oder Viktor Skripnik, Petersen war hinter Franco di Santo und zuletzt auch Davie Selke nur noch die Nummer drei im Sturm. Lediglich sieben Einsätze stehen für ihn zu Buche. Kein einziger davon über die volle Spieldauer. Klar, dass seine Ausbeute deshalb etwas dünn daherkommt. Nur beim 3:3 gegen Leverkusen legte er einen Treffer auf.

"Präsenz und Abschlussqualität"

Beim Sport-Club ist man dennoch vollauf überzeugt von den Qualitäten der Leihgabe: “Wir sind sicher, dass er uns mit seiner Präsenz und seiner Abschlussqualität weiterhelfen wird. Er hat seine Torgefährlichkeit bereits unter Beweis gestellt“, so Sport-Vorstand Jochen Saier.

Und in der Tat, diese Entwicklung war vor knapp dreieinhalb Jahren so nicht abzusehen. Mit 25 Treffern sicherte sich Petersen in der Saison 2010/11 die Torjägerkanone der 2. Bundesliga. Top-Clubs aus ganz Deutschland leckten sich die Finger nach dem klassischen Strafraumstürmer von Energie Cottbus. Den Zuschlag bekam der FC Bayern München, wo Petersen aber nie den Durchbruch schaffen sollte.

Nach nur einem halben Jahr ging es per Leihe quer durch Deutschland an die Weser. Und dort begann seine Zeit durchaus verheißungsvoll. In seiner Debüt-Saison knipste er ordentliche elf Mal und steuerte weitere sechs Vorlagen bei. Mit dem Abschied von Kult-Trainer Thomas Schaaf lief auch für Petersen in Grün-Weiß nicht mehr viel zusammen. Nun also die Hoffnung auf den Neustart im beschaulichen Breisgau.

Mit 19 Jahren schon viel erlebt

Einen Neustart, wenn auch in etwas anderer Form, erhofft sich auch Mats Møller Dæhli von seinem Engagement beim Sport-Club. Denn mit seinen erst 19 Jahren hat der offensive Mittelfeldspieler schon eine Menge gesehen. Mit 15 wechselte er in die Jugend von Manchester United, wo er aber nie den Sprung zu den Profis schaffte.

Dieses Ziel erreicht er erst über einen Abstecher in die Heimat zu Molde FK. Dort reift er unter Coach Ole Gunnar Solskjær sogar zum Nationalspieler. Es dauerte nicht lang, da kam auch der langersehnte Anruf aus der Premier League. Cardiff City sicherte sich die Dienste des technisch versierten Angreifers. Den Abstieg der Waliser in der vergangenen Spielzeit konnte er jedoch nicht verhindern. Nach einer weiteren Halbserie in der Championship, der zweithöchsten Spielklasse auf der Insel, nun also der Schritt in die Bundesliga.

"Die Bundesliga ist eine große Herausforderung"

Ein Schritt, von dem sich Møller Dæhli eine Menge verspricht: "Deshalb bin ich hier nach Freiburg gekommen. Das ist ein guter Club mit einer erfolgreichen Geschichte, junge Spieler weiterzuentwickeln. Die Bundesliga ist eine große Herausforderung."

Und diese Herausforderung gilt es ab dem 7. Januar anzunehmen. Denn dann erwartet Christian Streich seine Mannschaft zum Trainingsauftakt. Und für alle Beteiligten ist klar, dieser "Neustart" muss funktionieren, damit es am Ende mit dem Klassenerhalt klappt.

Thomas Ziemann